Orgelbaumeister Lütkemüller : Orgelbau Made in Prignitz

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Der berühmte Orgelbaumeister Lütkemüller wurde in Papenbruch geboren – hier hält man sein Andenken hoch

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10. Mai 2017, 12:00 Uhr

Lütkemüller-Orgeln findet man in zahlreichen Prignitzer Gotteshäusern und darüber hinaus in Nordbrandenburg, der Altmark und in Mecklenburg. Weniger bekannt als die rund 200 Orgeln, die er errichtete, dürfte allerdings sicher die Tatsache sein, dass Friedrich Hermann Lütkemüller ein echter Prignitzer ist.

Am 16. Februar 1815 erblickte er in Papenbruch (Gemeinde Heiligengrabe) das Licht der Welt. Dort wird sein Erbe hochgehalten. Das Pfarrersehepaar Margitta und Berthold Schirge kümmert sich um das Andenken.

Margitta Schirge konzipierte eine interessante, kleine Ausstellung zum Leben und Schaffen Lütkemüllers, die man in der Papenbrucher Kirche auf der Orgelempore anschauen kann. „Wir haben hier allerdings gar keine Lütkemüller-Orgel, sondern eine des Orgelbauers Hollenbach – ein Schüler Lütkemüllers“, erzählt Berthold Schirge schmunzelnd vor den Vitrinen auf der Empore.

Familie Schirge kam dem berühmten Prignitzer Sohn sozusagen selbst auf die Spur bzw. wurde schon Ende der 1980er Jahre darauf gestoßen. „Wir wohnten damals noch in Wittstock, im Haus des alten Kantoren der St. Marien-Gemeinde, Karl Hermann. Er wusste um dieses Erbe und um die Geschichte und erzählte uns davon“, erinnert sich Berthold Schirge.

Lütkemüller hatte seine Werkstatt in Wittstock. In der Dossestadt verstarb er 1897, wurde hier auch beigesetzt. „Sein Grab ist leider nicht erhalten, man hat es vermutlich 30 Jahre nach dem Ableben eingeebnet“, sagt Berthold Schirge.

Umso wichtiger sei es, auf andere und möglichst vielfältige Weise an den Orgelbauer zu erinnern. Dazu laufen im Hintergrund bereits Aktivitäten, um perspektivisch vor allem in Wittstock stärker auf das Wirken Lütkemüllers aufmerksam zu machen.

Immerhin zählt man ihn zu den herausragenden norddeutschen Orgelbauern seiner Zeit. Markant ist nicht nur die große Zahl der Instrumente, die er baute, sondern auch das ausgeklügelte System seiner Serienfertigung sowie die ausgezeichnete handwerkliche Qualität. Mindestens ebenso interessant findet Berthold Schirge übrigens die Vita des Orgelbauer-Vaters, Samuel Christoph Abraham Lütkemüller. Sein Geburtstag jährt sich 2019 – im Jahr der Landesgartenschau in Wittstock – zum 250. Mal.

Lütkemüller Senior wirkte fast zehn Jahre als Privatsekretär bei Christoph Martin Wieland in Weimar. „Er kannte Goethe, Schiller, Herder, Kleist persönlich, die gingen dort ein und aus“, macht Berthold Schirge deutlich.

Bevor Samuel Lütkemüller die Pfarrstelle in Papenbruch übernahm, war er in Groß Gottschow als Pfarrer tätig. Hier verfasste er übrigens seinen Roman „Die Revüe“. „Der Roman ist inzwischen sogar wieder als Buch erhältlich“, sagt Berthold Schirge. Der Geschichtskenner weiß übrigens auch, dass paradoxerweise in Wittstock keine Lütkemüller-Orgel steht. Immerhin sei in der St. Marien-Kirche das Gehäuse noch erhalten geblieben.

In den 1930er Jahren wurde hier nach einem Heizungsschaden das Pfeifenwerk so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass man es durch die Firma Schuke erneuern lassen musste. Auch in der Wittstocker Heiligegeist-Kirche gab es einst eine Lütkemüller-Orgel – die wurde aber in den 1950er Jahren zugunsten eines neueren Instrumentes ausgebaut und kam dann zunächst in die Kirche nach Gadow (bei Wittstock). Dort verfiel die Orgel jedoch weiter. Später wurde sie nach Malchow ins Orgelmuseum ausgelagert und saniert. Es gibt sie also immerhin noch, nur eben nicht an der Hauptwirkungsstätte Lütkemüllers.

Der junge Lütkemüller erlebte 1829 den Neubau einer Orgel in Wildberg bei Neuruppin, einer Pfarrstelle des Vaters. Von diesem Moment an wollte er selbst Orgelbauer werden. Kleiner Wermutstropfen: Mit dem Tod Friedrich Hermann Lütkemüllers am 19. Oktober 1897 endete auch dessen Orgelbautradition in der Prignitz, denn weder seine Kinder noch ein Geselle führten die Werkstatt fort.
 

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