Yes we can : Perleberg punktet durch Charme

Die Perleberger Jugendwehr ist hocherfreut: Endlich haben die Kinder und Jugendlichen ihre warmen Allwetterjacken. Die Beschaffung hat knapp 2600 Euro gekostet.  Fotos:    Fotos: Georg-Stefan Russew (2)
Die Perleberger Jugendwehr ist hocherfreut: Endlich haben die Kinder und Jugendlichen ihre warmen Allwetterjacken. Die Beschaffung hat knapp 2600 Euro gekostet. Fotos: Fotos: Georg-Stefan Russew (2)

Perleberg feiert 200 Jahre Kreisstadt: Bürgermeisterin Annett Jura öffnete die Tore des Rathauses und die Besucher nahmen auf ihrem Chefsessel Platz.

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02. April 2017, 21:00 Uhr

Seit 1. April 1817 ist Perleberg Kreisstadt der Westprignitz. Nach dem Willen von Bürgermeisterin Annett Jura (parteilos) soll dieser Status weitere 200 Jahre bestehen. Im Kontext mit der geplanten Kreisgebietsreform hat sie den Wahlspruch ausgegeben: „Wir können Kreisstadt“.

Dies wollte sie mit einem eigens ins Leben gerufenen Fest beweisen und öffnete am Sonnabend die Tore ihres Rathauses, zeigte, wie sie und ihre Mitarbeiter Perleberg in Schwung halten. Kinder durften auf ihrem Chefsessel in Sichtachse zum Roland Platz nehmen. „Das ist ein unheimlich tolles Gefühl“, sagte die zwölfjährige Chiara Schröder, die zusammen mit Freundinnen aus dem Effi einen Abstecher zur Bürgermeisterin gewagt hat. „Ich weiß noch nicht, was ich werden will“, erklärte sie und überlegte kurz, ob sie nicht irgendwann Annett Juras Nachfolgerin werden möchte. Unumwunden gab sie zu zu, dass so ein Chefsessel eine „eine coole Sache ist. Da müssen dann alle machen, was ich sage“. Von großer Politik verstehe sie noch nicht sehr viel, aber „Kreisstadt muss Perleberg bleiben. Schließlich ist das meine Heimatstadt“, erklärte die Zwölfjährige.

Hanka Bielert schaute mit einer Wohngruppe vom CJD Berlin-Brandenburg im Rathaus vorbei. Annett Jura hatte die Gruppe persönlich eingeladen. „Ich hab mich sehr gefreut, dass meine Schützlinge mich besucht haben“, erklärte sie. Seit kurzem ist Jura die bestellte Ombutsfrau des CJD, setzt sich für die Belange von Menschen mit Handicap ein. „Frau Jura hat uns alles gezeigt. Wir haben ein tolles Verhältnis zu ihr“, betonte Bielert.

Stadtführerin Isa Philipp streifte mit einer Gruppe Neugieriger über den Marktplatz, schwärmte ihnen vor, dass Perleberg eine sehr hübsch renovierte Innenstadt hat. „Perleberg hat dadurch als Kleinstadt sehr gewonnen, ist wunderschön und eine würdige Kreisstadt“, unterstrich Philipp.

Beim Blick aufs Rathaus mit dem Banner „Wir können Kreisstadt“ fing in der Gruppe so manch einer an, zu schmunzeln. „Das ’Yes, we can’ von Barak Obama lässt grüßen“, erklärte Helga Scherfke aus Berge. Sie zweifelte an, dass dieser Slogan etwas bewirken könne. „Perleberg ist eine wunderschöne Stadt und ich komme immer gerne hierher. Klar wäre es toll, wenn die Stadt ihren Status behalten könnte.“ Wichtiger sei ihr aber, dass die historische Bausubstanz erhalten bleibt, dass die Menschen hier und in der ganzen Prignitz ihr Auskommen haben.

Im Museum präsentierte Frank Riedel das Preußische Gesetz- und Verordnungsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam vom 14. Februar 1817, dass Perleberg zum 1. April 1817 als Kreisstadt der Westprignitz bestimmte.

Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit einer anstehenden Kreisreform seien keine heutige Erfindung. Schon damals gab es ein Gerangel. Allerdings befand sich Perleberg nicht im Mittelpunkt des Interesses. Es ging um den Kreissitz der Ostprignitz. Erst hieß es im Gesetzblatt, das Wittstock dieses Privileg erhalten sollte. „Dann gab es zum 1. April 1817 eine königlich Verfügung, die Kyritz den Kreissitz zusprach“, sagte Riedel. Diese Streitereien seien also nicht neu. „Man hatte sich für kleinere Kreise entschieden, um effektivere, bei den Bürgern akzeptierte Verwaltungseinheiten zu schaffen“, sagte Riedel. Heute wolle man den umgekehrten Weg gehen.

Für Riedel geht es in der Diskussion gar nicht so sehr um Perleberg kontra Neuruppin. „Ich frage mich, warum die Kreisreform überhaupt sein muss. Die Geschichte zeigt, dass es die Ost- und Westprignitz sowie die Grafschaft Ruppin als einzelne Verwaltungseinheiten gab. Mein Herz schlägt auch aus der Historie dafür, die Kreisgrenzen zu belassen, wie sie sind.“

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