Entstanden im NAW : Perleberg baut sich ein neues Bad

Das Schwimmbad damals, fotografiert vom Wasserturm aus. Das Fotot stellte Sabine Klug zur Verfügung.
Das Schwimmbad damals, fotografiert vom Wasserturm aus. Das Fotot stellte Sabine Klug zur Verfügung.

Im Nationalen Aufbauwerk (NAW) entstand Schwimmbad in der Karlstraße/ Sabine Klug, Frau des ersten Schwimmmeisters, erinnert sich

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23. Juli 2014, 12:00 Uhr

„Unser Schwimmbad ist 50“, sagt Sabine Klug. Und sie muss es wissen, immerhin waren sie und ihr Mann Rolf Ritter das erste Schwimmmeisterehepaar im niegelnagelneuen Bad. In Grabow gehörten sie dem Schwimmverein an, machten dann beide in Rostock ihren staatlich geprüften Schwimmmeister und bewarben sich in Perleberg. „Ihr seid ja noch so jung“, wurden die 21-Jährigen hier von der Volksbildung empfangen. Aber genommen. Fortan hatte das Schwimmbad in der Karlstraße einen Chef und dessen Frau Sabine war Schwimmmeisterin.

Die Geschichte des Schwimmbades begann aber bereits am 27. Juli 1960. In der Schweriner Volkszeitung war der Aufruf zum ersten NAW-Spartenstich erschienen und etliche krempelten in den Folgejahren die Ärmel hoch. Aktive, Übungsleiter – kurzum viel packten mit an. Großen Anteil am Gelingen hatten der damalige Bürgermeister Scherke, Georg Pawlik von der Nationalen Front und der Leiter der Abteilung Körperkultur und Sport, Helmut Lorenz.

Vier Jahre später am 27. Juni war es so weit: Das Schwimmbad mit Tribüne, 50-Meter-, Sprung- und Kinderbecken wurde eröffnet. Noch im Rohbau waren das Wirtschaftsgebäude für die Umwälzpumpe, die Außenanlagen mussten noch planiert und angelegt werden und auch die Schwimmmeisterwohnung war noch nicht bezugsfertig.

Am 27. Juni 1967 dann war alles so gut wie geschafft. Die Ritters hatten mit dem Anbau direkt im Schwimmbad ein kleines, gemütliches Einfamilienhaus, „das sogar unterkellert war“, fügt Sabine Klug an. Bis dahin hatten Karl Drews, H. Niendorf und Werner Mahnke den Betrieb im Bad abgesichert, berichtet Sabine Klug.

Als junges Schwimmmeisterehepaar übernahmen die Ritters nun ein tolles Schwimmbad und einen Haufen Arbeit. Da die Umwälzpumpe noch nicht angeschlossen war, mussten die Becken mit Hilfe von C-Schläuchen gefüllt werden. Das Wasser kam aus dem Stadtnetz und wurde per Hand chemisch aufbereitet. „Zumindest die ersten Jahre lebten und arbeiteten wir auf einer Baustelle“. Und doch seien es ihre schönsten Jahre gewesen.

1500 bis 2000 Badegäste hatten sie täglich und vom 15. Mai bis 15. September war Urlaub gestrichen. „Von 8 bis 20 Uhr hatten wir geöffnet, egal wie das Wetter war. Regnete es, wurde all das gemacht, wofür sonst kaum Zeit war“, erzählt die Perlebergerin. Noch heute schwärmt man von den Neptunfesten und schon damals waren Schulklassen, Kindergärten hier ständig zu Gast, ebenso wie Vereine und Sektionen. Auch das Schulschwimmen mit Schwimmlager ist keine heutige Erfindung , „das gab es schon zu unseren Zeiten“.

1968 waren dann auch die Wirtschaft- und Umkleideräume fertig. Papeln wurden gepflanzt und die wenigen Obstbäume, die von der einstigen Obstplantage übrig geblieben waren, wurden gehegt und pflegt, um Schatten zu spenden. Mit Prämienmitteln aus Wettbewerben „Schöner unsere Bäder“, „wir holten damals stets den 1. Platz“, und Lotto-Mitteln konnten das Plantschbecken für die Jüngsten, eine Freiluft-Kegelbahn und ein Freiluft-Schachspiel gebaut werden.

Das Perleberger Schwimmbad war zu einem beliebten Familientreff geworden und das vor allem auch an den Wochenenden. Im Sonntagsstart ging es mit Kind und Kegel in die Karlstraße, und da hielt man sich dann auch den Tag auf. „Nicht selten haben uns in der Woche Eltern angerufen, wir sollten doch auf ihre Sprösslinge achten.“

Unterstützt wurden die Ritter übrigens von vielen Ehrenamtlichen. Zuvor hatten diese ihren Rettungsschwimmer zumeist auch bei Rolf Ritter abgelegt. „Im Winter war Theorie und Trockentraining dran, sofern es warm war, ging es ans Praktische“, erinnert sich Sabine Klug. So hatten sie immer auch Helfer, und niemanden musste man lange bitten. 1977 verstarb Rolf Ritter, seine Frau war noch ein Jahr Schwimmmeisterin im Bad. 1979 übernahm dann das Ehepaar Kirstein das Schwimmbad.

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