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Weihnachten international in der Prignitz : Ohne Couscous geht es nicht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Zuckerfest, Opferfest und christliche Traditionen passen für Abbes Bovziane in der Prignitz sehr gut zusammen.

Andere Länder – andere Sitten. Das trifft insbesondere auf die Advents- und Weihnachtszeit zu. In unserer Serie „Weihnachten international“ geht es heute nach Algerien.

Der 49-jährige Abbes Bovziane stammt aus Nordafrika, genauer gesagt aus Algerien. In der Nähe zur marokkanischen Grenze ist er aufgewachsen. „Als bei uns der Bürgerkrieg ausbrach, bin ich geflüchtet“, berichtete Bovziane. Per Flugzeug ist er 1994 nach Polen, von da aus hat er sich nach Deutschland durchgeschlagen. „Über Berlin und Hamburg bin ich nach Perleberg gekommen“, sagte er.

Bis dahin hatte er mit Weihnachten und christlichen Traditionen nicht viel zu tun. „Ich bin Muslim und in Algerien ist der sunnitische Islam Staatsreligion. Weihnachten ist ein christliches Fest, das Fest von Jesu Geburt.“ Da sei es doch klar, dass Weihnachten in seiner Heimat nicht gefeiert werde. „Aber natürlich kennen wir Muslime Jesus. Der Islam sieht in ihm einen der wichtigsten Propheten, dessen Mutter Maria ist und dessen Wort das Wort Gottes und der Wahrheit ist“, erklärte er. Jesus finde sogar im Koran Erwähnung.

Auch wenn Bovziane schon fast 21 Jahre in Deutschland lebt, eine deutsche Frau und eine 16 Jahre alte Tochter hat, hält er an seinen muslimischen Traditionen fest. „Ich faste im Fastenmonat Ramadan und feiere mit meiner Familie das Fastenbrechen mit dem dreitägigen Zuckerfest. Dazu gehört für mich auch das Opferfest. Hier gedenken wir dem Propheten Ibrahim (Abraham). Es dauert auch drei Tage.“

Da Bovziane aber keine Scheuklappen trägt, sich gut in der Prignitz eingelebt und integriert hat, ist Weihnachten für den 49-Jährigen doch ein Thema. „Meine Frau ist Deutsche und schmückt in der Adventszeit unsere Wohnung. Natürlich steht bei uns im Wohnzimmer ein Weihnachtsbaum.“ Am 24. Dezember gebe es sogar ganz klassisch eine Weihnachtsgans zu essen und seine Tochter werde reichlich beschenkt. „Ich finde das wirklich auch schön.“ Neben deutschen Gerichten kommen auch Leckereien aus seiner Heimat auf den Tisch. „Ohne Couscous geht es für mich nicht.“ Er wird aus befeuchtetem und zu Kügelchen zerriebenem Grieß aus Hartweizengrieß, Gerste oder Hirse hergestellt. Diese Masse wird zum Garen nicht gekocht, sondern über kochendem Wasser oder einem kochenden Gericht gedämpft. Dazu werden verschiedene Gemüse und Fleisch wie Geflügel, Lamm oder Rind gereicht.

Und auch auf Arbeit könne er Weihnachten mittlerweile genießen. Bovziane arbeitet seit drei Jahren als Hausmeister in der Wittenberger Kita „Haus der kleine Strolche“. „Wenn die Kleinen in der Adventszeit immer ganz aufgeregt vom Weihnachtsmann erzählen, dann freue ich mich einfach nur mit.“ Das sei immer so niedlich. „Ich bekomme dann immer so eine Ahnung, wie wichtig Weihnachten für die Kinder ist.“

Er bezeichnet seinen Arbeitsplatz im Übrigen als den Schönsten der Welt. „Ich werde hier gebraucht und dann sind hier alle so nett zu mir.“ Von den Kids wird er nur Hausmeister Bovziane gerufen.

Übrigens: Der 49-Jährige ist ein richtiger Tausendsassa. „In Algerien gab es keine richtige Ausbildung wie in Deutschland. Handwerklich habe ich schon einmal alles ausprobiert und kann mir fast immer selbst helfen.“

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