Weniger Ausbildung : OSZ verliert eine Klasse

Aus und vorbei: In der Prignitz werden keine Hotelfachfrauen mehr ausgebildet.
Aus und vorbei: In der Prignitz werden keine Hotelfachfrauen mehr ausgebildet.

Hotelfachleute werden in der Prignitz nicht mehr ausgebildet, andere Berufsschulklassen sind mittelfristig bedroht

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24. Juni 2016, 04:00 Uhr

Die Prignitz vermarktet sich als Tourismusregion, hat vor wenigen Tagen mit einem neuen Hotel auf der Ölmühle in Wittenberge das Angebot gar noch erweitert, aber Hotelfachfrauen/-männer werden künftig nicht mehr in der Region ausgebildet. Das Oberstufenzentrum Prignitz (OSZ) stellt seine Ausbildungsklasse zum kommenden Schuljahr ein. Die Entscheidung traf das Staatliche Schulamt in Neuruppin, informiert OSZ-Leiter Jan Meyerhoff.

Die erforderliche Zahl von 16 Schülern wird nicht erreicht. Schon in den vergangenen Jahren wurden Hotel- und Restaurantfachleute in den ersten beiden Jahren gemeinsam ausgebildet. „Der Stundenplan macht das möglich, wir hätten diese Kombination sehr gerne fortgeführt“, sagt Meyerhoff. Erst im dritten und letzten Ausbildungsjahr mussten die angehenden Hotelfachleute an das OSZ in Neuruppin wechseln. Jetzt müssen sie für drei Jahre dorthin fahren.

Zweifellos sei das eine zeitliche und logistische Herausforderung, „insbesondere für die Schüler aus Spanien und Ungarn“, weist die stellvertretende Schulleiterin Grit Haufe auf eine besondere Problematik hin. Sie absolvieren über ein Projekt der IHK ihre Ausbildung in der Prignitz und seien weniger mobil als ihre deutschen Mitschüler.

Indirekt ist durch diese Entscheidung auch die Ausbildung der Restaurantfachleute bedroht. „Der Gastronomiebereich ist generell schwach. Wir schwitzen jedes Jahr vor Sorge, die erforderliche Anzahl von 16 Schülern zu erreichen“, so Meyerhoff. Insofern sicherte die gemeinsame Ausbildung das gesamte Angebot in diesem Bereich ab.

Noch mehr Ausbildungsberufe schwächeln. „Bei den Friseuren kratzen wir jedes Jahr an der Grenze“, sagt der Schulleiter. Aktuell sei nur ein Prignitzer in der Klasse und der kommt aus Spanien. Alle anderen Schüler seien aus Ostprignitz-Ruppin. Die OSZ in Neuruppin und Oranienburg bilden keine Friseure aus. Verliert Wittenberge diese Klasse, müssten die Schüler bis nach Cottbus fahren.

Ebenfalls schwierig sei die Situation bei den Klassen Kaufmann für Büromanagement und Bankkaufmann. Erstere ist ein relativ junges Ausbildungsformat mit schwankender Nachfrage in der Prignitz. „Beim Bankkaufmann spüren wir, dass die Sparkasse weniger ausbildet als in früheren Jahren“, erklärt Jan Meyerhoff.

Entspannter sei die Situation bei den Tierwirten, den Industrie- und KfZ-Mechanikern. Allerdings sei man auch hier von großen Ausbildern wie der Bahn extrem abhängig. Sobald sie weniger Lehrlinge einstellen, seien die Klassen bedroht. Die ehemals eigenständige Mechatroniker-Klasse gebe es schon längst nicht mehr, sondern befindet sich heute am OSZ in Hennigsdorf, Landkreis Oberhavel.

„Unser Einzugsgebiet ist einfach zu klein“, nennt Jan Meyerhoff das Hauptproblem. Mittelfristig werde man überlegen müssen, welche duale Ausbildung im Angebot bleibt, von welcher man sich freiwillig trennt. „Diese Entscheidung müssen wir auch in Anbetracht der Lehrersituation stellen. Es wird immer schwerer bis unmöglich, für diese Region Berufsschullehrer zu finden“, so Meyerhoff. Man werde darüber mit der Wirtschaft diskutieren und ausloten, welche Ausbildungsangebote in der Prignitz am stärksten nachgefragt werden.

Insgesamt besuchen 1450 Schüler das OSZ Prignitz. Die gymnasiale Ausbildung laufe sehr stabil. Bei den derzeitigen Schülerströmen sieht Jan Meyerhoff beide Standorte in Pritzwalk und Wittenberge gesichert.

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