Feuerwehren : Nur wenige Wehren treten an

Vier Wochen trainierten die Frauen aus Kehrberg gemeinsam und bereiten sich hier auf ihren Löschangriff vor. Fotos: Thomas Bein (3)
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Vier Wochen trainierten die Frauen aus Kehrberg gemeinsam und bereiten sich hier auf ihren Löschangriff vor. Fotos: Thomas Bein (3)

Zwölf Teams nehmen am Kreisausscheid teil. Kreisbrandmeister Holger Rohde kritisiert Landespolitik und warnt vor einer Kreisreform

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25. Juni 2017, 21:00 Uhr

Von 15 gemeldeten Männermannschaften traten am Sonnabend nur zehn in Glöwen zum Kreisausscheid der Feuerwehren an. Dazu nur zwei Frauenmannschaften. Das sei wenig, bemängelt Kreisbrandmeister Holger Rohde. Auch der Titelverteidiger aus Kleinow war nicht am Start. Neben dem Kampf um die beste Platzierung wurde der Ausscheid zu einer politischen Abrechnung mit der Landespolitik. Rohde kritisiert die Kreisgebietsreform und bemängelt ein fehlende Würdigung der Feuerwehren.

Doch zunächst stehen Löschangriff, Angriffsübung und Knotenstafette an. „Da wir nicht mehr die jüngsten sind, gibt es bei den Männern zwei Altersgruppen: Die unter und über 30-Jährigen. Es macht keinen Sinn, wenn ein alter Hase gegen einen jungen Hüpfer sprinten soll“, erklärt Kreisbrandmeister Holger Rohde.

Am Ende setzen sich bei den Männern unter 30 Jahren die Feuerwehr aus Retzin vor Uenze I und Uenze II durch. In der anderen Altersklasse siegt Seddin vor Vettin und Groß Breese/Kuhblank. Bei den Frauenmannschaften setzt sich Seddin vor den Frauen aus Kehrberg durch.

„Wir trainieren seit etwa vier Wochen“, sagt Johanna Sommerfeld aus Garz, die sich im Kehrberger Team antritt. Eine Truppe, die sich nach dem Gemeindeausscheid in Groß-Pankow zusammenfand und seitdem trainiert. „Auch wenn wir nicht die besten Zeiten schaffen, ist doch schon jetzt klar, dass wir Vizekreismeister werden“, freuen sich die Mädels.

Etwas verkalkuliert haben sich an diesem Tag Remo Schuster und Jens Freye von der Glöwener Feuerwehr. Seit vier Uhr am Morgen hatten sie die Gulaschkanonen angefeuert und etwa 400 Portionen Erbseneintopf gekocht und Bockwurst heiß gemacht. „Es sind ja nun nur etwa hundert Aktive Feuerwehrleute gekommen und einige Besucher. ,Die Hälfte hätte gereicht“, meint Jens Freye.

Die mangelnde Beteiligung stimmt Kreisbrandmeister Holger Rohde nachdenklich. Er spart nicht mit Kritik an der Landesregierung und vor allem nicht am Innenministerium. „Unser Innenminister macht es sich sehr einfach und zieht sich auf den Standpunkt zurück, dass ja die Kommunen Träger des Brandschutzes sind und dafür zuständig sind. Ich möchte mal die Gesichter sehen, wenn die 112 gerufen wird und niemand mehr kommt, weil einfach keiner mehr da ist“, sagt Rohde.

Er plädiert für mehr Unterstützung der Wehren durch das Land, fordert unter anderem das „Thüringer Modell“: eine Altersrente für ehrenamtlich tätige Kameraden. „Viele junge Leute haben nicht das Geld, um für ihr Alter vorzusorgen. Wenn man aber durch ehrenamtliches Engagement in der Feuerwehr auch noch seine spätere Rente aufbessern könnte, wäre das sicher eine zusätzliche Motivation“, sagt Rohde.

Er kritisiert, die vergangene Woche beschlossene Beamtenbesoldung in Brandenburg. Aber landesweit würden für die Feuerwehren in drei Fördertöpfen nur 15 Millionen Euro bereit gestellt.

Außerdem machte Rohde klar, dass der Kreisausscheid in dieser Form der vorletzte gewesen sein könnte. „Nach der Kreisgebietsreform wird es das in dieser Form nicht mehr geben.“ Im Nachbarkreis kämpfe man nicht um Punkte und Sekunden, sondern um Feuerwehrabzeichen in Bronze, Silber und Gold. „Das wird ein Thema sein, das wir im Kreisfeuerwehrverband mit den Wehrführern besprechen müssen“, so Rohde, Vorsitzender des Vereins.

Mit Blick auf die angestrebte Kreisgebietsreform mache er sich große Sorgen. Beispiel Elbhochwaser. Er könne sich nicht vorstellen, dass ein Krisenstab in der Kreisverwaltung Neuruppin professionell den Einsatz gegen eine Flut koordinieren könnte. „Was dabei rauskommen kann, haben wir 2013 beim Elbehochwasser in Sachsen-Anhalt gesehen“, erinnert er an dortige Probleme, die teilweise durch Prignitzer Einsatzkräfte gelöst werden konnten. „Was im Moment in der Landespolitik passiert, hat mit der Realität für viele Menschen nichts mehr zu tun“, findet Holger Rohde klare Worte an die Adresse der Potsdamer Regierung.

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