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Tierheim in Groß Lüben stößt an seine Grenzen : Notsignal von der SOS-Hundehilfe

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Das Tierheim ist voll und muss inzwischen Abgabegesuche abweisen. Das ehrenamtlich geführte Tierheim stößt an seine Grenzen

svz.de von
erstellt am 17.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Findus, ein schwarzer Labrador-Mischling, steht für die vielen Probleme, mit dem die SOS-Hundehilfe Prignitz in Groß Lüben kämpfen hat. Er wurde vor zwei Monaten auf der Elbbrücke von einem Auto angefahren. Eigentlich wäre Seehausen zuständig gewesen, aber letztlich gelangte der Hund über die Auffangstation des Tierschutzvereins Wittenberge in das Tierheim der Hundehilfe. Es war die letzte Chance für Findus, ihm drohte die Einschläferung.

„Die beim Unfall gebrochene Pfote war neun Tage unversorgt, als Findus zu uns kam“, erzählt Cornelia Grothe, die ehrenamtliche Leiterin. „Und der Hund hatte einen Tumor.“ Das Tierheimteam sorgte für einen Gipsverband und eine Tumorentfernung. Heute ist der sieben- oder achtjährige Hund deutlich lebhafter, in zwei Wochen soll der Gips ab. Findus wird weitgehend gesund, wahrscheinlich bleibt aber eine Behinderung an der Pfote zurück. Sein Besitzer hat sich nicht gemeldet, für die erhebliche Tierarzt- und Medikamentenrechnung muss die Hundehilfe aufkommen.

Das sei kein Einzelfall sondern fast schon Normalität, sagt Cornelia Grothe mit Blick auf tatsächliche Streuner und solche, die ihre Besitzer unter dieser Bezeichnung abgeben, weil diese dann von Amts wegen aufgenommen werden müssen. Hinzu kommen Hunde, deren Besitzer verstorben sind.

„In den vergangenen Wochen sind so viele Hunde gekommen, wie in den vergangenen 20 Jahren nicht. Hier ist alles voll, wir müssen immer wieder Unterbringungswünsche ablehnen“, sagt die Heimleiterin traurig. „Aber wir können einfach keine Tiere annehmen, es sei denn, wir konnten gerade Hunde vermitteln. Auch anderen Tierheimen geht es so, die Einrichtungen in Berlin, Falkensee und Stendal beispielsweise sind voll und verweisen auf uns.“

Viele junge Hunde

Das Gros der tierischen Gäste ist nicht, wie man annehmen könnte, zur Urlaubszeit ausgesetzte Vierbeiner. Die meisten neuen Heimbewohner sind junge Tiere. Sie kommen oft von jungen Leuten. Oft sind die Hunde neun Monate bis zwei Jahre alt, wenn sie in das Tierheim kommen. Vielen neuen Hundehaltern fehlen Kenntnisse, Geduld und Konsequenz, um die neuen Hausgenossen zu erziehen, mit ihnen artgerecht umzugehen. Die Hunde lernen nicht, eine Weile allein zuhause zu bleiben. Es bauen sich Spannungen auf, die Tiere richten Schäden in der Wohnung an, andere beißen sogar ihre Besitzer oder andere Hausbewohner. Dann kommen sie über Tiergruppen sozialer Netzwerke zum nächsten Besitzer, der oft auch nicht mit dem unerzogenen Tier zurechtkommt.

„Manche Hunde hatten in kurzer Zeit drei bis vier Besitzer, ehe sie zu uns kommen“, so Cornelia Grothe. Sie sind oft aggressiv, es dauert Wochen, bis sie die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Tierheims an sich heranlassen. Und ein bis zwei Jahre, bevor sie in einer Verfassung sind, dass sie vermittelt werden können. Doch Tiere mit solcher Vorgeschichte finden schwer eine neue Familie.

Ein Teil des Problems sind für Cornelia Grothe die vielen Mischlingszuchten und eingekreuzten Kampfhunde, was zu schwer vorhersagbaren Charaktereigenschaften führe. Und mancher süße Welpe wächst zu einem kraftstrotzenden Kaventsmann heran, der von Anfängern nur schwer zu bändigen ist. Einige Tiere werden auch mit falschen Angaben zur künftigen Größe in sozialen Netzwerken angeboten.

Wurden in den Vorjahren meist Mischlinge abgegeben, sind es derzeit auch Rassehunde. „Die Besitzer haben für sie 800 oder gar 1500 Euro ausgegeben. Dann funktionieren sie nicht wie gewünscht und werden zu uns abgeschoben“, wundert sich Cornelia Grothe.

„Es leben 77 Hunde im Heim, mit 30 haben wir begonnen.“ Drei bis vier Ehrenamtliche führen die Hunde aus, spielen mit ihnen, füttern sie, halten die Unterkünfte sauber. Am Wochenende sind es einige mehr, bei Arbeitseinsätzen kommen bis zu 30. Einige Mitglieder, die weit weg leben, sind eher virtuell tätig, sammeln Geld- und Futterspenden, helfen bei der Vermittlung. Auch Boxen und Hundehütten stammen aus Spenden und Lottomitteln, eine Quarantänestation wurde eingerichtet. So wie Tiere aus diversen Regionen in das Heim kommen, wird auch in viele Regionen vermittelt.

„Ohne Spenden geht nichts. 40 bis 50 Kilogramm Futter werden täglich gebraucht, hinzu kommen Betriebskosten, Rechnungen für Tierarzt und Medikamente“, rechnet Cornelia Grothe vor. „Immer mehr Tiere, höhere Kosten, die aus Spenden gedeckt werden müssen. Kein Wunder dass ständig Tierheime schließen.“

Trotz der Probleme machen Cornelia Grothe und ihr Team weiter. 250 Meter Zaun sollen gezogen werden, um mehr Platz zu schaffen.

Wittenberge hat Platz

Auch die Tierauffangstation Kletzke ist „randvoll“. „Wir haben zwölf Hunde hier, mehr geht nicht. Neben der Abgabe von Fundtieren und Notfällen, weil die Besitzer ins Krankenhaus mussten, ist ein Grund, dass es in der Urlaubszeit fast keine Vermittlung gibt“, sagt Lutz Thiele. „Für den September bereiten wir eine Vermittlungsaktion vor. Wir arbeiten auch an Patenschaften für Tiere, die kaum vermittelbar sind.“

„Wir betreuen derzeit fünf Hunde, 20 wären möglich“, sagt Fred Poleska von der Tierauffangstation in Dergenthin. „Eine stärkere Abgabe von Tieren durch die Urlaubszeit kann ich nicht feststellen. Unser Ziel ist es immer, bei uns untergebrachte Hunde möglichst schnell zu vermitteln.“  

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