Ortsumgehung: Am Montag gehts los!

<strong>Wo genau verläuft die Trasse: </strong>Die Planungsunterlagen für die Ortsumgehung Kuhbier stoßen auf großes Interesse. <fotos>Petra Ferch</fotos>
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Wo genau verläuft die Trasse: Die Planungsunterlagen für die Ortsumgehung Kuhbier stoßen auf großes Interesse. Petra Ferch

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11. Januar 2013, 06:37 Uhr

Kuhbier | Es ist vollbracht: Nach Vorarbeiten in dieser Woche beginnt am Montag der Bau der Ortsumgehung Kuhbier. Diese Nachricht überbrachte gestern ein wahrer Tross an Politprominenz den Kuhbierer Einwohnern. Verdient haben sie diese Aufmerksamkeit allemal, denn seit rund 20 Jahren kämpfen sie um die Entlastung für ihr Dorf, nahm der Verkehr, vor allem die Schwerlasttransporte, immer mehr zu. Lärm, Abgase, Risse an den Gebäuden sind die Folgen.

Nun endlich soll das alles ein Ende haben. Innerhalb von 50 Wochen, so die Vorgabe des Landesbetriebes für Straßenwesen Brandenburg, soll die 3,6 Kilometer lange Umgehungsstraße, die an die Umgehung von Pritzwalk anschließt und somit auch das Nadelöhr zwischen diesen beiden Orten beseitigt, fertig sein, einschließlich der drei Brücken, die notwendig sind. Rund 15 Millionen Euro kostet das Vorhaben, 14,5 Millionen davon zahlt der Bund, wie der parlamentarische Geschäftsführer im Bundesverkehrsministerium, Jan Mücke (FDP), gestern noch einmal betonte. Der Rest, sprich die Kosten für die Planungsleistungen, übernimmt das Land Brandenburg, das gestern neben gleich mehreren Landtagsabgeordneten auch durch Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) vertreten war. Sowohl Mücke als auch Vogelsänger versprachen, zur Freigabe der Umgehungsstraße wieder nach Kuhbier zu kommen.

Das könnte schon am 6. November sein, denn dann wird der Präsident des brandenburgischen Landesbetriebes für Straßenwesen, Hans-Reinhard Reuter, 65 Jahre jung. "Es ist auf jeden Fall unser Ziel, Herrn Reuter dieses Geburtstagsgeschenk zu machen", betonte bei der gestrigen Zusammenkunft im Dorfgemeinschaftshaus von Kuhbier Helmut Renze, Technischer Geschäftsführer der Firma Bunte, die den Zuschlag für den Auftrag erhalten hat. Der läuft über einen Funktionsbauvertrag, das heißt, die Firma baut die Umgehungsstraße nicht nur, sondern muss auch 30 Jahre für deren Instandhaltung aufkommen. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass Bunte für den Straßenbelag Gussasphalt einsetzen wird. Der gehört zwar laut Renze zu den teuersten, sei dafür aber auch besonders haltbar.

In Brandenburg sei Gussasphalt nichts Neues, werde laut Reuter schon seit längerem vor allem bei Brückenbauten verwendet. Neben seiner Haltbarkeit zeichne er sich zudem durch geringere Lärmbelästigung aus, liege um zwei Dezibel unter herkömmlichen Asphalten, wie gestern auf Nachfrage erklärt wurde. Und Fragen gab es in der Einwohnerversammlung eine ganze Reihe. Beispielsweise danach, ob sich die geplanten Kosten von rund 15 Millionen Euro weiter erhöhen könnten. Nach dem Debakel um den Schönefelder Großflughafen keine unberechtigte Skepsis. Renze zerstreute Befürchtungen mit dem Hinweis darauf, dass Bunte sowohl für die Planung als auch die Ausführung selbst verantwortlich zeichne, auch die Brückenbauten selbst ausführe, dafür sogar schon vor Vertragsabschluss am 20. Dezember 2012 auf eigenes Risiko planerisch in Vorleistung gegangen sei.

Was aber passiert, wenn die Firma die kommenden 30 Jahre gar nicht überstehe? Auch dann sei die Finanzierung der Instandhaltung gesichert, stellten die Vertreter des Landesbetriebes für Straßenwesen klar. "Außerdem hat unser Unternehmen bereits 140 Jahre geschafft, und wir hoffen natürlich, auch die nächsten 30 Jahre zu überstehen", fügte Renze an.

Noch offen allerdings ist die Kuhbierer Ortsdurchfahrt selbst. Sie soll nach Fertigstellung der Umgehung zur Kreisstraße abgestuft werden, damit in Trägerschaft des Landkreises fallen. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Instandsetzung. Gegenwärtig, so betonte Vogelsänger, sei die Finanzierung dafür noch nicht gesichert, befindet man sich in Verhandlungen mit dem Bund, was Fördermittel anbelangt. "Doch ich denke, dass wir auch gemeinsam mit dem Landkreis eine Lösung finden". Die Kuhbierer werden das wachsam verfolgen. "Unsere Protest-Transparente werfen wir auf alle Fälle noch nicht weg", betonte ein Anwohner.

Ortsvorsteher Kurt Essel, der zu den Kuhbierern gehört, die sich von Anfang für die Ortsumgehung stark gemacht haben, dankte gestern noch einmal allen Unterstützern. Der Firma Bunte bot er jede mögliche Hilfe an.

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