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Der Prignitzer

20. November 2017 | 20:21 Uhr

Neugier lässt ihn in der Küche zaubern

vom

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erstellt am 04.Apr.2012 | 10:24 Uhr

Mödlich | Arbeiten an Sonn- und Feiertagen, im Sommer sowieso und meistens bis spät in den Abend hinein. Christoph Schweder quittiert das mit einem Schulterzucken. "Ich esse gern, darum werde ich Koch", sagt der Lehrling. Dass er im Futur spricht, ist mehr als bescheiden, denn in wenigen Wochen wird er seinen Abschluss in der Tasche haben. Zweifel sind unberechtigt. Dass er kochen kann, bestätigt sein Küchenchef Jan Dreßler in der Fischerkate Mödlich. Und wie gut er kochen kann, zeigt auch die Silbermedaille - kürzlich errungen auf der Messe InterGastra im Deutschlandcup der Berufsschulen.

"Manche lassen es über sich ergehen", sagt Jan Dreßler. Nicht so Christoph. "Er ist mit Leidenschaft dabei." Das sei früh zu spüren gewesen. Neugierig und hungrig nach immer neuen Variationen ein und desselben Gerichtes. Zwar gibt es kein spezielles Gericht auf der Karte, das aus der Lehrlingsfeder stammt, "aber das muss es auch nicht, denn die Karte machen wir gemeinsam", erklärt Dreßler.

In der Ausbildung legt er Wert auf die Basis, denn die müsse stimmen: Fisch filetieren, Fonds und Soßen, frisches Gemüse verarbeiten, zählt der Chefkoch auf. "Oder mal ein ganzes Reh verarbeiten und portionieren." Außerhalb der Küche sei es die Arbeit am Tisch. Den Gästen Empfehlungen geben, lernen, mit Kritik und speziellen Wünschen umzugehen. All das hat Christoph Schweder gelernt und wird mit seinen Künsten bald anderswo die Gäste verwöhnen, denn nach seinem Abschluss zieht es ihn in die Ferne.

Er ist Prignitzer und ganz gewiss sei das Übernahmeangebot der Fischerkate verlockend, "aber ich möchte ein bis zwei Jahre Erfahrungen sammeln". Zwar werde überall mit Wasser gekocht, aber auch überall ein wenig anders. "Mir geht es um neues Wissen." Beispiel Fisch. "Der macht einen Haufen Arbeit, aber auch einen Haufen Spaß und die Kreativität ist unbegrenzt", schwärmt der 20-Jährige von seinem Lieblingsprodukt. Oder mal in einer Großküche zusammen mit 40 anderen Köchen arbeiten. Oder ein Bankett für bis zu 2000 Gäste kalkulieren, zubereiten, servieren - Wünsche habe er viele. Überhaupt lässt Christoph Schweder keine Gelegenheit aus, sich mit anderen Köchen auszutauschen. Sei es während der Ausbildung, beim Treffen mit Freunden oder auf einer großen Meisterschaften wie der InterGastra in Stuttgart. Die dort gewonnene Silbermedaille sei seine bisher höchste Auszeichnung.

Deutschlandweit nahmen daran Berufsschulen teil. Das Thema war Dessert. Vorab mussten Rezeptvorschläge für heißes und kaltes Dessert eingereicht werden. Christoph Schweder entschied sich für eine Mango-Joghurt-Créme mit einem Cranberry-Sorbeet und dazu einen Mango-Kompott.

Dazu einen Kartoffelquark-Auflauf mit Mangosorbet und Haselnuss-Schokoküchlein mit Rotwein und Pfefferkirsche. Was verführerisch klingt, ist dem Prignitzer und seiner Zuarbeiterin Maria Grimm, 1. Lehrjahr im Gasthaus Dahse, offenbar auch gelungen. Die Fachjury hat’s jedenfalls überzeugt, was nicht nur die beiden Lehrlinge freut, sondern auch Berufsschullehrer Andreas Warmus am Oberstufenzentrum Prignitz.

Ein bisschen stolz ist natürlich auch Jan Dreßler. "Wir hätten ihn wirklich gern behalten", sagt er. Die Fachkräftesituation in der Prignitz sei schwierig, in der abgeschiedenen Wische noch ein wenig schwieriger. "Seit zwei Jahren bilden wir keine Restaurantfachkräfte mehr aus, auch ein Kochazubi fehlt", sagt Jan Dreßler. Bewerber sind Fehlanzeige. Für dieses Lehrjahr gab es gerade mal zwei: "Aus dem Schwarzwald und von der Nordseeküste. Das ist doch Wahnsinn." Bewerbungen seien daher willkommen.

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