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Der Prignitzer

20. Oktober 2017 | 05:21 Uhr

Neue Lehrwerkstatt für Forstwirte

vom

svz.de von
erstellt am 16.Dez.2012 | 06:04 Uhr

Gadow | Weltmeister wurde der Weihnachtsmann nicht - doch zumindest wollte er beim traditionellen Weihnachtsbaum-Weitwurf auf dem Gelände der Oberförsterei Gadow dabei sein. Auch in diesem Jahr zog der Weihnachtsmarkt im Wald viele Besucher an, die sich einen frisch geschlagenen Weihnachtsbaum aussuchten. Während die Kinder aus einem kleinen Holzstück einen Nikolaus zauberten oder Advents gestecke bastelten, genossen ihre Eltern die adventliche Stimmung. Dabei wurde auch die Gelegenheit genutzt, sich von den Förstern über die Arbeit im Wald informieren zu lassen.

Die Oberförsterei Gadow betreut eine Fläche von etwa 24 000 Hektar, aufgeteilt in sieben Reviere. Fast der gesamte Wald befindet sich in privater Hand. "Das Land möchte, dass wir auch im Privatwald Rat und Anleitung geben, das ist unsere Aufgabe", erklärt Carsten Sander (44), der Leiter der Oberförsterei Gadow. Ihm zur Seite stehen sieben Revierleiter und drei Bürokräfte. Hinzu kommen sechs Auszubildende.

Die Unterstützung für die Waldbesitzer ist sehr umfangreich. So kümmerten sich die Förster beispielsweise im vorigen Winter um die Folgen des Schneebruchs. "Wir hatten viel Schnee und als es taute wurde der so schwer, dass ganze Äste und Spitzen abbrachen. Die Schäden waren enorm." Da Waldbesitzer diese Schäden beim Finanzamt geltend machen können, mussten sie über das Verfahren aufgeklärt und auch bei den Anträgen unterstützt werden.

Ein Dauer-Thema für die Förster ist der Schädlingsbefall in den Wäldern. Besonders schlimm schlug in diesem Jahr der Eichenprozessionsspinner zu. Der nachtaktive Schmetterling frisst die Blätter der Eichen auf, seit etwa zehn Jahren treibt er sein Unwesen auch in der Prignitz. Besonders gefährlich ist es, wenn im Mai die Raupen schlüpfen, denn in dieser Zeit treibt auch die Eiche aus. "Der Schädling frisst alle zarten Blätter weg, ganze Eichen-Alleen waren schon komplett kahl", berichtet Förster Sander, der gemeinsam mit seinen Kollegen aufklärt und dem Landkreis die Flächen meldet, die befallen sind.

Aber es sind nicht nur die Waldbesitzer, die von der Arbeit der Förster profitieren. Ein großes Anliegen von Sander und seinem Team ist es auch, Kinder und Jugendliche etwas über den Wald und seine Bewohner zu vermitteln. Hier arbeitet die Oberförsterei Gadow eng mit dem benachbarten Schloss zusammen, wo Kinder aus ganz Deutschland Ferien machen. Für sie und natürlich auch andere Kinder hat die Försterei eine Waldschule eingerichtet. Dort lernen sie beispielsweise, wie man in der Wildnis überleben kann. "Sie kochen gemeinsam eine Suppe aus Kräutern, müssen einen Fluss überqueren und bekommen etwas Erste Hilfe beigebracht", erzählt Förster Sander. Geschlafen wird in einfachen Holzhütten, ihr Bett müssen sich die Kinder aus selbst gestopften Strohsäcken herrichten. Belohnt wird die Anstrengung natürlich auch - mit tollen Stunden am Lagerfeuer. Zusätzliches Wissen über den Wald erfahren die Kinder in gesonderten Projekttagen. "In diesem Jahr hatten wir hier 5000 Kinder", berichtet Sander. Hinzu kommen die vielen Teilnehmer an der Wald-Olympiade und den Waldjugendspielen.

Ein ganz neues Kapitel hat die Oberförsterei in ihrer Lehrausbildung aufgeschlagen. Ein ehemaliges Stallgebäude wurde mit einem Aufwand von 110 000 Euro komplett saniert und zu einer Lehrwerkstatt ausgebaut. An vier modernen Werkbänken sollen die Lehrlinge in Zukunft lernen, wie Holz bearbeitet oder zum Beispiel Motorsägen gewartet werden. "Natürlich liegt die Arbeit eines Forstwirts hauptsächlich im Wald, doch es gibt Dinge, die ihnen nur in einer Werkstatt vermittelt werden können." Derzeit bildet die Oberförsterei sechs Lehrlinge aus. Einer von ihnen ist Christopher Wedekind (19) aus der Nähe von Seehausen (Sachsen-Anhalt). Seine Eltern nutzten den Weihnachtsmarkt, um mehr über die Ausbildung zu erfahren, schauten sich auch gleich die neue Lehrwerkstatt an.

Förster Sander freut sich darüber, dass jetzt auch das Amt Putlitz-Berge ab 2013 einen Forstwirt in Gadow ausbilden lassen möchte. Noch bis zum 15. Januar können sich Interessierte in der Oberförsterei für diesen Ausbildungsplatz bewerben. Grundsätzlich sieht die Zukunft der Forstwirte gut aus, meint Sander. Besonders dann, wenn sie auch mit den großen Maschinen im Wald umgehen können.

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