Karstädt : Offensive gegen Taubenplage

Vergeblicher Anflug: Für die Tauben ist kein Durchkommen mehr in der Straße der Freundschaft.
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Vergeblicher Anflug: Für die Tauben ist kein Durchkommen mehr in der Straße der Freundschaft.

Vögel verunreinigen Balkone leerer Wohnungen in Karstädt / Die sind nun mit Maschendraht versperrt

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09. Juni 2016, 21:00 Uhr

Bei Tauben hört die Freundschaft auf: Das dachte sich wohl auch die Wohnungsgesellschaft Perleberg/Karstädt (GWG), die in der Karstädter Straße der Freundschaft am Mittwoch neun Balkone von leerstehenden Wohnungen mit Maschendraht versperrte. Folge: Die Tauben können sich nicht mehr niederlassen.

Anwohner Thomas Henke lebt direkt gegenüber des Wohnblocks mit den Hausnummern 1 bis 5. Er meldete sich in unserer Redaktion, befürchtet Lebensgefahr für den Taubennachwuchs. „Das geht doch nicht, dass die Küken nun verhungern, weil die Altvögel nicht mehr zu ihnen kommen“, sagt er. „Die Tiere sitzen mit dem Futter in den Schnäbeln auf dem Dach und fliegen immer wieder die Balkone an.“

Die Tauben würden derzeit keine Jungen aufziehen, sagte Günther Kraft von der GWG-Außenstelle in Karstädt auf Redaktionsanfrage. Er erläuterte den Grund für die Maschendraht-Offensive. „Die Tiere haben ständig alles dreckig gemacht. Die Mieter unter den Balkonen haben sich beschwert. Für sie ist es keine schöne Situation. So konnte es nicht weitergehen“, erklärte Günther Kraft. Die Maßnahme habe in erster Linie hygienische Gründe. „Wir haben darauf geachtet, dass die Schwalben, die dort nisten, zu ihren Brutstätten gelangen. Das wurde uns auch von der Naturschutzbehörde bestätigt.“ In der Tat überzeugte sich gestern Nachmittag ein Mitarbeiter der Unteren Naturschützbehörde des Landkreises davon, dass die Drahtvorrichtungen für die Schwalben ungefährlich sind, wie Sachbereichsleiter Bernd Lindow gegenüber dem „Prignitzer“ erklärte. „In Deutschland sind alle Singvögel geschützt. Deswegen müssen wir die Situation prüfen. Tauben gehören aber nicht zu den geschützten Arten“, so Lindow. Laut Günther Kraft sei nicht geplant, noch mehr Balkone zu versperren. Dass sich einige Mieter tatsächlich über die Tiere ärgern, zeigte sich gestern in der Reaktion eines Paares, das direkt unter einem der mit Maschendraht versehenen Balkone wohnt, und von seinen Erfahrungen berichtete. „Die Tauben kacken alles voll. Es ist unhygienisch und überall dreckig. Das ist doch kein Zustand“, rief der Mann von seinem Balkon. Seine Frau nickte zustimmend.

Dass der Taubenkot für einige Menschen gefährlich werden kann, weiß Amtstierärztin Dr. Sabine Kramer. „Die Tauben können Salmonellen und andere Bakterien übertragen, zum Beispiel, wenn ihr Kot trocknet, zu Staub zerfällt und dieser sich dann über die Luft verbreitet.“ Allerdings müssten dabei große Mengen Unrats vorkommen, betonte die Expertin. Grundsätzlich sei es möglich, dass Tauben derzeit Junge aufziehen. „Aber der Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde konnte keine Nester entdecken. Wäre es anders gewesen, hätte der Maschendraht wieder abgenommen werden müssen, das ist klar“, so Dr. Sabine Kramer.

Für sie sei die Maßnahme der Wohnungsgesellschaft nicht ungewöhnlich. „Es gibt verschiedene Vergrämungsmethoden. Besonders in Großstädten werden Gebäude ja gegen Tauben gesichert.“

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