Autisten zogen um : Neues Heim bietet großes Potenzial

Anne Krämer betreut den Autisten Marcel Jürgen in seinem neuen Zimmer in Groß Woltersdorf.
Anne Krämer betreut den Autisten Marcel Jürgen in seinem neuen Zimmer in Groß Woltersdorf.

CJD Prignitz ist mit seiner Wohnstätte für Autisten von Stepenitz nach Groß Woltersdorf umgezogen

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20. März 2014, 22:00 Uhr

Das CJD Prignitz ist mit seiner Wohnstätte für Autisten von Stepenitz nach Groß Woltersdorf umgezogen. Hier soll die Betreuung ausgebaut, das Konzept weiter verbessert werden. „Die Voraussetzungen dafür sind ideal“, sagt Jörg Stricker, Bereichsleiter für Behindertenhilfe.

In Stepenitz seien die Räumlichkeiten zu beengt gewesen, Möglichkeiten für einen Ausbau wurden geprüft, aber wieder verworfen. In Groß Woltersdorf habe das CJD ein nahezu ideales Gebäude gefunden. Ursprünglich für die Betreuung älterer Menschen geplant, seien Funktionalität und Zuschnitt genau das, was benötigt werde. „Die Zahl unserer Betreuungsplätze steigt von sechs auf elf“, so Stricker. Noch in diesem Monat komme der erste Bewohner dazu.

Das Obergeschoss biete Platz für einen großzügig angelegten Förderbereich und die Nähe zu den CJD-Einrichtungen im benachbarten Seefeld und in Hoppenrade eröffne Synergien, die für das abgelegene Stepenitz unvorstellbar waren.

Autismus ist eine komplexe Behinderung, die vor allem Kommunikation und Wahrnehmung beeinflusst. „Autisten verwechseln Gefühle, zum Beispiel Hunger oder Müdigkeit“, sagt Patrick Blumenthal, Abteilungsleiter Autismuskompetenz. Autisten können sich schwer orientieren, kleinste Veränderungen lösen Unsicherheit und Angst aus. „Wir Betreuer sind ihre Dolmetscher, wie erklären ihnen die Umwelt, bauen Brücken“, erklärt Blumenthal. Der Umzug sei für die sechs Bewohner eine Zäsur gewesen. Ihre zwölf Betreuer sprechen von einem echten „Knackpunkt“. Aber die befürchteten Probleme blieben aus. Das Leben in den lichtdurchfluteten Räumen sei schön. „Wir können hier individueller und vielfältiger betreuen“, sagt Blumenthal. Filzen, Weben, musikalische Angebote – all das war in Stepenitz, wenn überhaupt, nur ansatzweise möglich. „Wir fahren mit unseren Autisten zum Therapieschwimmen nach Bad Wilsnack und Wittenberge. Auch das ging vorher nicht.“ Therapeutisches Reiten, Töpfern, Holzwerkstatt ergänzen die Angebotspalette.

Möglich wird all das perspektivisch auch, weil die Zahl der Mitarbeiter steigen soll. „Wir suchen Fachkräfte und Berufsumsteiger mit der Bereitschaft, sich zu qualifizieren“, sagt Jörg Stricker. Prinzipiell kommt auf einen Bewohner ein Betreuer und das im Schichtbetrieb. Was für Laien viel klingt, ist eine Notwendigkeit. „Wir sprechen nicht von einem gemeinsamen Tagesablauf, sondern von sechs individuellen Tagesabläufen. Jeder Bewohner braucht eine eigene Betreuung, man könne sie nicht zu Gruppen zusammenfassen.

Das CJD plant langfristig mit dieser Wohnstätte in Groß Woltersdorf, spricht von Jahrzehnten. Die Akzeptanz im Dorf und die Zusammenarbeit mit dem aktiven Wahrbergeverein seien sehr gut. Das CJD wolle sich aktiv in das Dorfleben integrieren. In einem ersten Schritt seien öffentliche Spielmöglichkeiten für Autisten und für die Kinder des Dorfes sowie ein Erntedankgottesdienst vorstellbar.


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