Arztpraxis in Berge : Neue medizinische Versorgung

Vor knapp einem Jahr schlossen sie sich zusammen: In der ehemaligen Gemeindeverwaltung Berge entstand jetzt die Arztpraxis von Dr. Thorsten Hörmann ( l.), die Intensiv-Wohngemeinschaft von Marlis Lenz und Eigentümer Matthias Lenz. Fotos: Martina Kasprzak
Vor knapp einem Jahr schlossen sie sich zusammen: In der ehemaligen Gemeindeverwaltung Berge entstand jetzt die Arztpraxis von Dr. Thorsten Hörmann ( l.), die Intensiv-Wohngemeinschaft von Marlis Lenz und Eigentümer Matthias Lenz. Fotos: Martina Kasprzak

Am 2. April Tag der offenen Tür in der Arztpraxis von Dr. Thorsten Hörmann und in der Intensiv-Wohngemeinschaft von Marlis Lenz in Berge

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28. März 2015, 12:00 Uhr

Vor neun Monaten stand an der Straße von Berge nach Grenzheim noch die ehemalige verfallene Gemeindeverwaltung – zur LPG Pflanzenproduktion. Wenn man jetzt dort vorbei fährt, erkennt man das Gebäude und den Hof nicht mehr wieder. Am Gründonnerstag, dem 2. April, haben alle interessierten Bürger von 10 bis 17 Uhr, die Gelegenheit bei der Eröffnung sich anzuschauen, was dort entstanden ist. Zum einen nimmt dort ab dem 7. April im vorderen Teil Dr. Thorsten Hörmann seine Arztpraxis in Betrieb, zum anderen im hinteren Teil Marlis Lenz ihre Intensiv-Wohngemeinschaft. Eigentümer der Immobilie ist der 33-jährige Matthias Lenz. Für ihr Vorhaben mussten die Beteiligten erst einmal eine Menge Geld in die Hand nehmen. Sie sprechen von rund einer halben Million Euro.

Es ist für die Gemeinde Berge eine hervorragende Nachricht, dass sich nach fast 20 Jahren wieder ein Arzt dort niederlässt. „Seit 2012 bin ich mit der Kassenärztlichen Vereinigung im Gespräch, und da wurde mir mitgeteilt, dass in Berge Bedarf ist“, so der Arzt.

Der gebürtige Bremerhavener studierte an der FU in Berlin Medizin, nach seinem Studium absolvierte er ab 1993 noch eine siebenjährige Ausbildung zum plastischen Chirurgen. Seine Stationen waren verschiedene Krankenhäuser in Berlin oder eine Station in Gelsenkirchen. Er betont in diesem Zusammenhang, dass das nichts mit Schönheitschirurgie zutun hat, sondern dass es die Rekonstruktion der Funktionsfähigkeit zum Beispiel nach Verbrennungen, Unfällen etc. beinhaltet. Seine letzte Anstellung als plastischer Chirurg ist im Dominikus-Krankenhaus in Berlin.

Dort ist er immer noch angestellt und wird es auch bleiben. Er hat einen Kooperationsvertrag mit der Berliner Klinik. Immer mittwochs wird er dort Operationen durchführen. Die anderen Tage ist er in Berge. Montags, dienstags und donnerstags hat er am Vormittag und am Nachmittag Sprechstunde, freitags von 14 bis 19 Uhr. Die Krankenhausanbindung hier in der Region mit Perleberg, Pritzwalk und Parchim bezeichnet Hörmann als gut. Seine praktische Ausbildung zum Allgemeinmediziner machte er bei Dr. Bernd Knacke in Putlitz. Seinen Lebensmittelpunkt verlegte Hörmann bereits vor zehn Jahren von Berlin nach Pritzwalk.

Doch warum entschloss er sich, eine Arztpraxis in Berge aufzumachen und auch noch in den vergangenen drei Jahren die Ausbildung zum Allgemeinmediziner noch anzuschließen? „In der Krankenhauslandschaft gibt es schwerwiegende Veränderungen. Als ich mich dazu entschlossen hatte, hatte ich noch 20 Jahre Berufsleben vor mir. Ich wollte mich selbstständig machen und für mich allein etwas machen“, so Dr. Thorsten Hörmann, der verheiratet ist und zwei Kinder hat.

Seine Praxis ist hochmodern, hell und freundlich eingerichtet. Der 50-Jährige hat zwei Sprechzimmer, ein großes Wartezimmer mit 20 Sitzplätzen, einen Kurzwartebereich vor dem Labor, in dem auch EKG gemacht wird. Das eine Sprechzimmer ist so gelegt, dass Kranke gleich durchgehen können, nur nicht erst in das große Wartezimmer müssen. „Mir liegt es am Herzen, dass Kranke nicht lange warten müssen“, so der neue Berger Doktor. Er wird künftig von zwei Schwestern unterstützt.

Und Hörmann stünde selbstverständlich auch als Hausarzt für die Bewohner der gleich nebenan liegenden Intensiv-Wohngemeinschaft von Marlis Lenz zur Verfügung. „Ich bin ja selbst Anästesie- und Intensivschwester. Wir wollten uns weiterentwickeln und eine Intensivbetreuung anbieten“, sagt Marlis Lenz, die bereits die gleichnamige Tagespflege in Berge aufgebaut hat.

Ab dem 1. April läuft ihre Genehmigung dafür von der Krankenkasse. Es sind sechs Plätze angemeldet und somit stehen auch sechs Einzelzimmer zur Verfügung. Nach der Mindestbauverordnung ist die Ausstattung genauestens vorgeschrieben. Es ist eine Aufsicht für die besondere Wohnform. Die künftigen Bewohner müssen ganz oder teilweise über eine Trachealkanüle beatmet werden. Dazu gehört eben auch ein Rund-um-die-Uhr-Absaugen. „Es gibt dafür zu wenige Einrichtungen bei uns im Kreis“, weiß Marlis Lenz. Es werden dort Fachkräfte arbeiten, die den Intensiv-Basiskurs absolviert haben. Leiter der Intensiv-WG wird Christian Raack. Er wird noch zusätzlich die Ausbildung zum Pflegeexperten für außerklinische Beatmung abschließen.

Eines betont Marlis Lenz ausdrücklich, die Bewohner können auch junge Leute sein, die nach Verkehrs- oder Arbeitsunfällen erst einmal die Beatmung benötigen. Keineswegs soll der Eindruck entstehen, dass die Intensiv-WG die letzte Station sein soll.

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