Groß Pankow : Ökostrom bringt die Rendite

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Erstes Bürgerwindrad am Netz: Gemeinde Groß Pankow und private Investoren sind beteiligt.

svz.de von
11. März 2016, 08:00 Uhr

Kein Sparbuch, keine Aktie, keine Lebensversicherung: In diesem Fall wird das Geld in 185 Metern Höhe verdient. In Klein Woltersdorf dreht sich seit dieser Woche ein ganz besonderes Windrad: eine Bürgerwindkraftanlage (wir berichteten). Es ist die erste in der Prignitz.

Sie steht am Spitzen Berg und hat 4,8 Millionen Euro gekostet. 900  000 Euro haben Bürger und Gemeinde der Betreibergesellschaft anvertraut. Die Differenz wurde am Kapitalmarkt finanziert. Bauamtsleiter Halldor Lugowski spricht von „sehr günstigen Konditionen“.

Die Gemeinde Groß Pankow hat sich mit 5000 Euro beteiligt und hat aktiv Einwohner geworben. „Wir haben zunächst den Einwohnern unserer Gemeinde die Möglichkeit gegeben, sich daran zu beteiligen“, sagt Bürgermeister Thomas Brandt. Doch das Interesse reichte nicht aus.

Im zweiten Schritt wurde das Angebot auf die Prignitz erweitert. Auch Hamburger und Berliner, die hier ein Wochenendhaus haben, investierten Geld. Nachdem das Beteiligungsangebot deutschlandweit offeriert wurde, war das nötige Eigenkapital zusammen. Insgesamt gebe es 30 Anteilseigner. Thomas Brandt ist überzeugt davon, dass sich ihr Geld rentieren wird.

Die Investition ist auf 21 Jahre angelegt, so Thomas Brandt. „Wir können jetzt schon sagen, wie sich die Anlage amortisieren wird“, so Brandt. Die Anlage erzeuge eine Leistung von 2,35 Megawatt täglich und speise 50  000 Kilowattstunden ins öffentliche Netz ein. Und das sogar in relativer Nähe zum Windrad: in Seefeld.

„Wir bekommen eine Einspeisevergütung von 8,8 Cent je Kilowattstunde. Somit erwirtschaftet die Anlage täglich 4400 Euro“, rechnet Stefan Trummer vor. Er ist Mitarbeiter der Firma Voltgrün aus Regensburg, die das Projekt entwickelt und begleitet hat. Ein Stromkunde befindet sich ebenfalls ganz in der Nähe, wie Trummer verrät: ein Sendemast in Buchholz. In 17 Jahren sei die Anlage abgezahlt. Danach würden die Erträge an die Anteilseigner ausgeschüttet werden.

Mit dem Bürgerwindrad verbindet die Gemeinde noch mehr Vorteile. Einerseits sei die Akzeptanz in der Bevölkerung deutlich höher. Im Windpark Klein Woltersdorf–Seefeld stehen bereits 16 Anlagen, eine weitere soll demnächst noch hinzukommen, sagt Halldor Lugowski.

Der Sitz der Betreibergesellschaft ist in der Gemeinde Groß Pankow. „Somit bleibt die Gewerbesteuer in der Kommune“, nennt er den nächsten Vorteil. Außerdem sei vereinbart worden, dass die Ausgleichsmaßnahmen in der Umgebung realisiert werden.

So soll bei Klein Woltersdorf ein Kleingewässer entstehen, an das sich eine Streuobstwiese anschließt. An einem ländlichen Weg entsteht eine Obstbaumallee, im Waldlehrpark Groß Woltersdorf sollen Hecken gepflanzt werden. Klein Woltersdorf bekommt außerdem noch einen Spielplatz.

Investoren und alle anderen Bürger werden im Sommer zu einem Windradfest eingeladen. „Dabei werden wir Fahrten zum Turbinenhaus in der Anlage verlosen. Das ist sicher ein nicht ganz alltägliches Erlebnis“, verspricht Stefan Trummer.

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