"Ohne Klaus wäre ich gar nicht mehr"

Bei schönem Wetter sitzen Klaus Dubitzky  und Elfriede Heers oft im Garten und genießen die Sonne und die Natur. Foto: Lisa Kleinpeter
Bei schönem Wetter sitzen Klaus Dubitzky und Elfriede Heers oft im Garten und genießen die Sonne und die Natur. Foto: Lisa Kleinpeter

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30. Mai 2013, 05:35 Uhr

Lanz | Elfriede Heers hat Demenz. An Zurückliegendes kann sich die 87-Jährige sehr gut erinnern, doch mit dem Hier und Jetzt hapert es. Auch die Beine und der Rücken der kleinen Frau wollen nicht mehr so richtig. Die gebürtige Lanzerin ist auf ständige Hilfe angewiesen. Seit einigen Monaten sitzt sie im Rollstuhl, Pflegestufe II wurde beantragt. Doch in ein Seniorenpflegezentrum möchte Heers auf keinen Fall. Sie hat Glück. Denn sie hat ihren Klaus.

Klaus Dubitzky sitzt draußen im Garten. Die Sonne scheint. Es ist 10 Uhr morgens und die Krankenschwester ist gerade bei Elfriede Heers. Sie sortiert die Tabletten und nimmt die routinemäßigen Untersuchungen vor. Kurz hat Dubitzky Zeit für sich. Sonst weicht der große Mann selten der Rentnerin von der Seite. "Wir beide haben ein sehr gutes Verhältnis. Wir erzählen viel miteinander. Sie erzählt viel von früher. Manchmal auch drei Mal das Gleiche", sagt er schmunzelnd.

Seit 16 Jahren kümmert sich Dubitzky um die betagte Dame. Dabei ist er mit ihr nicht verwandt, er bekommt auch kein Geld für seine Arbeit. Er verlangt nichts als Gegenleistung. Eine Ausbildung im Pflegebereich hat er auch nicht. Aber die Arbeit macht ihm Spaß, versichert er: "Elfriede ist wie eine Mutter für mich."

Der 49-Jährige wuchs ohne Eltern im Kinderheim in Wittenberge auf. Dort ging er auch zur Hilfsschule. Später fing er bei der LPG in Lanz als Melker an. "Ich habe viel mit Tieren gearbeitet. Das hat mir gefallen. Aber nach der Wende wurde ich arbeitslos", erinnert er sich. Mit dem Verlust seiner Stelle, folgte eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme nach der anderen, bis schließlich sein Rücken kapitulierte und er als arbeitsunfähig eingestuft wurde. Nur zu Hause herumzusitzen, kam für Dubitzky jedoch nicht in Frage: "Ich bin froh, wenn ich aus den eigenen vier Wänden raus bin." Als er vor 16 Jahren das Angebot bekam, bei Elfriede Heers auszuhelfen, sagte er nicht nein.

Ein wahrer Glücksfall, findet Ilse Peukert. Die Rentnerin ist über viele Ecken mit Heers verwandt und wohnt nur ein paar Häuser weiter. Wenn sie Zeit hat, hilft auch sie bei der Rentnerin aus oder besucht sie und Klaus im Garten.

Peukert erinnert sich: "Klaus hackte anfangs für Elfriede Holz. Doch mit der Zeit hat er immer mehr Aufgaben übernommen. Elfriede war damals 71 Jahre alt. Ihren Mann hatte sie vor vielen Jahren verloren. Die eigenen drei Kinder konnten sich nicht um sie kümmern. Es gab viel zu tun und Klaus hatte Zeit, sich darum zu kümmern." Seither sei er täglich bei Heers, sieben Tage die Woche. Jeden Tag im Jahr sei er rund um die Uhr für sie da, "außer zwei Wochen im Sommer, da fahre ich meine Schwester besuchen", ergänzt Dubitzky. Auch Geburtstage und alle Feiertage verbringt er mit der Seniorin. Sie schenke ihm etwas Nützliches und er ihr Parfüm.

"Sie sind ein eingeschworenes Team", meint Peukert. Manches habe er von ihr gelernt. Wenn Klaus Dubitzky beispielsweise für die Seniorin kochte, stand sie daneben und sagte genau an, welcher Schritt als nächstes kommt. "Es ist eine Art Symbiose zwischen ihnen", beschreibt Peukert. Eines Tages wird Elfriede Heers nicht mehr sein . "Das wird ein Einschnitt für Klaus. Er wird in ein ganz tiefes Loch fallen", befürchtet Peukert. Dann bräuchte er unbedingt eine neue Aufgabe.

Die Schwester beendet ihre Visite. Dubitzky hat die Rentnerin herausgeputzt und schiebt sie in ihrem Rollstuhl in den Garten. Am Gartentisch angekommen, nimmt Heers seine Hand: "Ich bin richtig glücklich über Klaus. Er war ein fremder Junge und hat keine Eltern gehabt, aber dann hat er mich kennen gelernt. Dann wusste er, wo er hingehört. Er ist so etwas wie ein Sohn für mich."

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