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Der Prignitzer

21. November 2017 | 09:26 Uhr

Oldtimermuseum feiert 10. Geburtstag

vom

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erstellt am 26.Apr.2012 | 09:49 Uhr

Perleberg | Von Beruf ist Fred Hamann Karosseriebaumeister und das nun schon in vierter Generation. Gegründet hat die Firma 1914 sein Urgroßvater Wilhelm. "Damals noch als Stellmacherei. Und er selbst gehörte der Stellmacher- und Wagner-Innung an, war gar Protokollführer", weiß Fred Hamann. Und er kann das mit Brief und Siegel belegen. Denn sämtliche Innungsunterlagen des Urgroßvaters befinden sich noch heute in Familienbesitz, wurden zwar in den Jahren "von einen Schrank in den anderen geräumt, aber niemals weggeworfen", fügt der Perleberger an. So genannte Aufschreibebücher, das älteste aus dem Jahre 1886, in denen in gestochener Sütterlinschrift fein säuberlich festgehalten ist, was der Innung wichtig war. Dazu Tarifbeschlüsse aus jenen Tagen, Preislisten, die Lehrlingsrolle, Fachbücher aus der Zeit um 1900, die Auskunft geben, wie Karosserien von Kutschen, Lastwagen bis hin zu Limousinen fachmännisch gebaut wurden, Schulungsblätter und Lehrbücher für Wagenbauer - kurzum kleine Raritäten, die Auskunft über die Geschichte dieser Innung geben. Und auch so manche Kuriosität findet man darunter, so Verhaltensregeln für Lehrlinge aus dem Jahre 1887.

Fred Hamann muss schmunzeln angesichts dieser Zeilen und auch jeder andere Handwerker denkt sich gewiss seinen Teil. "Vielleicht sollte man das heute jedem Lehrling zu Beginn der Ausbildung in die Hand drücken."

Auch eine Sammlung von "50 Wagenzeichnungen für die Praxis" findet sich unter den Zeugnissen einstiger Handwerkskunst. Gezeichnet hat diese übrigens der Perleberger Stellmacher Georg Hiller. Nummer 49 trägt jene Kutsche, die offensichtlich für Gröbler’s Hotel gefertigt wurde.

All diese Dokumente und Bilder aus der Geschichte des Stellmacher- und Wagnerhandwerks hat der Perleberger Karosseriebaumeister jetzt gesichtet. Entstanden daraus ist eine kleine Ausstellung, die ihren Platz im Oldtimermuseum gefunden hat. Eigens zum 10. Geburtstag des Museums, den die Oldtimerfreunde am 1. Mai mit einem Tag der offenen Tür feiern werden. "Ab 10 Uhr sind Groß und Klein eingeladen, zu einem Exkurs in die Historie der Veteranen der Landstraße bzw. sich ein Bild von den Ingenieurleistungen jener Tage zu machen", so Frank Brauer, Vorsitzender der Oldtimerfreunde.

Übrigens, zu den ersten Exponaten, die in der umgebauten Turnhalle ihren Platz bekamen, gehörte auch die alte Stellmacherei von Wilhelm Hamann. In der Familien- und Firmendynastie folgten Alfred, Klaus und nun Fred Hamann. Derweil schickt sich mit Neffe Patrick Bunge die fünfte Generation an, irgendwann die alteingesessene Karosseriefirma zu übernehmen. Und jene hat sich mittlerweile auf Oldtimer spezialisiert. Wen wundert’s, ist Fred Hamann doch selbst ein absoluter Fan historischer Gefährte und seit 1996 natürlich auch Mitglied bei den Perleberger Oldtimerfreunden. "Mein erstes Auto war ein DKW F8", erzählt er. 18 Jahre war er, als er das Auto vom Opa bekam, und der hatte es auch schon 30 Jahre. Heute steht der Veteran der Landstraße übrigens auch im Oldtimermuseum, denn er blieb immer in Familienbesitz. "Meine erste Urlaubsfahrt an die Ostsee habe ich mit ihm gemacht. Unterwegs ist mir der Auspuff abgefallen, musste ihn in der LPG schweißen", erinnert sich der Meister. Als er dann den Motor kaputt gefahren hatte, ging es ans Suchen. "Auf dem Perleberger Bahnhofsvorplatz stand ein F8 Cabrio, wusste ich. Den Motor bekam ich nur samt Auto. Und ehrlich, böse war ich nicht drüber", gesteht er. Auch dieser Oldtimer existiert noch und aufgebaut wird derzeit ein F8 Kombi. "Dann habe ich die komplette F8-Reihe zusammen."

Es ist noch echte Handwerkskunst, Holz- und Blecharbeiten mit Hammer und Hobel, um einem Oldtimer seinen alten Glanz wieder zu geben. Und genau das reize ihn an dieser Arbeit. "Wir bauen wirklich Autos auf und wechseln nicht nur Teile."

Ein Bild von all dem kann sich jeder am 1. Mai im Oldtimermuseum machen. Übrigens, zur Geburtstagsfeier ist der Eintritt dank finanzieller Unterstützung der Deutschen Bank Perleberg frei. "Auch sonst hat dieses Finanzinstitut uns bei der Ausrichtung unseres runden Museumsgeburtstages tatkräftig unterstützt", betont Vereinsvorsitzender Frank Brauer.

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