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Der Prignitzer

24. Oktober 2017 | 02:22 Uhr

Nikolaus bringt Pollo zum Stehen

vom

svz.de von
erstellt am 05.Dez.2011 | 01:02 Uhr

Lindenberg | Kaum hat sich der Pollo am Samstag von Lindenberg aus in Bewegung gesetzt, da heißt es auch schon wieder halt. Übers Feld kommt ein Rauschebart in rotem Mantel mit einem großen Sack auf dem Rücken daher gestapft. Große Kinderaugen blicken ihm entgegen und kleine Nasen, die sich an den Fenstern der Abteile vor Neugier platt drücken. "Da kommt der Nikolaus", ertönt es durch die Waggons. Und für den bleibt selbst der Pollo mitten auf der Strecke mal kurz stehen. "So einen Fahrgast nehmen wir natürlich gerne noch mit", ruft der Schaffner vom anderen Ende des Zuges. Dann nimmt die Kleinbahn auch schon wieder Fahrt auf, rattern die Räder über den Schienenstrang zum fröhlichen Gesang der Kinder, die den Nikolaus willkommen heißen.

Mit den Nikolausfahrten endet die Saison des Prignitzer Kleinbahnmuseums Lindenberg e. V. - "eine überaus erfolgreiche Saison", fügt Rainer Knurbien an. Mit weit über 7000 Besuchern hat man das drittbeste Ergebnis seit Bestehen des Vereins erzielt. Und während er ein wenig aus dem Nähkästchen plaudert, schlüpft er ganz nebenbei ins Nikolauskostüm. Seit der Pollo 2003 wieder über die Schienen rattert, fährt auch der Rauschbart mit. In persona von Rainer Knurbien aber erst zwei Jahre später. Sofern die Gesundheit mitmacht, wolle er aber noch etliche Male Kinderaugen zum Leuchten bringen, so wie sein Kollege Meister Lampe zu Ostern.

17 Mitglieder waren sie, als sie 1993 den Verein aus der Taufe hoben, beseelt von dem Gedanken, die Geschichte der Kleinbahn, die von 1887 bis 1966 hier fuhr, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sondern in einer Ausstellung zu bewahren. "Mich faszinierte vor allem die Historie, sprich das Leben damals an und mit der Kleinbahn", so Rainer Knurbien, der von Hause aus Lehrer ist und einst in Lindenberg unterrichtete.

Heute sind sie um die 80 Mitglieder im Verein und die kommen sowohl aus der Umgebung, aber auch aus Hamburg, Berlin, Potsdam, Pinneberg und Schwerin. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Zu der Ausstellung ist mittlerweile das Original gekommen, das munter wieder von Lindenberg nach Mesendorf und zurück die Passagiere befördert. "Unser jährliches Highlight sind natürlich die Dampfloktage", so der Hobbyeisenbahner Knurbien. Eigens dafür leihen sich die Lindenberger eine alte Dampflok von der Rügenschen Bäderbahn aus. Auch für das kommende Jahr ist dieses Event bereits wieder fest gebongt, ebenso wie der Osterhase und der Nikolaus, die mit den Kleinen und Großen auf Fahrt in der Kleinbahn gehen werden.

Der Pollo, wie er schon früher liebevoll genannt wurde, und mit ihm der Kleinbahnverein sind inzwischen zu einer nicht mehr wegzudenkenden Attraktion in der Prignitz herangewachsen. Darauf sind die Hobbyeisenbahner mit Recht stolz. Denn nicht nur, dass hier an 80 Freunde der Schmalspurbahn ihren Faible ausleben können, "wir haben auch ein kleines Stück Geschichte wieder in die Gegenwart geholt", so Rainer Knurbien. Allein hätten sie das, zumindest so schnell, nicht geschafft. An die 1000 Stunden erhielten sie Unterstützung über arbeitsmarktfördernde Maßnahmen, vor allem beim Gleisbau und der Instandhaltung der Strecke. "Uns war geholfen und wir haben selbst für Beschäftigung auf dem zweiten Arbeitsmarkt gesorgt." Entstanden ist ein touristischer Magnet, der über die Grenzen der Region, der Prignitz hinaus Gäste, kleine und große, anzieht. "Immerhin holen wir so jährlich zwischen 6000 und 10 000 Besucher nach Lindenberg", überschlägt der Freizeiteisenbahner. Übrigens, am Samstag gab es noch eine Premiere: Auch die Fahrkarten sind jetzt wieder anno dazumal und so eine kleine Erinnerung an eine nicht alltägliche Fahrt in einem besonderen Zug.

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