Neuer Geist in Heilige-Geist-Straße

Dieser zweigeschossige Verbindungsbau werde herausgenommen, statt dessen eine Mauer gesetzt, die von einem Tor gefasst wird.
Dieser zweigeschossige Verbindungsbau werde herausgenommen, statt dessen eine Mauer gesetzt, die von einem Tor gefasst wird.

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20. September 2012, 09:28 Uhr

Perleberg | Dienstagabend Stadtentwicklungsausschuss in der Schollschule. Ein Thema: Das Quartierkonzept Heilige-Geist-Straße, erarbeitet von der Berliner GfP Gesellschaft für Planung und vorgestellt an diesem Abend von Stadtplaner Christian von Lengerke.

Seit Mitte der 90er Jahre regt sich auf dem Gelände, das an die Heilige-Geist-Straße angrenzt, nichts mehr. Einst erwarb die Firma Voß Baumanagement dieses Areal, hatte große Pläne. Von Wohnungsbau, Tiefgaragen, Handel und Wandel war die Rede. Die Firma ging in Konkurs, die Vorhaben zerplatzten wie eine Seifenblase.

Seit November 2011 ist die GWG Wohnungsgesellschaft mbH Perleberg neuer Eigentümer dieser Flurstücke. Den Ausschlag, das Areal zu erwerben, gab für die GWG ihr angrenzendes Gebäude, die ehemalige Uniformschneiderei in der Karl-Marx-Straße. "Wenn wir dieses Haus halten wollen, dann musste etwas passieren, denn der Schwamm hatte vom ehemaligen Tabaklager auf unser Haus übergegriffen", so Klaus Neumann, Geschäftsführer der GWG. Zudem, wer zieht schon in ein saniertes Haus, von dem man auf eine Ruinenlandschaft schaut, statt auf einen grünen Innenhof.

Genau das will die GWG nun hier schaffen - altersgerechte Wohnungen in einer ansprechenden Umgebung. Und damit einen Schandfleck beseitigen.

Die ersten Reaktionen auf das Ansinnen waren gelinde gesagt unterschiedlich: Neugier, gepaart mit Freude, dass hier endlich was passiert, auf der einen Seite. Vorbehalte hinsichtlich der angedachten Umsetzung und vor allem der Vorwurf, man sei zu wenig über alles unterrichtet, auf der anderen. So wurde die Berliner GfP mit der Erarbeitung eines Entwicklungskonzeptes beauftragt. Und einbezogen wurde dabei auch das angrenzende städtische Areal mit direktem Zugang zur Stepenitz, das derzeit noch als Gartenland verpachtet ist.

"Seit 61 Jahren bewirtschaften wir den Garten, mein Vater hatte ihn schon", berichtet Vera Kohls auf der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses. Wie lange könne sie ihn noch behalten? Bei dieser Frage ringt die Perlebergerin schon ein wenig mit den Tränen, denn der Garten war und ist ein Stück Leben für die über 70-Jährige und ihren Mann. Zugleich sind die Kohls aber auch froh darüber, dass sprichwörtlich ein neuer Geist in die Heiligen-Geist-Straße einziehen soll, sich endlich etwas bewegt.

Die Antwort von Bauamtsleiter Hagen Boddin lässt Vera Kohls aufatmen. "Gewiss noch einige Jahre." Doch wenn sie den Garten irgendwann nicht mehr bewirtschaften können oder wollen, dann habe die Stadt bereits ein Konzept."

Bewusst sei dieses großräumig angelegt, und bewusst habe man die Gestaltung des Quartiers auch in drei Workshops diskutiert. Mit am Tisch die Stadt, die BIG-Städtebau, der von der GWG beauftragte Architekt, die obere und untere Denkmalbehörde und die AG Stadtgestaltung sowie der Altstadt e.V. Das Ergebnis stellte Christian von Lengerke nun vor. Hinsichtlich der sogenannten Blockstruktur soll es keine weitere Bebauung geben, die jetzige Baulücke in der Heilige-Geist-Straße werde geschlossen, dafür aber auch der noch vorhandene zweigeschossige Verbindungsbau herausgenommen. Eine Art Mauer, als Tor gefasst, soll dann der optische Übergang sein.

Für Fahrzeuge soll das Areal künftig über die Heilig-Geist-Straße erreichbar sein. Entsprechende Stellflächen werde es geben. Die für eine mögliche spätere Umsetzung ins Auge gefasste Nutzung des heutigen Gartenlandes auch für Caravans stieß bei der Denkmalbehörde auf wenig Gegenliebe. Als weitere mögliche Offerte weist das Konzept später die Nutzung als Park und auch kleine Gartenparzellen aus, die von den Bewohnern bewirtschaftet werden. Der Weg für Radfahrer und Fußgänger werde westlich der Stadtmauer geführt. "Wir haben versucht, so auch historische Aspekte aufzunehmen", begründet der Berliner Stadtplaner den Vorschlag.

Stefan Kunzemann vom Altstadtverein begrüßte das besonders, "auch wenn ich glaube, dass das Konzept noch Verdichtung verkraftet, beispielsweise ebenerdigen behinderten Wohnraum dort, wo einst das Tabaklager war." Ausschussvorsitzender Klaus Herpich (Linke) brachte es auf einen kurzen Nenner: "Wenn alles fertig ist, wird Perleberg wieder ein Stück schöner sein." Doch bis dahin wird noch etliches Wasser die Stepenitz entlang fließen. Los geht es erst einmal mit dem Wohnungsbau.

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