Böllerschießen Wittenberge : Ohren zu und Feuer!

Ohrenbetäubender Knall und Qualm im Nedwighafen. 24 Kanonen kamen zum Böllerschießen.
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Ohrenbetäubender Knall und Qualm im Nedwighafen. 24 Kanonen kamen zum Böllerschießen.

Großes Böllerschießen im Nedwighafen macht Lust auf mehr / Schützenverein und Stadt erwägen eine zweite Auflage

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12. Juni 2017, 21:00 Uhr

Wären die Kanonen mit Kugeln bestückt, würde es wahlweise Krater am gegenüberliegenden Elbufer geben oder der Nedwighafen in Schutt und Asche versinken. Was die Freizeitkanoniere auf dem Hammelwerder in einer Reihe aufgestellt hatten, war am Sonnabend beeindruckend: 24 Kanonen und sechs Handböller. Die Schützengilde Wittenberge hatte anlässlich ihres Festes zum Böllerschießen eingeladen. Geht es nach dem Verein und Bürgermeister Oliver Hermann, knallt und qualmt es künftig häufiger.

Angst muss niemand haben. Keiner schießt hier mit Kugeln, nur mit Pulver, sagt Urban Britzius. Der Eldenburger hat das Böllercorps Quitzow gegründet und kam mit zwei Kanonen nach Wittenberge: Luise von Quitzow, eine eher zierliche Sechspfünder. Daneben steht Anna von Quitzow, eine imposante Zwölf-Pfünder. „Mit Lafette wiegt sie eine Tonne“, so Britzius.

Er liebt dieses Hobby und veranstaltet regelmäßig in Eldenburg ein Böllerschießen. Da lag es nahe, die Einladung der Wittenberger anzunehmen. Ähnlich formuliert es Hartmut Brehmer. Er und seine Frau Monika kommen aus der Nähe von Osterburg, haben persönliche Kontakte zur hiesigen Gilde. Mitgebracht haben sie ein amerikanisches Geschütz, welches im Bürgerkrieg 1861 eingesetzt wurde. „Wir sind fast jedes Wochenende unterwegs, besuchen Volks- und Schützenfeste“, sagt der Kanonier. Aber auch in kleineren Runden lade er seine Kanone, zum Beispiel auf Hochzeiten. „Es mag außergewöhnlich sein, aber das ist nun einmal unser Hobby.“

Gab die Kommandos: Günter Lehmann (r.).
Gab die Kommandos: Günter Lehmann (r.).
 

Günter Lehmann hat das Kommando. Er ist Mitglied im Historischen Traditions- und Artilleriecorps Kyritz e.V. , weist die Kanoniere ein und gibt die Kommandos vor. Nacheinander knallen die Kanonen. Nach drei, vier Schüssen versinkt alles im Qualm. Fotografen suchen verzweifelt einen neuen Standort. Nachladen und wieder hallen die Schüsse durch die Wittenberger Luft, sind selbst auf der Ölmühle zu hören. Zum Abschluss wird eine lückenlose Salve geschossen. Schuss folgt auf Schuss.

Norbert Weise ist beeindruckt. Er hatte aus der Zeitung von dem Schießen erfahren und ist aus Perleberg gekommen. „Das hat sich gelohnt“, sagt er. Wittenberge sei bei seinen vielen Veranstaltungen immer einen Ausflug wert, das heutige Schießen rage daraus hervor.

Das sieht Bürgermeister Oliver Hermann genauso. Noch beeindruckt von dem Gesehenen und Gehörten spricht er mit Gildepräsident Ingo Rodowski, der die Kanoniere eingeladen hatte. Hermann möchte das Spektakel wiederholen, vielleicht sogar etablieren. Einfach sei das nicht, so Rodowski. So viele Kanoniere für einen Termin zu binden, sei die eine Sache. Die andere sei das Geld. Nur aus Freundschaft würden die wenigsten anreisen. Es entstehen Fahrtkosten und auch das Pulver für die Schüsse will bezahlt sein. Darüber müsse man in Ruhe reden, so Hermann und nach einer Lösung schauen. Bei entsprechender Vorbereitung und Öffentlichkeitsarbeit würde das Schießen gewiss noch deutlich mehr Leute anziehen.

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