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Der Prignitzer

24. September 2017 | 14:12 Uhr

Pegel-Rekord in Wittenberge

vom

svz.de von
erstellt am 09.Jun.2013 | 08:40 Uhr

Prignitz/Havelberg | Übers Wochenende hat sich die Hochwasserlage in der Prignitz deutlich verschärft. "Zehn Häuser haben wir gestern früh aufgegeben", sagte Gerald Neu, Bad Wilsnacks Ordnungsamtsleiter. Betroffen sind die sieben Grundstücke im Stepenitzgrund Breese und drei Gehöfte in Bälow.

Der Elbpegel Wittenberge stieg seit Freitag durchweg schneller und stärker als vorausgesagt. Am Samstag übersprang er nicht nur die Marke von 2002, sondern auch den bisherigen Höchststand von 7,40 Meter aus dem Jahr 1888. Gestern Abend um 19.15 Uhr stand der Pegel bei 7,85 Meter.

In Anbetracht dieser Entwicklung hatte der Krisenstab Samstagabend entschieden, Wittenberges Altstadt zu evakuieren. "Das ist eine freiwillige Maßnahme zur reinen Vorsicht. Jeder Bürger muss für sich entscheiden, ob er dieser Empfehlung folgt", sagte Landrat Hans Lange gestern. Auch Schulen bleiben in dem Bereich heute und morgen geschlossen. Weiterhin bittet der Krisenstab dringend Fahrer von Kleintransportern um Hilfe, die sich unter 03876/ 713656 melden können. Die Fahrer sollten rund um die Uhr abrufbereit sein, um Sandsäcke zum Deich fahren zu können. Mit schwerer Technik ist das nicht mehr möglich.

Gestern Nachmittag begann zudem die Flutung der Havelpolder. Die zuständige Expertenkommission hatte diese dringend empfohlen, um die Prignitz und die Regionen weiter flussabwärts zu entlasten. Um wieviel Zentimeter dadurch der Elbpegel sinken wird, sei verlässlich nicht vorherzusagen. Es gebe zu viele unbekannte Faktoren, begründete Bodo Schwiegk, Referatsleiter Landesumweltamt.

Voraussichtlich zwei Tage soll die Flutung andauern, bis das Neu Werbener Wehr wieder geschlossen wird. Die extra für solche Situationen in den 50er Jahren angelegten Flächen sind die einzige Möglichkeit, um Wasser aus der Elbe aufzunehmen. Rund 190 Millionen Kubikmeter sollen hier eingeleitet werden, hieß es am Nachmittag. Die Folge sind voll gelaufene Keller in Rathenow. Eine zweite Flutung in den kommenden Wochen sei nicht möglich, erklärte Bodo Schwiegk. Mit anderen Worten: Es ist die letzte Reservefläche, die zur Verfügung steht. Alles was danach noch an Wasser kommen sollte, muss durch die Prignitz fließen.

Gut sei, dass es in der Region keinen Regen geben soll. Schlecht hingegen ist der morgen auf West drehende Wind, so Schwiegk. Er werde an den Deichen Wellenschlag verursachen und Treibgut anspülen, das schwere Schäden verursachen kann.

Eine sehr brenzlige Situation hatte es in der Nacht zu gestern gegeben. Auf dem Elbdeich bei Quitzöbel kam es zwischen der Elbe und dem Gnevsdorfer Vorfluter zu einem Deichrutsch, sagte Bernd Lindow, Leiter der unteren Wasserbehörde. Mit Hilfe der Bundeswehr, einer Hundertschaft der Polizei sowie Polizeitauchern sei es gelungen, die Schäden bis zum Morgen zu reparieren.

500 Faschinen konnten zügig zum Einsatzort gebracht werden. Die Feuerwehr Quitzöbel füllte in der Nacht durchweg Sandsäcke. Innenminister Dietmar Woidke, der seit Sonnabend in der Prignitz ist, lobte den Krisenstab für sein schnelles und fachlich gutes Handeln in dieser Situation.

Ursache für den Schaden war eine große Druckdifferenz zwischen Elbe und Vorfluter, so Lindow. Verursacht wurde diese durch den unterschiedlichen Wasserstand. Im Fall eines Deichbruchs wäre die gesamte Karthaneniederung bedroht gewesen, so der Krisenstab. Außerdem hätte es eine unkontrollierte Flutung des Havelgebietes gegeben, ergänzte Schwiegk.

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