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Historischer Wasserkran : Odyssee einer Loktankstelle

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein Wasserkran, der einst im Wittenberger Bahnhof Dampflokomotiven versorgte, wird Ausstellungsstück im Bahnmuseum Gera

von
erstellt am 19.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Uneingeweihte könnten den Stapel Rohre, der auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes im Thüringischen Gera in Sichtweite von Drehscheibe und Ringlokschuppen liegt, für wertloses Altmetall halten. Kenner hingegen sehen hier ein Stück Eisenbahngeschichte, das untrennbar mit der Zeit der Dampflokomotiven in Verbindung steht.

„Es handelt sich dabei um die Teile von insgesamt elf Wasserkränen“, sagt Reinhard Hirsch, Geschäftsführer der GeBaCo GmbH, die das ehemalige Bw Gera von der Bahn gekauft und einen Teil der Flächen dem Verein Eisenbahnwelten zur Entwicklung eines Museums zur Verfügung gestellt hat. „Das Paradestück – sofern man bei dem derzeitigen Zustand von Parade sprechen kann – ist ein sogenannter Gelenkwasserkran. Besonderheit dieser Bauart ist, dass der Turm nicht nur gedreht werden kann, sondern der Ausleger ein zusätzliches Gelenk hat“, erklärt der Fachmann. Dadurch sei es möglich gewesen, den Wassertank im Tender einer Dampflok direkt am Bahnsteig zu befüllen, sofern der Lokführer auf etwa einen Meter genau an den Kran heranfuhr.

„Den Rest konnte man mit dem flexiblen Ausleger ausgleichen und den Wasservorrat ergänzen, während die Fahrgäste ein- und ausstiegen. Damit entfiel das zeitaufwändige Rangieren oder gar das Abkuppeln der Lok, um ins Bahnbetriebswerk zu fahren und dort Wasser zu nehmen“, so Hirsch.

Wenn die Recherchen des Vereins stimmen, stand der Gelenkwasserkran einst auf der Berliner Seite des Wittenberger Bahnhofes und versorgte hier die Loks von Schnellzügen, die zwischen Hamburg und Berlin unterwegs waren. „Gefunden haben wir die Kräne 2011 in Röbel, als wir dort eine ehemals in Gera beheimatete Dampflok der Baureihe 35 abholen und überführen wollten. Für den doppelten Schrottpreis haben wir das Sammelsurium an Rohren dem damals in Auflösung begriffenen Verein dort abgekauft, insgesamt 14 Wasserkräne. Dann gab es noch Rechtsstreitigkeiten um die Dinger, und als das endlich geklärt war, konnten wir immerhin die besagten elf einschließlich dem aus Wittenberge nach Gera holen.“

Der Geraer Verein, dem insgesamt 90 Mitglieder angehören und der mehrere Diesel- und Dampflokomotiven in seiner Ausstellung hat, plant, den Wasserkran aufzuarbeiten und als Schaustück prominent auf seinem Gelände aufzustellen. „Es ist auch ein Stück Eisenbahngeschichte, ohne das die Zeit der Dampflokomotiven nicht denkbar gewesen wäre“, sagt Hirsch. „Dass eine Dampflok Kohle braucht, das wissen alle. Dass Wasser noch viel wichtiger war, weil es unterwegs auf langen Strecken ergänzt werden musste, wohingegen die Kohle meist für mehrere hundert Kilometer reichte, das ist weniger bekannt.“ Bei einer Förderleistung von etwa 5 Kubikmeter pro Minute habe es  nur etwa sieben Minuten gedauert, den Wasservorrat einer Schnellzuglok komplett aufzufüllen.

Der Wasserkran ist indes nicht das einzige, was die Geraer mit dem Standort Wittenberge verbindet. „Unsere eine Dampflok, die 35 1074, war einst im Bahnbetriebswerk Schwerin beheimatet. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass sie auch regelmäßig im Wittenberger Bw zu Gast gewesen ist“, sagt Hirsch.

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