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Kunstfehler-Prozess : Perleberger Klinik entlässt Arzt

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach dem Schuldspruch trennt sich das Kreiskrankenhaus von einem Chefarzt / Offen bleibt, was Klinikleitung über den Bewerber wusste

svz.de von
erstellt am 12.Feb.2015 | 21:30 Uhr

„Der Arzt ist nicht mehr für unser Haus tätig“, sagte auf Nachfrage Karsten Krüger, Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses. Das Amtsgericht Norderstedt hatte den Chirurgen am Mittwoch der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden und zu einer Bewährungs- sowie Geldstrafe verurteilt (wir berichteten).

Mehr Details will die Perleberger Klinik zu dem Vorfall und der Einstellung des Arztes öffentlich nicht preisgeben. Einerseits sei das Gerichtsverfahren formal nicht beendet, da das Urteil noch nicht rechtskräftig sei, andererseits verweist Krüger nach Rücksprache mit der Personalleitung auf datenschutzrechtliche Gründe.

Im Zuge der Beendigung des Arbeitsverhältnisses hätten sich außerdem beide Seiten zur Verschwiegenheit verpflichtet.

„Von dem Hauptverfahren haben ich und unsere Hausleitung erst aus Ihrer Zeitung erfahren“, reagierte Krüger auf unsere Anfrage. Zugleich liegen unserer Redaktion Aussagen vor, die den Verdacht nahe legen, dass es schon im Zuge des Einstellungsverfahrens Hinweise gab, die Qualifikation des Arztes ernsthaft zu hinterfragen.

Ein namentlich der Redaktion bekannter in der Prignitz niedergelassener Arzt, behauptet, dass Chirurgen des Kreiskrankenhauses bezüglich des neuen Kollegen vorab recherchiert und ihre Leitung mehrfach auf mögliche Probleme im Zusammenhang mit dem Kandidaten für die Chefarztstelle hingewiesen hatten. „Ich selbst habe den Geschäftsführer im Januar 2014 in diesem Zusammenhang angesprochen, auf Unregelmäßigkeiten in dessen Vorgeschichte hingewiesen“, sagt der Mediziner. Reagiert hätte die Geschäftsführung nicht.

Weiterhin erreichte ein anonymes Schreiben die Redaktion, in dem ebenfalls von Problemen bei Operationen des verurteilten Arztes an dessen vorherigen Wirkungsstätten die Rede ist. Ein ehemaliger Chefarzt einer dieser im Brief genannten Kliniken bestätigte gegenüber unserer Redaktion, dass er erfolglos davor gewarnt hätte, den Chirurgen einzustellen. Der Name des Arztes ist der Redaktion ebenfalls bekannt, auch er möchte jedoch anonym bleiben.

Schließlich kamen im Gerichtsprozess in Norderstedt zwei weitere Fälle zur Sprache, in denen der Mediziner in der Kritik gestanden habe. Allerdings sind die Verfahren eingestellt worden.

„Angesichts dieser vielen Indizien hätte die Geschäftsleitung recherchieren müssen“, schlussfolgert der niedergelassene Prignitzer Arzt. „Entweder man hat das nicht gemacht, oder die Ergebnisse ignoriert.“

Die Besetzung einer ärztlichen Stelle sei ein vielschichtiges Verfahren, sagte Krüger. An den Bewerbungsgesprächen würden neben der Geschäftsführung, Personalleitung und Betriebsrat auch der künftige Dienst- bzw. Fachvorgesetzte teilnehmen.

„Die eingereichten fachlichen Unterlagen werden durch uns geprüft, gegebenenfalls die Originale eingesehen“, so Krüger weiter. Hinzu kommen Referenzen, die Bewerber vorlegen, in einigen Fällen arbeiten sie für einige Tage in der Klinik mit, damit beide Seiten ein Bild voneinander bekommen.

Im Fall des betreffenden Arztes habe es noch einen Vermittler gegeben, auch das sei gerade bei Leitungspositionen nicht ungewöhnlich. Der Personalberater habe den Kollegen empfohlen und habe am Bewerbungsgespräch teilgenommen.

Aus gegebenem Anlass wolle die Klinik weitere Modalitäten bei Bewerbungen erwägen.

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