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Rettungsdienst in Perleberg : Neue Technik für schwere Fälle

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Wagen vom Rettungsdienst des Landkreises für Patienten mit starkem Übergewicht ausgebaut / Noch im Probebetrieb

svz.de von
erstellt am 29.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Nur knapp an der eierlegenden Wollmilchsau vorbei sei das Fahrzeug, das vergangene Woche in Dienst gestellt wurde, so schildert René Glaeser, Werkleiter des Prignitzer Rettungsdienstes in Perleberg, die Vorzüge. Die Rede ist von einem Rettungswagen, der speziell für stark übergewichtige Patienten umgebaut wurde. „Vor zehn Jahren hatten wir die Probleme mit dem Übergewicht und dem Volumen nicht so häufig, aber die Menschen werden immer schwerer“, erläutert Glaeser den Grund der Neuausstattung.

Früher sei manchmal viel Ideenreichtum gefragt gewesen, es musste im Bedarfsfall Hilfe aus Nachbarkreisen angefordert werden, zum Beispiel aus Ostprignitz-Ruppin. „Aber da auch andere Kreise ihre Ressourcen stärker bündeln müssen, ging es so nicht mehr. Für den Schwerlastbereich brauchten wir eine Lösung, um unabhängig agieren zu können“, so Glaeser.

Als Basisfahrzeug für die Einbauten dient ein fast neuer Rettungswagen aus dem Reservebestand. Die Kosten des Gesamtsystems inklusive Einbau und zusätzlichen Ausstattungsgegenständen speziell für Übergewichtige belaufen sich auf 40  000 Euro. Denn auch die Tragetücher, Vakuummatratzen und Blutdruckmanschetten müssen für korpulente Patienten größer ausfallen, ebenso die Sicherungsgurte. „Wir haben bei den Kosten jedoch Glück gehabt, das Gerät ist sonst doppelt so teuer“, freut sich der Werkleiter. Aber die Firma Stryker habe aufgrund ihres 20. Geburtstages 200 solcher Tragesysteme um die Hälfte rabattiert. Die Perleberger konnten davon profitieren.

Der neue Tragetisch verfügt über eine Elektrohydraulik, die für die Sanitäter eine enorme Erleichterung darstellt. 318 Kilogramm verträgt das Modell, zudem gibt es eine Notreserve von 20 zusätzlichen Kilo. Für Rettungswagen gelten strenge Vorschriften und Abschreibungszeiten. Nach fünf bis sechs Jahren Einsatz sind sie in der Regel verschlissen.

„Für die technische Ausstattung, wie etwa EKG-Geräte, gibt es in der Regel im selben Turnus neue Standards“, bemerkt Chris Brandt, operativer Leiter des Rettungsdienstes. In der Prignitz werden daher auch im kommenden Jahr wieder einige Fahrzeuge durch neue ersetzt und neu ausgestattet.

Der umgebaute Schwerlastwagen ist auch weiterhin dafür ausgelegt, im Regelrettungsbetrieb Normalgewichtige zu transportieren. Denkbar sei zum Beispiel auch der Fall, dass bei Hochwasser nicht gehfähige und betreuungspflichte Patienten mit Übergewicht evakuiert werden müssen. Im Moment ist er allerdings noch als Ausfallreserve eingesetzt und wird erst einmal auf seine Praxistauglichkeit getestet. Die Feuertaufe im Schwerlasttransport hat er seit letzter Woche noch nicht bestehen müssen. Perspektivisch rechnet René Glaeser aber mit ungefähr zwei Fahrten im Monat, bei denen auch ein starkes Übergewicht dann keine großen Probleme mehr bereitet.

Was die Unterbringung der nicht nur in der Tragfähigkeit, sondern auch in der Größe in den vergangenen Jahren stetig gewachsenen Rettungswagen angeht, ist der Kreis gut aufgestellt. „Abgesehen von der Rettungswache in Bad Wilsnack, für die es Pläne zur Vergrößerung gibt, sind alle Standorte entsprechend ausgebaut, um die großen Fahrzeuge beherbergen zu können. Die Wachen wurden vorausschauen allesamt groß genug gebaut.“

 

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