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Der Prignitzer

21. November 2017 | 20:38 Uhr

Ökolandbau: Viel Masse, aber wenig Klasse

vom

svz.de von
erstellt am 04.Mär.2012 | 09:14 Uhr

Potsdam | Nirgendwo in Deutschland wird im Verhältnis mehr Ökolandbau betrieben als in Brandenburg - zugleich konsumieren die Märker allenfalls durchschnittlich. Der nahe und große Berliner Markt wird dennoch zu großen Teilen von anderswo beliefert, denn viel Bio-Ware verlässt die Region. Ein Grund: Brandenburger Bio-Bauern produzieren zwar eine Menge Rohstoffe, die Verarbeitung ist aber schlechter entwickelt als im ferneren Westdeutschland.

"In vielen Bereichen in Brandenburg haben wir schlechtere Voraussetzungen für Verarbeitung und Veredelung als in Baden-Württemberg oder Bayern", sagt Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg. "Es gibt eine andere Verarbeitungskultur oder -geschichte." Traditionell herrschten Großagrarbetriebe vor. Getreide sei mit Abstand das wichtigste B io-Anbauprodukt, vor allem Roggen. Wimmer sieht zwar auch Fortschritte in den vergangenen Jahren: So hätten sich zum Beispiel drei Bio-Molkereien einen festen Platz in den Bioläden erobert, die es mittlerweile in allen größeren märkischen Städten gebe. "Bei Gemüse hingegen haben wir ein Henne-Ei-Problem", meint der Branchenexperte. Verarbeitende Betriebe kämen nicht, weil es nicht ausreichend Gemüse gebe; und angebaut werde nicht mehr, weil die verarbeitenden Betriebe fehlten. Koordinierte und begleitende Aufbauarbeit sei nötig. "Ist das die Aufgabe eines Investors oder die Aufgabe einer Landesregierung?", fragt Wimmer.

Fehlen Anreize für Bauern, auf ökologischen Anbau umzusteigen? Der Spitzenverband Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft war jüngst zu dem Schluss gekommen, dass Brandenburg in dieser Hinsicht vor Schleswig-Holstein den vorletzten Platz unter den Ländern belege. Wimmer hält es auch für ein "fatales Signal", dass Brandenburg die Umstellung auf Ökolandbau derzeit nicht fördere.

Im Agrarministerium winkt man indes ab. Mit 10,6 Prozent Öko-Anteil an der gesamten Agrarfläche, rund 143 000 Hektar, ist Brandenburg nach Angaben des Sprechers Jens-Uwe Schade nach wie vor Spitzenreiter in Deutschland. Jeder achte Landwirtschaftsbetrieb des Landes wirtschafte ökologisch. "Wir haben kein Flächenproblem, sondern ein Veredelungsproblem", sagt Schade.

Als Paradebeispiel gilt das Landgut Pretschen im Spreewald. Landwirt Sascha Philipp hat mit staatlicher Förderung 4,4 Millionen Euro in ein Gewächshaus investiert. Hier können nun auch in der Übergangszeit Gurken, Salate und Tomaten angebaut werden - vor allem für die Nachfrage auf dem regionalen Markt.

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