Petry: Ein gutes Stück Wittenberge

Der Stern macht etwas her und  lädt als Tor zur Innenstadt ein.  Barbara Haak
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Der Stern macht etwas her und lädt als Tor zur Innenstadt ein. Barbara Haak

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16. Mai 2012, 12:14 Uhr

Wittenberge | "Gut, richtig gut gefällt mir der Stern jetzt. Ich gehe mit meiner Frau hier oft vorbei. Und wir freuen uns an der Ordnung, am Grün und auch das Bild oben am Haus ist gelungen." So wie Paul Rietow gefällt vielen Wittenbergern die neue Optik des Platzes und der Häuserfront zwischen Perleberger und Bahnstraße, auch wenn Stadtplaner und Bauamt hier etwas anderes als herkömmliche Rasenrabatten mit Blumenbeeten wagten. Hier in Wittenberge wächst das Grün in einem vertikalen Garten vor einer Hauswand, geht in ein Bild über. Der niederländische Künstler Peter Sinnige - er ist international ein namhafter Maler und hat mit seiner Frau in der Altstadt ein Haus erworben - hat mit dem Werk Goethes Worte "Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein", interpretiert. Birken und in Stahl gefasste Hochbeete gliedern die Straßenfläche vor den Häusern. Der Kreisverkehr mit Rosenbeeten vervollständigt die neue Optik.

"Das Ensemble ist als Eingangstor zur Bahnstraße und damit zur Innenstadt sehr gelungen", befindet Kerstin Pelen. Sie war wie auch die anderen Mitglieder aus dem Vorstand des Interessenrings WIR gestern Vormittag an den Stern geeilt. Die Stadt und die kreisliche Lebenshilfe hatten im Doppelpack zur offiziellen Einweihung des Stern-Ensembles eingeladen. Der Grund dafür so simpel wie einleuchtend: Ohne das Engagement der Lebenshilfe wäre das Areal zwischen Perleberger und Bahnstraße nicht neu gestaltet worden. Bürgermeister Dr. Oliver Hermann unterstrich diesen Umstand gestern mit der offiziellen Einweihung nachdrücklich. Die Lebenshilfe hat 2008 in der Perleberger Straße an der Ecke zum Stern drei Häuser erworben, um dort ein wichtiges Projekt zu verwirklichen. Denn "eine der wichtigsten sozialrechtlichen und ideellen Zielsetzungen ist es, Menschen mit Behinderungen die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen". Und wie könne man das besser erreichen, als mitten im Herzen der Stadt zu leben, zu wohnen und zu arbeiten, sagt Lebenshilfe-Geschäftsführer Tom Buchholz. Die Lebenshilfe hat das mit ihrer Druckerei, ihrer Näherei und neun Wohnungen in der Perleberger Straße am Stern verwirklicht. Baulich haben Lebenshilfe, Stadt und natürlich die Architekten Lösungen gefunden, die den Gebäuden zum Stern hin wieder Fenster und damit ein Gesicht gaben.

Die Bemühungen, dem Stern als zentralem Platz von Wittenberge ein neues Gesicht zu geben, reichen recht weit zurück. Bereits 2004 hatte der städtische Sanierungsträger einen deutschlandweiten Architektenwettbewerb für den Stadtraum zwischen Perleberger und Bahnstraße ausgeschrieben. Es gab interessante Vorschläge. Der Mangel, der aber den Architekten nicht vorzuwerfen ist, weil der Wettbewerb so nicht ausgelobt war: Es fehlte an Lösungen für die Neubelebung der Häuser in der Perleberger Straße.

Dass gestern zur Einweihung des Stern-Ensembles gleich zwei elbestädtische Bürgermeister präsent waren, neben dem regierenden Dr. Oliver Hermann auch sein Vorgänger Klaus Petry, hatte eine speziellen Grund. Der Alt-Bürgermeister hatte bei seinem Ausscheiden aus dem Amt darum gebeten, auf Geschenke zu verzichten und statt dessen um Spenden für Kunst am Bau gebeten. Das Geld floss in das Kunstwerk von Peter Sinnige. "Innovativ, kreativ, ein gutes Stück Wittenberge", charakterisiert Petry das Kunstwerk und den neugestalteten Stern.

Nachzutragen bleibt noch der Wunsch des oben zitierten Wittenbergers Paul Rietow: Er wie sicher auch viele andere Elbestädter hoffen, dass auch noch für die Stern-Häuser zwischen Turm- und Bahnstraße eine ordentliche Lösung gefunden wird.

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