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Der Prignitzer

21. November 2017 | 05:41 Uhr

Ortstermin in der Mägdekammer

vom

svz.de von
erstellt am 23.Aug.2012 | 09:12 Uhr

Bresch | Der Tag des offenen Denkmals am 9. September widmet sich dem Thema Holz. Und dieser Naturstoff findet sich nicht nur in der Dorfkirche von Bresch, die nach neuesten dendrochronologischen Untersuchungen im Kern ein Renaissance-Fachwerkbau mit Fächerrosetten verziertem Giebelfachwerk und hölzernem Westturm von 1582 ist, wie Ortrud Effenberger von der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Prignitz erklärt. Holz in seiner alten Verarbeitung findet sich vielfach auch im Landhaus Bresch, das von seinem Besitzer Tobias Schweitzer mit großer Liebe zum Detail wieder hergerichtet wird. Beim gestrigen Pressegespräch zeigte er beispielsweise das so genannte Mädchenzimmer unterm Dach, in dem früher Mägde untergebracht waren, und das er in seiner ursprünglichen Art erhält mit alter Holzdecke, Lehmfachwerk und vielem anderen mehr.

Was liegt also näher, als die zentrale Eröffnungsveranstaltung für den Tag des offenen Denkmals in der Prignitz nach Bresch zu verlagern? Doch nicht nur der Aspekt Holz spielte bei dieser Entscheidung eine Rolle. Die auch für Denkmalschutz zuständige Geschäftsbereichsleiterin des Landkreises Prignitz, Edelgard Schimko, macht auf ein großes Problem aufmerksam: Nämlich die brandenburgische Förderung von Denkmalschutzmaßnahmen auf dem Lande. Was in Städten über die Städtebausanierung gut funktioniere und sich ja auch in vielen Prignitzer Städten positiv niederschlage, sehe in den Dörfern längst nicht so optimistisch aus. Konkret heiße das, über Förderungen der ländlichen Entwicklung wie ILE oder Leader ließen sich Sicherungsmaßnahmen für denkmalgeschützte Gebäude nicht fördern, ohne dass schon eine konkrete Nutzung dafür aufgezeigt werden könne.

Doch genau das sei der Knackpunkt. Ortrud Effenberger zeigt Fotos von Häusern, die wohl nicht mehr zu halten sein werden, deren Wegfall aber nicht nur aus Denkmalschutzsicht eine Lücke reist, sondern auch alte Dorfbilder zerstört, wie im Falle des alten Bauernhauses gegenüber der Kirche im Rundling von Guhlsdorf oder des großen Bauernhauses in Brüsenhagen. Solche Gebäude wenigstens erst einmal sichern zu können, um sie für die Zukunft und damit auch eine spätere Nutzung zu erhalten, müsse in der brandenburgischen Förderpolitik mehr Beachtung finden. Denn angesichts des demografischen Wandels komme dem Erhalt dörflicher Kultur ein größeres Augenmerk zu. Sind es doch gerade die kleinen Prignitzer Orte, auf die vor allem Großstädter aus Berlin oder Hamburg reflektieren, wenn sie sich ein neues Zuhause suchen und damit auch neues Leben aufs Land bringen. Tobias Schweitzer ist dafür bester Beweis. Zumal er sein Landhaus in Bresch längst nicht nur zum Selbstzweck nutzt, sondern gern auch Gastgeber ist. Davon können sich auch die Besucher am Tag des offenen Denkmals überzeugen.

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