Flüchtlinge : Noch reicht der Wohnraum

215 Wohnungen für Asylbewerber angemietet. Kreis erwartet im nächsten Jahr mehr als 1300 Neuaufnahmen.

svz.de von
20. November 2015, 16:52 Uhr

Bis Jahresende soll der Landkreis 1300 Flüchtlinge aufgenommen haben, aktuell sind es seit Januar 705. Darüber informierte der stellvertretende Landrat Christian Müller Donnerstagabend im Sozialausschuss. Ursprünglich war die Landesplanung von rund 900 Asylbewerbern für die Prignitz in diesem Jahr ausgegangen. Dass es jetzt 400 mehr werden, ist der aktuellen Situation geschuldet.

Insgesamt leben derzeit im Kreis 892 Asylbewerber. Darunter befinden sich 385 Einzelpersonen und 116 Familien. In diesen leben 228 Kinder, die im Kita- oder Schulalter sind. Hinzu kommen rund 90 minderjährige Flüchtlinge, die ohne Begleitung in Deutschland ankamen. Sie sind bei diversen freien Trägern untergebracht, unter anderem in Wittenberge, Dallmin und Perleberg.

Der Kreis sei nach wie vor in der Lage, alle Personen in Wohnungen unter zu bringen und will an diesem System weiter festhalten, so Müller. Die meisten Wohnungen befinden sich in Perleberg (74) und Wittenberge (71). Karstädt hat 15, Baek 14, alle anderen weniger als zehn.

Warum es in der Stadt Pritzwalk nur fünf Wohnungen seien, fragte der Kreistagsabgeordnete Karl-Heinz Brüdigam nach. Mehr geeigneter freier Wohnraum sei aktuell nicht vorhanden, so Müller. Aber Pritzwalk habe zugesagt, im Zuge des Stadtumbaus neue Wohnungen herzurichten. Müller betonte, dass weitere Vermieter bereit seien, Wohnungen zur Verfügung zu stellen.

Dennoch werden Alternativen für 2016 und die Folgejahre geprüft. Wie konkret diese Überlegungen sind oder welches Objekt intern bereits vorgesehen ist, sagte Müller nicht. Er rechne aber damit, dass 2016 die Asylbewerberzahl nochmals steigen wird, also über 1300 Neuaufnahmen liegen könnte.

Eine Unterbringung in Turnhallen strebe der Kreis weiterhin nicht an, es wäre definitiv die letzte Möglichkeit, die in einer Notsituation in Betracht gezogen werde. Diese könne eintreten, wenn beispielsweise eine Gemeinschaftsunterkunft irgendwo in Brandenburg plötzlich nicht mehr nutzbar sein sollte.

Während des Asylverfahrens müssen die Personen im Landkreis wohnen, dürfen sich aber frei bewegen. Im Falle einer Anerkennung, können sie ihren Wohnsitz frei wählen. Insbesondere Einzelpersonen ziehen dann häufig in Großstädte, so die Erfahrung.

Im Kreis wurden in diesem Jahr bisher neun Deutschkurse mit rund 100 Teilnehmern durchgeführt, die Mehrzahl davon hatte die Volkshochschule realisiert.

Für die Betreuung der Asylbewerber bleibe zunächst die Awo alleine zuständig, beantwortete Müller eine Frage des Abgeordneten Hans Lange. Andere Träger im Kreis hätten signalisiert, dass ihnen dafür das Fachpersonal fehle. Der Ausschuss war sich einig, dass die Awo eine gute Arbeit leiste.

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