Zahnpflege in der Prignitz : Nicht jede Kita putzt Zähne

Isabell Brüggert putzt mit Premsliner Kita-Kindern die Zähne und gibt wichtige Tipps.
Isabell Brüggert putzt mit Premsliner Kita-Kindern die Zähne und gibt wichtige Tipps.

Gesundheitsamt warnt vor den Folgen und lässt die genannten Gründe nicht gelten. 30 Kitas handeln vorbildlich

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15. September 2017, 21:00 Uhr

Zahnbürsten und Zahncreme werden kostenlos gestellt, doch in einigen Kindergärten der Prignitz werden Zähne nicht mehr geputzt. Eltern wenden sich besorgt an das Gesundheitsamt des Landkreises und auch die dortigen Experten bezeichnen diesen Trend als falsch.

Die Situation sei nicht dramatisch, aber die Ablehnung gegenüber dem Putzen steige. „Wir betreuen im Landkreis 61 Kitas und in drei wird nicht geputzt“, sagt Peter Guefroy, Leiter des Zahnärztlichen Dienstes im Gesundheitsamt. Keinen der genannten Gründe lässt er gelten: „Zu wenig Personal, zu wenige Waschbecken, Kinder verwechseln Zahnbürsten und das Putzen macht Dreck“, zählt er Antworten auf, mit denen Leiterinnen der Kitas ihr Nein zum Putzen begründen.

Um welche Kitas es sich handelt, will er öffentlich nicht sagen, denn es gibt keine Pflicht zum Putzen. „Wir können das auch nicht anweisen“, so der Zahnarzt. Aber in allen drei Fällen handele es sich um kommunale Kitas und nicht um private Träger. Sowohl Peter Guefroy als auch sein Vorgesetzter, Amtsarzt Jörg Marr, sind der Meinung, dass die betreffenden Kommunen Druck auf diese Kitas ausüben sollten.

Wie wichtig das Putzen der Zähne ist, sei unstrittig. „Wenn zu Hause in den Familien gründlich und regelmäßig geputzt wird, ist es nicht ganz so schlimm“, meint Guefroy. Aber das sei längst nicht überall der Fall. Wenn dann auch im Kindergarten keine Zahnpflege erfolgt, seien die Kinder die Leidtragenden. „Nachweisbar haben wir schlechtere Befunde in den Kitas, in denen nicht geputzt wird“, sagt Peter Guefroy.

Gesunde Zähne im Kindesalter seien wichtig für die Kieferentwicklung und damit für die korrekte Stellung der bleibenden Zähne. Sie fördern die Sprachbildung. Gerade beim Bilden von S-Lauten können fehlende Zähne zum Problem werden. Auch die soziale Integration sei ein Aspekt: Wer schlechte Zähne hat, wird schnell gehänselt. Und generell fördern gesunde Zähne das Wohlbefinden, beugen Karies vor, so dass der Bohrer beim Zahnarzt nicht zum Einsatz kommen muss.

Was die Zahngesundheit betrifft, hat Peter Guefroy Zahlen vorzuliegen. Im vergangenen Schuljahr waren 8530 Kinder (bis zum 16. Lebensjahr) zu untersuchen. „8014 von ihnen haben wir untersucht, das sind 94 Prozent. Ein sehr guter Wert, die Landesvorgabe beträgt 80 Prozent.“

Bis 2020 sollen 90 Prozent der Dreijährigen und 80 Prozent der Fünfjährigen kariesfrei sein. „Aktuell sind es im Landkreis 84,8 und 57,3 Prozent, was ebenfalls im Landesdurchschnitt gute Werte sind“, sagt er.

Bis zur sechsten Klasse gehen er und seine zwei Kolleginnen Lysann Autzen und Isabell Brüggert pro Jahr zwei Mal zu den Kindern: Untersuchung und die Behandlung mit Fluorid – ein Spurenelement das vor Karies schützt. Bei den älteren Schülern steht nur noch ein Besuch an. Gerade in die Kitas wird dann nicht nur geputzt, sondern wird den Kindern an Handpuppen gezeigt, wie die Bürste richtig arbeitet.

Das macht den Kindern Spaß, weiß Lysann Autzen, die zusammen mit den Knirpsen der Kita Premslin Zähne des Krokodils putzt. Die Einrichtung gilt im Landkreis als eine Vorzeigekita, die das Gütesiegel „Kita mit Biss“ tragen darf.

Dieses dürfen rund 30 Kitas tragen, eine Übersicht findet sich im Internet. Voraussetzungen sind nicht nur Zähneputzen, sondern auch ein gesundes Frühstück, Zwischenmahlzeiten aus Obst und Gemüse sowie der Verzicht auf Nuckelflaschen und das Nutzen von Trinklerngefäßen, um frühzeitig Lutschgewohnheiten abzustellen, fasst Peter Guefroy zusammen.

Erzieherin Silvana Neumann ist verblüfft, dass nicht in allen Kitas geputzt wird. Die genannten Gründe kann sie nicht nachvollziehen. „Bei uns hat jedes Kind seinen eigenen Becher mit einem Foto, jeder weiß, wo dieser steht“, sagt sie. 20 Kinder aus zwei Gruppen müssen sich den Waschraum mit vier Waschbecken teilen. „Wir putzen in Etappen, überhaupt kein Problem“, meint die Erzieherin. Es gebe einen Putzdienst und die Kinder freuen sich, wenn sie an der Reihe sind und die Zahnbürsten austeilen.  

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