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Der Prignitzer

22. November 2017 | 02:57 Uhr

Orientexpress stoppt am Elbeport

vom

svz.de von
erstellt am 18.Apr.2012 | 08:47 Uhr

Wittenberge | Ein ungewöhnliches Bild bietet sich derzeit am Kai des Elbeports. Nicht nur, dass die vier dort abgestellten Elektro lokomotiven mangels Oberleitung kaum aus eigener Kraft dorthin gerollt sein können. Auch ist eines der Stahlrösser mit einem Anstrich versehen, der Eisenbahnfans ein Funkeln in die Augen treibt. Auf dem verwittertem Blau der mit gelben Zierstreifen einst sicher schön anzusehenden Lok prangt der entscheidende Schriftzug: Nostalgie Istanbul Orient Express.

Auch wenn dieser Zug nichts mit dem legendären Orient-Express, der von 1883 bis 1962 Paris direkt mit Konstantinopel (später Istanbul) verband, gemein hat, steht er doch in seiner Tradition. Anfang der 70er Jahre kaufte ein Schweizer Unternehmer historische Eisenbahnwagen, restaurierte sie und schickte sie zwischen 1976 und 2008 auf Fahrt quer durch Europa. Auch die jetzt in der Elbestadt abgestellte Lok scheint einst diesen Zug gezogen zu haben, der mit seinem überschwänglichen Luxus vor allem gut betuchte Eisenbahnfans anzog - nicht zuletzt der gehobenen Fahrpreise wegen.

Jetzt sehen die blaue Lokomotive vom Typ E 42 und ihre Schwestern neuen Aufgaben entgegen. "Wir haben insgesamt 15 Loks dieses Typs, die einst in der Schweiz liefen, erworben", sagt Thomas Becken von der Eisenbahngesellschaft Potsdam. "In Abhängigkeit vom Zustand der Maschinen werden wir sie instand setzen und in unseren Fahrzeugpark eingliedern oder als Ersatzteilspender nutzen."

Die Entscheidung, in rund 40 Jahre alte Lokomotiven zu investieren, sei aufgrund des günstigen Preises gefallen. "Eine neue Elektro lokomotive kostet zwischen drei und vier Millionen Euro, die alten Maschinen nur einen Bruchteil davon", erklärt Becken. Im Güterverkehr sei es aber unerheblich, ob die Loks schön aussehen oder nicht, es zähle allein, dass die Züge von A nach B ziehen könnten.

"Zudem wollen wir als Unternehmen mit einer Erweiterung unseres Fuhrparks an Elektroloks den Energiewandel leben, weg vom Diesel, hin zur Elektrotraktion", so Becken.

Aufgearbeitet werden sollen die Loks unter anderem im neuen Tochterunternehmen der EGP, der Schienenfahrzeugbau Wittenberge GmbH, die im Lokschuppen 3 des ehemaligen Bahn betriebswerkes Wittenberge Quartier bezog.

Im November 2010 hatte die EGP das Gebäude von der Stadt erworben, um hier eine Lokwerkstatt einzurichten. "Wir sind hier am Standort strategisch und personell gut aufgestellt, aktuell sind acht Mitarbeiter in Wittenberge beschäftigt", sagt Thomas Becken. Nicht zuletzt die Lage zentral zwischen Hamburg und Berlin war seinerzeit ausschlaggebend für den Standort Wittenberge gewesen.

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