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Fischen ein sicheres Zuhause geben : Peta will Angelverbot für Stepenitz

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Das Umweltministerium will aber die Naturschutzgebietsverordnung nicht verändern. Angler verweisen auf den Einsatz für eine naturnahe Flusslandschaft.

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erstellt am 20.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Die Tierschutzorganisation Peta will das Angeln in der Stepenitz verbieten lassen. Sie appellierte in einem Schreiben an Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD), ein entsprechendes Verbot für das Naturschutzgebiet Stepenitz zu erlassen. Auf diese Weise könnten Fische ein sicheres Zuhause im Fluss finden, teilte die Organisation mit. Derzeit laufen sie jedoch Gefahr, am Angelhaken zu enden.

Das Flusstal wurde im Jahr 2004 als Naturschutzgebiet Stepenitz mit 2500 Hektar Fläche ausgewiesen. PETA kritisiert, dass die Verordnung festlege, dass keine wild lebenden Tiere getötet und keine Pflanzen gepflückt werden dürfen, die Angelfischerei jedoch erlaubt bleibt.

„In einem Naturschutzgebiet sollten alle Lebewesen ein friedliches Leben führen dürfen. Fische aus dem Wasser zu ziehen, ihnen einen Haken durch den Mund zu bohren und sie anschließend zu töten, hat nichts mit Naturschutz zu tun“, so Meeresbiologin Dr. Tanja Breining, Fachreferentin für Fische bei PETA. „Auch wenn Fische sich äußerlich von uns unterscheiden, sind ihr Leben und ihr Wohlbefinden genauso bedeutsam. Sie empfinden Schmerz und sie möchten leben“, begründet Breining die Forderung.

Aus internationalen wissenschaftlichen Studien gehe hervor, dass Fische sehr soziale Tiere sind, die Freundschaften schließen, Solidarität zeigen und miteinander kooperieren, zum Beispiel, indem sie gemeinsam jagen. Auch fühlen Fische Angst und Schmerzen.

Die American Veterinary Medical Association und das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, kommen ebenfalls zu dem Schluss, dass Fische auch ohne Neocortex zur Schmerzwahrnehmung fähig sind und als sensible Lebewesen behandelt und geschützt werden sollten.

Das Brandenburger Umweltministerium sieht hingegen keinen Handlungsbedarf bezüglich der Stepenitz. „Der Verordnung über das Naturschutzgebiet von 2004 ist ein einjähriger Diskussionsprozess vorangegangen, in den sich jeder einbringen konnte. Diese Ideen, Hinweise und Kritiken sind in den Verordnungstext eingegangen“, sagte der Sprecher des Umweltministeriums, Uwe Schade, auf „Prignitzer-Anfrage“. „Eine Änderung der Bestimmungen bereits nach so vergleichsweise kurzer Zeit würde keinen Sinn ergeben, da diese auf eine dauerhafte Wirkung ausgerichtet seien.

„Der Landes- und der Kreisanglerverband Prignitz engagieren sich bereits seit vielen Jahren finanziell und ehrenamtlich für den Erhalt und die Rückgewinnung der natürlichen Lebensgrundlagen in der Stepenitz“, sagte Thomas Bein vom Vorstand des Kreisanglerverbandes. Daher gebe es keine Grund für ein Angelverbot. So würden seit 1999 aus Mitteln beider Verbände Lachse und Meeresforellen im Fluss ausgesetzt.

Landes- und Kreisverband unterstützten auch finanziell den Rückbau von Stauen und Wehren, damit sich die Fische ungehindert in der Stepenitz bewegen könnten. Das setze die Forderung der EU-Wasserrahmenrichtlinie nach uneingeschränkter Durchlässigkeit des Flusses um, sagte Bein.

Die Stepenitz ist als Angelgewässer zweigeteilt. Von Telschow bis zur Straßenbrücke Wolfshagen darf nur mit einem besonderen Salmoniden (Forellen)-Schein des Landesanglerverbandes geangelt werden. Bisher durfte ein Inhaber maximal 100 Fische im Jahr fangen, ab 2017 sind es nur noch höchstens 50. Von der Straßenbrücke bis zur Einmündung in die Elbe könnten alle Vereinsmitglieder die Ruten in den Fluss halten. Besonders beliebt ist das in Perleberg und Wittenberge. Dort gibt es auch regelmäßig Arbeitseinsätze, um die Stepenitzufer sauber zu halten. Der Fluss sei zwar bei Anglern beliebt, aber die natürlichen Gegebenheiten setzten dem Angeln in vielen Bereichen ohnehin Grenzen, erläuterte Thomas Bein.  
 

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