Elbeport : Niedrigwasser behindert den Hafenumschlag

Bei Niedrigwasser erfolgt der Umschlag am Elbeport über Straße und Schiene. Stillstand gibt es nicht.
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Bei Niedrigwasser erfolgt der Umschlag am Elbeport über Straße und Schiene. Stillstand gibt es nicht.

Elbeport verliert bis zu 80 Schiffe im Jahr, der Umsatz steigt dennoch / Forderungen an die Politik

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08. Juli 2014, 22:00 Uhr

Dass der Wittenberger Hafen boomt, belegen Zahlen. Auch wenn mal bei Niedrigwasser kein Schiff am Anleger liegt, herrscht hier Betrieb. Seit seiner Gründung im Jahr 2009 hat sich der Elbeport gut entwickelt. In den vergangenen zwölf Monaten konnte Geschäftsführer Michael Beyer die Belegschaft von fünf auf 14 Mitarbeiter vergrößern. „Wir müssen nicht mehr Klinken putzen, sondern werden schon automatisch angefragt“, sagt der Elbeport-Chef. Ein Verdienst auch der günstigen Verkehrsanbindung an Wasser, Schiene und bald auch an die Autobahn 14.

Zwei bis drei Schiffe könnten pro Woche im Industriehafen an der Elbe abgefertigt werden, doch in den vergangenen Wochen war das nur selten der Fall. Der Fluss führte mal wieder tagelang Niedrigwasser, war für Schiffe unpassierbar. Bei gestern 1,41 Meter am Pegel Wittenberge und leicht steigender Tendenz entspanne sich die Situation. „Aber wir verlieren 70 bis 80 Schiffe im Jahr“, schätzt Beyer. Die Elbeport-Kunden werden dann über Straße und Schiene beliefert. Bei besseren Bedingungen könnte der Hafen jährlich 500 000 Euro mehr Umsatz machen als die 2013 erreichten 1,4 Millionen Euro, sagt Beyer.

Nach eigenen Angaben hat der Elbeport im Jahr 2013 rund 170 000 Tonnen Güter umgeschlagen, 55 000 Tonnen per Schiff. 2012 betrug der Warenumschlag noch 80 000 Tonnen. Die Schiffbarkeit von Elbe und Elbe-Havelkanal ist Bedingung. Und beides ist eben problematisch, sagt Beyer an die Adresse der Politik: Das Bundesverkehrsministerium investiere zu einseitig in große Flüsse und vernachlässige weniger befahrene Wasserstraßen.


Kritik am Bund: Zu wenige Investitionen


Diese seien aber für die Binnenschifffahrt und deren Kunden genauso wichtig. Für den Ausbau des Havelkanals etwa sei das Planfeststellungsverfahren lange abgeschlossen, die Bauarbeiten im Rahmen des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 17 ziehen sich aber in die Länge. Und in die Unterhaltung der Elbe, vor allem in die Buhnen, investiere der Bund zu wenig. Buhnen verhindern das Versanden des Flussbetts, er wird sonst bei Niedrigwasser unpassierbar. Auf Landesebene hat der Hafenchef Rückhalt: „Der Geschäftsführer hat unsere volle Unterstützung“, sagt Lothar Wiegand, Sprecher des Infrastrukturministeriums in Potsdam. Mit seiner Politik setze der Bund auf das falsche Pferd. Schließlich seien in der Binnenschifffahrt „unheimliche Zuwachsraten“ zu verzeichnen.

Laut Ministerium ist der Güterumschlag in allen Binnenhäfen Brandenburgs im Jahr 2013 um 5,5 Prozent auf 4,2 Millionen Tonnen gestiegen. Die Transportmenge auf den Wasserstraßen im Land stieg um 13,8 Prozent auf sieben Millionen Tonnen.

Für Wittenberge sind die Prognosen gut. Die Bröring Unternehmensgruppe aus dem niedersächsischen Dinklage will für 19,5 Millionen Euro am Hafen ein Mischfutterwerk bauen. Der Standort biete aufgrund der trimodalen Verkehrsanbindung gute logistische Möglichkeiten der Rohwarenbeschaffung. Bis 2016 sollen so 35 Arbeitsplätze entstehen.

Auch die Stadt Wittenberge investiert dieses Jahr sechs Millionen Euro in die Infrastruktur des gesamten Industriegebietes, unter anderem in den bereits aufgebauten Verladekran, in die Erweiterung der Gleisanlagen und in den Straßenbau. All das wird mit knapp fünf Millionen Euro öffentlich gefördert, der Elbeport hat sich mittlerweile als Logistikzentrum etabliert.


Fahrrinnentiefe von 1,60 Meter gefordert


Um so wichtiger sei es, den Fluss als Bundeswasserstraße zu erhalten. Dies war kürzlich Thema eines Treffen mit Bundestagsabgeordneten, darunter die Prignitzerin Dagmar Ziegler und ihr SPD-Kollege Gustav Herzog, Mitglied des Ausschusses für Verkehr. Gemeinsam mit lokalen Wirtschaftsvertretern waren sie sich einig, die Schiffbarkeit der Elbe weiterhin zu fordern. „Ziel ist es, an 345 Tagen im Jahr eine Fahrrinnentiefe von 1,60 Meter zu haben“, fasst Wittenberges Bürgermeister Dr. Oliver Hermann zusammen. Deshalb werde an Minimalforderungen festgehalten, die Buhnen zu unterhalten, punktuelle Schwachpunkte zu beseitigen.




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