Neuer Standort fürs Stadtmodell

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Bildhauer Egbert Broerken, hier am Stadtmodell von Soest, wird das Projekt realisieren. Der "Prignitzer" sprach mit ihm.Privat

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20. März 2013, 05:59 Uhr

Perleberg | Wenn - je nach Witterung - Mitte April ein Mann mit einem Fotoapparat die Rolandstadt aus allen Perspektiven auf mehr als 1500 Motiven im Bild festhält, dann wird das Egbert Broerken sein. Sein Atelier hat der Bildhauer und Objektdesigner in Welver, zwischen Paderborn und Dortmund. Egbert Broerken verwirklichte vor gut 20 Jahren erstmals in Münster und seitdem in zirka 50 Städten in Deutschland sowie weiteren rund 20 Städten in Europa sein Projekt "Stadtmodell zum Sehen, Fühlen und Begreifen". Das jüngste stehe in Wismar, so Dieter Kreutzer, Vorsitzender des Perleberger Bürgervereins.

In diesem Jahr fertigt der Bildhauer ein Perleberg-Modell an. Die Finanzierung, so Dieter Kreutzer, stehe. Es könne also nun an die Umsetzung gehen. Rund 25 000 Euro wird die Bronzeplastik kosten. 50 Prozent kommen aus Städtebaufördermitteln, konkret aus dem Programm "Aktive Stadtteilzentren" (ASZ), die andere Hälfte bringt der Bürgerverein als Eigenanteil auf.

Dieter Kreutzer ist glücklich darüber, dass man sich zu einem veränderten Standort durchgerungen hat. Zunächst sollte das Modell auf dem Kirchplatz in Richtung Schulgang seinen Platz erhalten. Der Standort war zwischen Stadtverwaltung, Denkmalbehörde, BIG Städtebau GmbH und Bürgerverein abgestimmt. Auch der Stadtentwicklungsausschuss befürwortete den Platz bereits im August vergangenen Jahres. Allerdings habe man Vor- und Nachteile verschiedener Standorte, speziell auch aufgrund von Bürgeranfragen, immer wieder aufs Neue abgewogen, heißt es in einer Presseinformation der Stadtverwaltung.

Im Februar lud Hans Rothbauer, stellvertretender Bürgermeister, zu einer Beratung ein, in der noch einmal alle Hinweise besprochen wurden. Vertreter von Stadtverwaltung, Kommunalpolitik, unterer Denkmalbehörde, evangelischer Kirche, BIG Städtebau und Bürgerverein entschieden sich für einen anderen Standort: Das Modell wird vor dem Eingang zum Rathaus in der Nähe der dort stehenden Bank platziert. Hier, so Dieter Kreutzer, werde es auf jeden Fall sehr viel besser wahrgenommen und genutzt. Schließlich ist es ja ein Modell sowohl zum Anschauen als auch zum Anfassen. Durch die unmittelbare Nähe zum Standesamt sei es auch vorstellbar, dass die Plastik sich künftig auf ganz vielen Hochzeitsfotos wiederfinden werde.

Der Künstler entwickelte gemeinsam mit Schülern und Lehrern der Westfälischen Blindenschule in Soest die optimale Tastbarkeit der Modelle und mit der Bronzegießerei ein spezielles Verfahren für die filigranen Erläuterungen in Blindenschrift. Die Stadtmodelle entstehen im Wachsausschmelz-Verfahren - eine alte handwerkliche Kunst, die Detailtreue und Unverwüstlichkeit der bronzenen Reliefs garantiert. Sowohl sehenden als auch sehbehinderten Menschen eröffnen sich mit den Miniatur-Stadtansichten ganz neue Blickwinkel und Perspektiven. Die Bronzeplastiken an markanten Plätzen der Städte seien beliebte Ziele für Blinde und Sehbehinderte, Grundschulklassen und Kindereinrichtungen und Ausgangspunkte für Stadtführungen, so Broerken.

Zwei Tage werde er voraussichtlich brauchen, um sich zunächst einmal selbst ein Bild von Perleberg zu machen und zugleich Häuser, Gebäudestrukturen und Details digital von allen Seiten zu fotografieren, sagte der Bildhauer gestern in einem Telefonat mit dem "Prignitzer". "Am liebsten mache ich das bei schönem Wetter und wenn noch keine Blätter an den Bäumen sind", so Broerken. Wenn der Winter endlich dem Frühling gewichen ist, wird das also sehr wahrscheinlich Mitte April sein.

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