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Geschichte Perlebergs : Perleberger auf Napoleons Spuren

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Norbert Weise veröffentlichte im „Le Guide Napoleon“, einem der Standardreiseführer durch jene Zeit, wie die Stadt an Lord Bathurst erinnert

von
erstellt am 13.Apr.2016 | 05:00 Uhr

„Unsere Stadt hat ein historisches Alleinstellungsmerkmal“, so Norbert Weise. Aus seinen Worten klingt ein gewisser Stolz. Denn wer könne schon von sich behaupten, in seiner Stadt habe sich anno dazumal ein echter Krimi zugetragen. Perleberg kann es, denn der englische Gesandte Lord Bathurst und sein mysteriöses Verschwinden geben bis heute Rätsel auf.

„Licht ins Dunkel kann ich allerdings auch nicht bringen“, gesteht Norbert Weise, der sich seit der Schulzeit für Geschichtliches begeistert, insbesondere für Napoleon, dessen Aufstieg zum Kaiser und später sein tiefer Fall.

Von Hause aus ist Norbert Weise Eisenbahner, hat den Beruf von der Pike auf gelernt, war von 1985 bis 1989 Bahnhofschef in Perleberg und ist inzwischen im Ruhestand. Da Französisch die Sprache der Eisenbahn war, wie er sagt, hatte er natürlich während der Berufsausbildung mit Abitur als zweite Fremdsprache Französisch. Vielleicht rührt daher auch sein Faible für die französische Geschichte.

„Allerdings war die Literatur über Napoleon in der DDR sehr übersichtlich“, erinnert er sich. Damit wuchs aber die Neugier und das Verlangen, einfach mehr darüber zu erfahren. Und bei seinen Recherchen zu Spuren, die Napoleon auch in unseren Gefilden womöglich hinterlassen hat, stieß der Perleberger auch auf Lord Bathurst und dessen Verschwinden 1809 nach der von Napoleon gewonnenen Schlacht gegen die Österreicher bei Wagram.

Als 200 Jahre später dann die Stadt an der Post eine Erinnerungstafel für besagten Lord enthüllte, informierte er darüber Alain Chappet, Mitherausgeber des „Le Guide Napoleon“, eines der Standardreiseführer durch die napoleonische Geschichte. Auch Norbert Weise begleitet jener, wenn er sich an geschichtsträchtige Orte in Frankreich, Italien, Deutschland und Belgien begibt. Übrigens, auch seine Informationen über die Enthüllung der Erinnerungstafel finden sich in diesem wieder. Da Alain Chappet kein Wort Deutsch spreche, habe er alles so gar selbst übersetzt, berichtet der Perleberger. „Ich hatte in der Schule eine gute Französischlehrerin.“ Nach der Wende und der Aussicht, an Literatur über die napoleonische Zeit zu gelangen, wurde autodidaktisch die Sprache weiter gelernt. Seit September vergangenen Jahres besucht Norbert Weise einen Kurs an der Kreisvolkshochschule.

Viele, vor allem kleine, kaum bekannte Orte, die aber mit Napoleon und dessen Biografie im Zusammenhang stehen, hat er besucht und seine Eindrücke in bebilderten Reiseberichten veröffentlicht. Für dieses Jahr plant er eine 10-tägige Reise in die Champagne. „Sur les traces de Napoleon – campagne 1814“, übersetzt auf den Spuren von Napoleon – der Feldzug 1814, auf jenen will er wandeln und Erlebtes wieder in Wort und Bild festhalten.

Was fasziniert den Perleberger an Napoleon Bonaparte – an dem kleinen Mann? „Mit 1,67 hatte er eigentlich Normalgröße zu jener Zeit. Er umgab sich aber mit großen Leuten.“ Sein Werdegang sei schon überaus beeindruckend – aus dem Nichts kommend habe er die Chance, die ihm die französische Revolution bot, und sein eigenes Genie genutzt, um zum Kaiser der Franzosen aufzusteigen. Er musste sich aber ständig beweisen, wurde vom eigenen Ehrgeiz förmlich getrieben, der letztlich auch sein Untergang war.

Etliche Spuren der napoleonischen Zeit finden sich auch in der Prignitz. Lord Bathurst ist zweifelsohne eine der mystischen. Aber auch die Lützower Jäger und Theodor Körner waren 1813 in Perleberg. Körner schrieb hier u. a. sein „Bundeslied vor der Schlacht“. Eine kleine Tafel kündet bis vor einigen Jahren an der Gänseburg davon. Wo sie geblieben ist, das wisse er, Norbert Weise, allerdings nicht.  

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