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Der Prignitzer

23. November 2017 | 16:09 Uhr

Biber in Muggerkuhl : Nutriajunge gerettet

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mehrere Sumpfbiber wohl Opfer von Wilderern geworden / Fremde Hilfe sichert dem Nachwuchs das Überleben

von
erstellt am 09.Jan.2015 | 12:00 Uhr

Ein Appell erreichte den „Prignitzer“ kürzlich von einer Tierfreundin aus der Region. Sie habe zwei Nutriajunge vor dem sicheren Tod gerettet und wolle nun eine Lanze für die kleinen Tiere brechen. Diese stehen zwar unter Naturschutz, „werden aber oft aus Angst vor den vielleicht etwas furchteinflößenden Vorderzähnen und auch Unkenntnis erschlagen oder gar als Weihnachtsbraten gewildert.“ Sie wolle ihren Namen aus gewissen Gründen nicht in der Zeitung veröffentlicht sehen und eigentlich auch ihre Geschichte nicht erzählen, sondern lediglich die Leute für diese Tiere sensibilisieren und aufklären.

Was sie dann doch berichtete, ist teilweise kaum zu glauben. Etwa fünf Wochen ist es her, da besuchte sie die Wasserfläche in Muggerkuhl an der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern. „In dem Landschaftsschutzgebiet wird viel Fehlnutzung betrieben. Ich bin öfter dort und man kann hier Eisvögel und andere seltene Vögel beim nisten erleben. Im Sommer habe ich in den Algen eine Nutria-Mama entdeckt“, erzählt sie. In den folgenden Wochen und Monaten wurden die Tiere zu ständigen Begleitern ihrer Besuche. „Insgesamt waren es dann sechs Kleine. Sie waren immer in Gesellschaft unterwegs und nett zu beobachten.“

Das änderte sich jedoch vor etwa vier Wochen schlagartig. „Da kam ein Junges alleine auf mich zugerannt, stellte sich auf die Hinterbeine, hat gefaucht und rannte wieder weg. Das Fauchen ist vollkommen harmlos, aber schon da hat es vollkommen verängstigt gewirkt“, erzählt sie dem „Prignitzer“. Doch dabei blieb es nicht. „Der Kleine hat am Ufer gerufen. Wo sonst immer die Geschwister und die Mutter sofort geantwortet haben, war nun nichts mehr zu hören. Da wusste ich schon, dass etwas ganz schlimmes passiert sein musste.“

Gewissheit gibt es zwar nicht, doch legen ein langer „Knüppel“ und ein kleinerer bearbeiteter Stock die Vermutung nahe, dass die drei Jungtiere und das Weibchen getötet wurden. Da die toten Tiere nicht gefunden wurden und sich zudem Futter am Ufer befand, geht die Prignitzerin davon aus, dass die Sumpfbiber gezielt angelockt und erschlagen wurden. „Vermutlich als Weihnachtsbraten – Nutrias waren vor allem zu DDR-Zeiten als Pelz- und Fleischlieferanten sehr begehrt. Nach der Wende ist dann jedoch der Markt zusammengebrochen.“

Doch so ungeklärt auch das Schicksal der vier Tiere ist, so präsenter war für die Prignitzerin die Zukunft der Überlebenden. Ein Tag später wurde der Kleine verladen und in ein entsprechendes Umfeld gebracht. „Zwei Tage später waren wir dann wieder dort und ein weiteres Jungtier kam angelaufen und ist uns sogar bis zum Auto gefolgt.“ Auch es fand ein sicheres Plätzchen. „Die Wiedersehensfreude war immens“, beschreibt die Retterin, die sich sofort fachkundigen Rat zu den Lebens- und Ernährungsweisen der Nutrias einholte.

Dass die Tiere auch ohne ihr Eingreifen überlebt hätten, weist sie energisch zurück. „Die sind viel zu jung und wären jetzt schon tot. Die Mutter zeigt noch wo das Essen ist und was man nehmen kann, zudem wie man Röhren gräbt usw.“ Schon allein durch die beiden Tage zwischen dem Finden der kleinen Nutrias gebe es große Unterschiede in deren körperlicher Verfassung der beiden. „Das hat man deutlich gesehen – der eine war beinahe nur noch halb so groß wie der andere. Aber mittlerweile ist es wieder ausgeglichen. Der Mensch, der gewildert hat, hat den Tod der beiden billigend in Kauf genommen“.

Doch davon sind die beiden Nutrias derzeit weit entfernt. Blieb nur die Frage, wie es mit den lebhaften Gesellen nun weitergehen sollte. „Ich habe bei mehreren Zoos angerufen, die durften die Beiden jedoch nicht aufnehmen“, erzählt die Prignitzerin. Das Veterinäramt war aus möglichen negativen Gründen für die beiden Nutrias keine Alternative für die Tierschützerin. Also blieb nur eine interne Lösung.

So leben die kleinen Nutrias derzeit irgendwo in der Prignitz, tummeln sich im Heu oder in ihrem Wasserbecken und bekommen, wenn es möglich ist auch eines ihrer Lieblingsessen. Und hierbei unterscheiden sie sich nicht von den menschlichen Bewohnern dieser Region. „Ich habe einen Tipp bekommen, dass sie sehr gerne Knieperkohl essen, der ist jetzt zwar schwer aufzutreiben, aber es gibt viele Leute, die helfen gern“, schildert die Naturschützerin.

Doch ist das derzeitige Heim kein Zuhause auf Dauer. „Im Sommer sollen sie wieder Anschluss an ihre Artgenossen erhalten und dann ausgewildert werden.“ Und hoffentlich noch lange ungestört leben.

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