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Der Prignitzer

21. November 2017 | 18:44 Uhr

Original regional oder trügt der Schein?

vom

svz.de von
erstellt am 27.Apr.2012 | 09:38 Uhr

Prignitz | Die jüngste Produktbörse in Weisen brachte nicht nur Prignitzer Erzeuger und Gastwirte zusammen, sondern bewies ebenso die kulinarische Vielfalt der Region. Der "Prignitzer" nahm die Börse zum Anlass, einen Überblick zu geben: Wer gehört zu den großen Prignitzer Erzeugern? Welche Produkte sind bei den Einheimischen besonders beliebt? Und welche Nischenprodukte gibt es, die sich als Geheimtipp etabliert haben?

Dass nicht immer alles stimmt, was das Etikett auf dem ersten Blick suggeriert, zeigt der so genannte Nettelbecker Wein. Denn hier trügt der schöne Schein: Der edle Tropfen, den es im Prignitzer Edeka-Markt zu kaufen gibt, stammt natürlich nicht aus dem nahegelegenen gleichnamigen Prignitzdorf. Mit Weinanbau hat das Dorf schließlich rein gar nichts zu tun. Woher aber kommt diese kuriose Namensgleichheit?

Die Antwort darauf ist im besagten Ort selbst zu finden. Der Nettelbecker Detlef Schulze entdeckte vor vier Jahren im Internet ein Weingut in Rheinhessen, das denselben Namen trägt wie sein Heimatort. Sein erster Gedanke: "Das wäre doch eine Idee für den nächsten Urlaub." Der Klempnermeister hatte damit ein ideales Geburtstagsgeschenk für seine Frau Ines Schulze, denn beide wollten schon immer mal ins Rheinland. Und so ging es für ein verlängertes Wochenende nach Hohen-Sülzen in die Pfalz. "Bei einem Weinfest auf dem Gut probierten wir dann die Nettelbecker Sorte", erzählt Ines Schulze. Ergebnis: Der Wein schmeckte ihnen so gut, dass sie gleich mehrere Flaschen davon mit nach Hause nahmen.

Und auch dort kam der Rebensaft gut an, wie sich bei einer Weinverkostung im Nettelbecker Kulturverein zeigte. Prompt nahm ihn der Putlitzer Edeka-Marktleiter Jens Bockelmann, selbst ein Nettelbecker, in sein Warenangebot auf. Dort entpuppte sich der Wein als echter Geheimtipp: Laut Bockelmann wird er sehr gern gekauft. Regelmäßig gebe es Nachfragen von Kunden. "Im Moment ist er ausverkauft, aber wir bestellen jetzt wieder Flaschen nach", so der Filialleiter.

Der Nettelbecker Wein ist nicht das einzige alkoholische Getränk, das einen regionalen Bezug vortäuscht: Der Inhalt des Kräuterschnapses "Wittenberger Schiffsdiesel" stammt ebenso wenig von hier wie die Liköre "Putlitzer Burgtropfen" und "Putlitzer Burgfräulein". Original regional ist hingegen der würzige Kräuterlikör "Fährmann Hildebrand" aus der Dr. Otto GmbH in Wittenberge. Auch bei Esswaren schwindelt schon mal das Etikett: Der Perleberger Senf wird schon lange nicht mehr in der Rolandstadt hergestellt. Ein Prignitzer Produkt ist er aber geblieben: Der Senf kommt nun aus Uenze (Plattenburg).

Der Senf ist unter Prignitzern besonders beliebt, wie eine Straßenumfrage unserer Redaktion zeigte: Perleberger Senf kennen alle Befragten, ebenso wie das Quitzower Rapsöl , das die dortige Agrargenossenschaft produziert. Ein Teil davon wird zu Speiseöl verarbeitet und gelangt in den Verkauf. Neben Rapsöl setzt das Unternehmen auch auf den Kartoffelanbau und Schweinezucht.

Oft versorgen sich die Prignitzer auch selbst, bauen Obst- und Gemüsesorten im eigenen Garten an, wie die Umfrage zeigte. Wer kein Gärtner ist, aber regionales Obst- und Gemüse in Bioqualität möchte, ist bei Sonja Benamor gut aufgehoben. Seit 2006 betreibt sie den Biogarten Benamor in Wittenberge. Dort wächst und gedeiht all das, was die Expertin für Bioprodukte ab Mai wieder auf dem Wittenberger Markt verkauft: Erdbeeren, Johannisbeeren, Bohnen, Zuckerschoten, Inkagurken, Löwenzahnsirup, Kräuter- und Teesorten. "Bis auf den konventionellen Zucker in meinen Marmeladen ist bei mir alles Bio", verspricht Sonja Benamor.

Mit Eiern, Fleisch- und Wurstwaren kann die Prignitz punkten. Die Eierfarm Premslin ist der größte Eier-Erzeuger in der Region. Rund 1,2 Millionen Eier verlassen monatlich den Betrieb. Beliefert werden fast 1000 Kunden zwischen Rostock und Magdeburg. Eier von größeren Vögeln lassen sich in Perleberg finden: Dort gibt es die Straußenfarm Westprignitz, welche mit mittlerweile über 100 Tieren aufwarten kann. Doch nicht nur die Eier der Riesenvögel sind schmackhaft, auch das Fleisch wird gerne gekauft. Die Zubereitung übernimmt die Fleischerei Hildebrandt in Kletzke.

Auch die Neudorfer Fleischerei GmbH hat sich als feste Größe für Fleisch- und Wurstprodukte in der Prignitz etabliert. Deren Spezialität: Salami. 20 Sorten umfasst die Angebotspalette mittlerweile. Von ihren insgesamt 100 Produkten werden 95 im eigenen Betrieb hergestellt. Das Netz aus insgesamt 13 Filialen der Fleischerei wird schon bald erweitert, wie Geschäftsführer Reiner Polei auf Nachfrage des "Prignitzers" informiert: "Im Dezember eröffnen wir in Wittstock eine weitere Filiale." Zudem wolle die Fleischerei künftig vermehrt auf die überregionale Vermarktung ihrer Produkte setzen. Erreicht werden soll dieses Ziel unter anderem mit einem Onlineauftritt des Unternehmens, an dem derzeit gearbeitet wird. "Wir haben auch in neue Produktionsanlagen investiert und verfügen jetzt über eine Salamiproduktionsstätte", fügt Polei hinzu.

Weitere original Prignitzer Spezialitäten sind das HerzBräu aus der Wittenberger Schaubrauerei oder die Blaubeeren von den Plantagen in Pritzwalk und Berge.

Bestimmt fallen dem ein oder anderen Leser noch weitere Produkte ein, die in dieser Aufzählung unerwähnt blieben. Doch auch, wenn die Redaktion keine Vollständigkeit garantieren kann, wird doch deutlich: In vielen Dingen hat sich die Prignitz zu einer kulinarische Hochburg gemausert, denn heimische Gastronomen und Bauern haben mehr zu bieten, als man vermuten könnte.

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