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Der Prignitzer

20. November 2017 | 10:57 Uhr

Perleberg hat eine neue Wehrspitze

vom

svz.de von
erstellt am 24.Feb.2013 | 07:17 Uhr

Perleberg | Es war keine gewöhnliche Jahreshauptversammlung der Perleberger Feuerwehr am Sonnabend. Sichtlich gerührt, mit stockender Stimme und Tränen in den Augen gab Andreas Rohloff offiziell sein Amt als Ortswehrführer auf. Kein Frust, keine fehlende Motivation sind der Grund dafür. Es ist schlichtweg die Gesundheit: "Meine Bandscheiben", sagt Rohloff. Er habe es versucht. Fast ein Jahr lang, aber es werde nicht besser. Er muss diesen Schritt gehen.

Wer die Dankesworte und Symphatiebekundungen hört, wer zwischen den Zeilen lesen kann und weiß, in welchem Zustand Rohloff vor gut drei Jahren an die Spitze der Wehr trat, der ahnt, dass er eine gute Arbeit geleistet haben muss. "Andreas hat Einheit in die Truppe gebracht und eine verhältnismäßige Ruhe. Mir persönlich tut es sehr leid, dass er aufhören muss", sagt Uwe Schleich, mit 55 Jahren der dienstälteste Kamerad in der Perleberger Wehr. Eine Fotocollage mit Erinnerungen aus seiner Wehrführerzeit, diverse andere Geschenke und das Ehrenabzeichen des Kreisfeuerwehrverbandes nimmt Rohloff entgegen und versichert immer wieder, dass er der Wehr erhalten bleibe, nicht austreten werde.

Sein bisheriger Stellvertreter Ralf Reichl tritt seine Nachfolge an. Ihm zur Seite stehen Christoph Passow und David Roß. Vor einer Woche habe es die Anhörung der Bewerber geben. Es sei eine sehr kurze gewesen, sagt Stadtbrandmeister Thomas Gäde. Alle Kameraden hätten Gelegenheit gehabt, Fragen zu stellen, ihre Meinung oder mögliche Kritik zu äußern. Gäde hofft, dass die Wehr hinter der neuen Führung steht und die gute Arbeit der jüngeren Vergangenheit fortgesetzt werde.

Die Ausgangssituation ist gut. 34 aktive Kameraden sind in der Wehr. Da Schleich mit 55 der älteste Kamerad ist, sei es eine wirklich junge Truppe. Vier konnten neu gewonnen werden, zwei sind ausgetreten, da sie umgezogen seien.

Mit Maik Müller gibt es seit Mitte 2012 einen neuen Jugendwart. Durch die Aufnahme von vier Quitzower Jugendlichen zählte seine Abteilung 24 Mitglieder. "Aber nicht alle hatten richtig Lust auf Feuerwehr", sagt Müller. Das habe man akzeptieren müssen, so dass die Mitgliederzahl auf 16 sank. Eine Werbeaktion an den Grundschulen folgte - mit Erfolg. Heute sind 32 Schüler aktiv, können in wenigen Wochen einen neu gestalteten Raum im Gerätehaus beziehen.

Die Technik der Wehr sei modern, das jüngste Feuerwehrauto knapp ein Jahr, das älteste zählt 13 Jahre. In Vertretung des Bürgermeisters versicherte Ute Brüggemann, dass die Stadt weiterhin finanziell hinter der Wehr stehe, kons tant investieren wolle. In diesem Jahr gibt es neben neuer Schutzkleidung unter anderem moderne Spreiz- und Schneidtechnik.

Die werde immer wichtiger, was ein Blick auf die Einsatzzahlen im vergangenen Jahr belegt: 142 waren es insgesamt, aber nur in 72 Fällen galt es, einen Brand zu löschen. Technische Hilfeleistung nimmt von Jahr zu Jahr zu. Mittelfristig werde sie durch den Bau der A 14 einen noch höheren Stellenwert erreichen, sagt Andreas Rohloff voraus. Gute Technik und eine gute Ausbildung der Kameraden seien unerlässlich, um Menschenleben zu retten.

Mehr als 100 Ausbildungen habe es 2012 gegeben. Zusammen mit den Einsätzen und der Absicherung von Veranstaltungen waren die Kameraden insgesamt 6005 Stunden im Einsatz. Zeit, die sie ehrenamtlich investieren, nicht bei ihrer Familie verbringen können, nicht mit anderen Hobbys. Diese Bereitschaft sei keine Selbstverständlichkeit und müsse immer wieder hervorgehoben werden, betonen alle der anwesenden Gäste, darunter Holger Rohde, Chef des Kreisfeuerwehrverbandes und Erich Schlotthauer, Sachbereichsleiter Brand- und Katastrophenschutz im Landkreis.

Wittenberges Wehrführer Chris Brandt hebt die gute Zusammenarbeit bis hin zu gemeinsamen Einsatzkonzepten hervor, die zwischen den städtischen Wehren entstanden sei. Sie habe ein Niveau erreicht, das vor wenigen Jahren noch undenkbar erschien.

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