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Neunjähriger Leon trifft seinen großen Lebensretter

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erstellt am 27.Jun.2013 | 05:08 Uhr

Perleberg | Leon strahlt übers ganze Gesicht: "Wir haben Ferien", freut sich der Neunjährige und ganz nebenbei habe es auch noch Zeugnisse gegeben. In die Schule gehe er schon gern, vor allem Mathe mag er, "aber Ferien sind eben noch schöner", außer vielleicht einen neuen großen Freund kennen zu lernen. "Mark heißt er, 40 Jahre ist er alt und wohnt in Fulda", berichtet Leon. Für ihn ist Mark ein ganz besonderer Freund, er hat dem heute Neunjährigen faktisch ein zweites Mal das Leben geschenkt.

Der damals siebenjährige Leon war todkrank. Die Ärzte hatten bei ihm Hämophagozytische Lymphohistiozytose diagnostiziert - einen extrem seltenen Gendefekt. Seine einzige Chance bestand in einer Knochenmarkspende. Verzweifelt wandten sich seine Eltern Heidelinde Plog und Maik Brusberg an unsere Zeitung. Gemeinsam baten wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, um Hilfe. Die Aktion Leon war geboren.

Mehr als 500 Prignitzer ließen sich als potenzielle Knochenmarkspender registrieren. Noch während in amerikanischen Speziallabors die Blutproben untersucht und die neuen Spender in die Datenbank der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eingepflegt wurden, kommt für Leons Familie der erlösende Anruf: Ein Spender ist gefunden.

Am 22. März 2011 erfolgte die Transplantation. Und nun, nach zwei Jahren, zwei Monaten und zwei Tagen durfte Leon seinen Lebensretter persönlich kennen lernen. Sie trafen sich in Köln, begleitet von Mama und Papa, von Julia von der DKMS und einem Drehteam vom Fernsehen.

"Es ist ein unbeschreiblich gutes Gefühl, dass Menschen aus freien Stücken bereit sind, das Leben eines anderen zu retten", sagt Leons Vater Maik Brusberg. Es war für ihn, für die ganze Familie damals wie ein Wunder, dass nach einer so langen Zeit des Bangens doch noch alles gut wurde.

Jenen Tag, an dem er das erste Mal seinem Lebensretter gegenüber stand, wird Leon sicher auch nie vergessen: "Wir haben uns im Kölner Zoo bei den Erdmännchen getroffen, nur wir beide", erzählt der Neunjährige. Ja, Mark sei cool, er habe mit ihm am Abend Kicker gespielt und ihn auch zum großen Public Viewing in der Kölner Altstadt mitgenommen, als Bayern gegen Dortmund spielte. Dabei sei Mark eigentlich gar kein Fußballfan, anders als Leon. Beim Fußballturnier zum Schuljahresende in der Rolandschule stand er sogar im Tor. "Und wie viele Bälle landeten im Netz?", fragt sein Papa. "Keiner", kontert Leon stolz. Kaum vorstellbar, dass der braun gebrannte Junge vor zwei Jahren von der Krankheit schwer gezeichnet im Rollstuhl saß und vom Fußballspielen nur träumen konnte. Heute träumt Leon davon, mal Arzt zu werden. Er habe schon so viele Ärzte kennen gelernt und alle haben versucht, ihm zu helfen. Genau das wolle er dann auch. Der Neunjährige ist heute wieder ein fröhlicher Junge, er lacht, sagt aber auch deutlich, wenn ihn etwas nervt, er tollt herum, "das Neptunfest der Schule hat riesigen Spaß gemacht", im August will er das Seepferdchen in Angriff nehmen. Leon ist ein kleiner Junge, der einen großen Kampf gekämpft und gewonnen hat und jetzt eben einfach nur wieder Kind ist und sein will.

Der gut 30 Jahre ältere Mark hat seinen kleinen Freund gleich ins Herz geschlossen. Am liebsten hätten er und seine Frau Monika, sie feierten übrigens am Tag darauf ihren ersten Hochzeitstag, ihn gleich eine Woche mitgenommen. "Es war so, als ob die beiden sich schon lange kennen, selbst einige Gesten sind bei beiden gleich. Auch Leon ist zu 90 Prozent Linkshänder, er liebt wie Mark die Erdmännchen", führt Maik Brusberg Beispiele an. Auch wenn sich nach diesem Kennenlernen ihre Wege wieder trennten, aus den Augen wollen sie sich nicht verlieren. Und vielleicht gibt es in nicht allzu ferner Zeit ein Wiedersehen.

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