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Der Prignitzer

23. November 2017 | 17:57 Uhr

Neue Sitten, neue Sprache, neue Leute

vom

svz.de von
erstellt am 29.Feb.2012 | 11:24 Uhr

Edmonton/Våler i Solør | Schneestürme und Elch-Burger - Florian Lemke hat in seinem halben Jahr in Kanada einige neue Erfahrungen gemacht. Alle anderen Austauschschüler wollten in die USA, Australien war ihm zu warm. So entschied sich der 17-jährige Eberswalder für einen Auslandsaufenthalt an der Victoria School of the Arts in Edmonton, Alberta. Seine Gasteltern Ray und Gisela Howarth schlossen ihn schon bei seiner Ankunft am Flughafen in die Arme, mit seinen Geschwistern Oliver (14) und Riana (21) teilte er sich die häuslichen Pflichten. "Die Leute dort sind offener und hilfsbereiter als in Deutschland, zu den Lehrern hat man ein lockeres, fast freundschaftliches Verhältnis", erinnert sich der Abiturient.

Und die Sprache? Die hatte er schnell drauf, auch den Slang: "Die Kanadier beenden jeden zweiten Satz mit einem ,eh?!’ und klingen wie Cowboys", erzählt Florian grinsend. Wie man das aus High-School-Serien kennt, hatte er seinen eigenen Spind, bewunderte die Mädchen vom Cheerleader-Team und verbrachte seine Freizeit mit Freunden in der Shopping Mall. Manchmal nahm ihn Gastvater Ray mit zum Segeln oder auf die Jagd. Hatte er genug von Elchfleisch und Erdnussbutter-Sandwich, ließ er sich von seiner Mutter Fertigklöße, Überraschungseier und Nutella schicken.

Wieder zu Hause musste er sich erst einmal an die deutsche Pünktlichkeit und schlecht gelaunte Busfahrer gewöhnen. Zwei Jahre ist das jetzt her. Inzwischen sitzt der Zwölftklässler im Englisch-Leistungskurs. Und als ihn im vergangenen Jahr seine Gastschwester Riana besucht hat, da bekam er sogar ein bisschen Heimweh nach Kanada.

Auch die Schwerinerin Anita Doherr hat während ihres Austauschjahres in Norwegen vieles erlebt, was in Deutschland zumeist undenkbar ist. Doch genau das war ihr Ziel, als sie sich für ein Schuljahr im Ausland entschied. "Ich wollte nicht nur eine neue Sprache lernen, sondern auch eine fremde Kultur erleben", erzählt die 18-Jährige. Nach der 10. Klasse packte die damals 16-Jährige ihre Koffer und zog aus der mecklenburg-vorpommerschen Landeshauptstadt nach Våler i Solør, einem kleinen Dorf rund zweieinhalb Stunden nordöstlich von Oslo. Norwegen hatte sie bei ihrer Bewerbung bei der Austauschorganisation "Deutsches Youth for Unterstanding Komitee" (YFU) als ersten Wunsch angegeben. Eine Urlaubsliebe sozusagen. "Wir waren mal in den Ferien dort. Ich finde Norwegen sehr schön", betont Anita Doherr.

Die Gasteltern fuhren mit ihrer Tochter auf Zeit an die Küste und ins Theater nach Oslo, flogen zu Bekannten in den Norden und machten kurze Ausflüge nach Schweden. Auch bei der Ski-Weltmeisterschaft in Oslo waren sie dabei. Kein Wunder: Der Gastvater ist im heimischen Sportverein Skisprungtrainer. Auch Anita trainierte dort - allerdings nicht auf der Schanze. Die Sportgymnasiastin zog Leichtathletik, Fußball und Taekwondo vor.

Natürlich gab es nicht nur Urlaub und Freizeit. Anita besuchte auch die Schule, gut 15 Busminuten von Våler i Solør entfernt. Auch dort war vieles anders als in Deutschland. "Die lassen es sehr ruhig angehen. Mittwochs hatte ich ab 10 Uhr Unterricht, montags musste ich sogar erst um 12 Uhr da sein, und nach zwei, drei Stunden war auch schon wieder Schluss", erinnert sich die 18-Jährige. Die Schule war nur für die Klassenstufen 11 bis 13, und in den Stunden arbeitete jeder Schüler mit einem Laptop, den er bekommen hatte. Obwohl Anita zu Anfang kaum Norwegisch sprach, wurde sie von ihren Mitschülern gut aufgenommen. "Die Norweger haben schon ab der 1. Klasse Englisch, da war die Verständigung kein Problem."

Nicht nur in der Schule, auch sonst würden die Norweger deutlich entspannter leben als die Deutschen. "Der Alltag ist auch nicht so streng strukturiert wie hier", erklärt die Schwerinerin. "Und weil alle Leute mit ,Du’ angesprochen werden, hat man zu allen gleich ein freundschaftliches Verhältnis."

Und gab es auch etwas, das nicht so toll war? Da muss Anita sehr lange überlegen. "Naja, wir haben ziemlich oft Skilanglauf gemacht, weil ja von Oktober bis April Schnee lag. Da hatte ich manchmal keine richtige Lust mehr", sagt sie, um gleich wieder einzuschränken: "Aber wenn wir dann unterwegs waren, war es immer lustig." Es sei für Aus tausch schüler wichtig, auch offen für Dinge zu sein, die sie von zu Hause nicht kennen.

Nach ihrer Rückkehr kam Anita Doherr nicht in die 12., sondern in die 11. Klasse. Ein verlorenes Jahr? "Ich habe damit kein Problem. Ich habe so viele Erlebnisse gehabt und so viele neue Erfahrungen gesammelt, dass es trotzdem ein gewonnenes und kein verlorenes Jahr ist", sagt sie bestimmt.

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