Sauna-Meisterschaft : Ost-Nostalgie bei 85 Grad

Mit DDR-Parker und Pionier-Hemd will Peter Storch die Jury der Aufguss-Meisterschaft überzeugen.
Mit DDR-Parker und Pionier-Hemd will Peter Storch die Jury der Aufguss-Meisterschaft überzeugen.

Bei der Sauna-Meisterschaft kämpfen 28 Teilnehmer mit unvergleichlichen Schwitz-Erlebnissen um Titel.

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29. Juni 2018, 12:00 Uhr

Eins ist klar: Peter Storch wird dieses Wochenende ganz schön heiß – und das nicht nur vor Aufregung. Der 48-jährige Prignitzer nimmt an der Deutschen Aufguss-Meisterschaft in Sachsen teil. Dabei geht es um mehr als Schwitzen. Mit fliegenden Wedeltüchern, Musik, Kostümen, Aromen und Lichteffekten versuchen die Teilnehmer des Wettbewerbs dem Publikum einzuheizen. „Zeitreise – 28 Jahre mit und ohne Mauer“ heißt das Thema, mit dem Storch den Sieg holen und die Jury und das Publikum in die Vergangenheit entführen will.

85 Grad. Die Saunagäste kommen in Handtuch, Storch in Pionier-Hemd und grünem DDR-Parker. Unter dem Arm sein alter Schulranzen. Aus einer metallenen Brotdose holt er Eis mit ätherischen Ölen: Orange und Zitrone – weil es die im Osten kaum gab – oder Eukalyptus – „für den frischen Wind“. Im Hintergrund läuft Jugendliebe von Ute Freudenberg. „Es ist eine Zeitreise, die auch meine Vergangenheit widerspiegelt“, erklärt der zertifizierte Saunameister, der Kristall Kur- und Gradier-Therme in Bad Wilsnack bei Wittenberge. Er wuchs in der DDR auf. Zur Wende war er 19 Jahre alt. Das hat geprägt. „Dieses Jahr gibt es die Mauer 28 Jahre nicht mehr – genauso lange, wie sie existierte.“

Ost-Nostalgie im Schwitzkasten. Funktioniert das? Auf jeden Fall. „Es gab schon Männer, die mit Tränen in den Augen aus der Sauna kamen“, sagt Storch. Ein Jahr feilte er an dem 15-minütigen Programm. Mit ihm setzte er sich bei zwei Qualifikationsrunden gegen seine Konkurrenten durch. Damit habe er sein Ziel bereits erreicht. „Aber jetzt will ich mehr.“

Die internationale Fachjury achtet vor allem auf Professionalität, Hitzeverteilung, Wedeltechniken, Umsetzung des Themas und den Einsatz ätherischer Öle.

Die drei besten Einzelaufgießer qualifizieren sich für den internationalen Wettbewerb, Mitte September in Berlin. Um dorthin zu kommen, muss sich der Prignitzer gegen 28 Teilnehmer aus 20 Saunabetrieben aus ganz Deutschland durchsetzen. Die Show-Aufgüsse tragen nahmen wie „Hercules“, „Die Schlümpfe“, „Puzzle des Lebens“ oder „Himmel und Erde.“ Nicht selten sind die Geschichten dahinter autobiografisch oder von persönlichen Erlebnissen geprägt.

„Sauna in Deutschland ist außerordentlich vielschichtig“, sagt Rolf Pieper, Geschäftsführer des Deutschen Sauna-Bundes. „Wir sehen aber auch, dass Aufgüsse nur ein Aspekt des Saunabadens sind.“ Die Shows in extra dafür ausgebauten Eventsaunas erfreuen sich seit Jahren steigender Beliebtheit. Dabei handle es sich um Kleinkunst im Saunaraum, „professionell inszeniert, oftmals unterhaltsam, zuweilen aber auch tiefsinnig dargeboten.“

Seit 18 Jahren ist das zelebrierte Schwitzen eine große Leidenschaft von Peter Storch. Genauso lange arbeitet er in der Therme in Bad Wilsnack. Mit 25 bis 30 Aufgüssen verwöhnt er hier wöchentlich die Gäste. Die wissen seine Sauna-Qualitäten bereits sehr zu schätzen. Nun muss er die Jury überzeugen.

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