Bis Ostern klingt es wieder gut : Neue Klöppel für Lenzens Glocken

Die letzte Bronzeglocke der Lenzener Kirche aus dem Jahre 1705.
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Die letzte Bronzeglocke der Lenzener Kirche aus dem Jahre 1705.

Bronzeglocke von 1705 übernimmt vorerst allein den Ruf zum Gottesdienst

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06. Februar 2014, 12:00 Uhr

Auf das mächtige Geläut von zwei der drei Glocken der Sankt-Katharinen-Kirche müssen die Lenzener vorerst verzichten. Grund sind dringend notwendige Sanierungsarbeiten an den Klöppeln der beiden Stahlkolosse.

Ein Blick in die Glocken, die einen Durchmesser von 1,20 und 1,45 Meter haben, verrät warum: Die Klöppel aus geschmiedetem Stahl haben im unteren Bereich eingelassene Bronzeballen, die beim Läuten von innen an die stählerne Glockenwand schlagen. Sie sind sichtbar abgenutzt. „Die sind ja immerhin auch schon 94 Jahre alt“, verrät Gemeindekirchenratsmitglied Norbert Nussbaum. „Die Bronzeballen sorgen dafür, dass Anschlag und Ton weicher werden“, erläutert Thomas Scholz von der Firma Schmidt Glockentechnik & Turmuhren Berlin, der zusammen mit seinem Kollegen Henry Lösch die anstrengenden Demontagearbeiten im Kirchturm übernommen hat.

Während die Spezialisten die beiden bis zu 100 Kilogramm schweren Klöppel abmontieren, plaudert Norbert Nußbaum aus der Historie. „Früher hatte die Lenzener Kirche drei Bronzeglocken. Im Ersten Weltkrieg mussten die beiden großen Glocken zusammen mit den Orgelpfeifen aus dem Prospekt abgeliefert werden, wurden für Kriegsgerät eingeschmolzen.“ Nur die kleinste des Trios blieb hängen. „Jede Kirche durfte eine Glocke behalten, um die Leute zum Gottesdienst zu rufen“, so Nussbaum. 1920 beschaffte die Kirchengemeinde als Ersatz zwei preiswertere Glocken aus Stahl, die in Lauchhammer bzw. Torgau hergestellt wurden.

Das vermeintliche Ende des 1705, zwei Jahre nach dem großen Stadtbrand in Lenzen gegossenen und als Feuerglocke bei Bränden genutzten kleinen Exemplars nahte im Zweiten Weltkrieg. Sie wurde abmontiert und sollte für die Kriegsmaschinerie der Nationalsozialisten zweckentfremdet werden. Aus nicht bekannten Gründen blieb die Lenzener Glocke aber vom Einschmelzen verschont. „Sie ist dann auf dem sogenannten Glockenfriedhof in Hamburg gelandet. Weil sich ihre Herkunft zurückverfolgen ließ, hat die Gemeinde die Glocke nach dem Krieg wiederbekommen“, erzählt Norbert Nußbaum und zeigt auf die Inschrift.

Derweil haben Scholz und Lösche die Klöppel aus der Verankerung gehoben. Bewaffnet mit großen Schraubenschlüsseln lösen sie nun unter vollstem Körpereinsatz die angerosteten Muttern der Klöppelaufhängungen, die ebenfalls saniert werden sollen. Das ganze Gerät wird dann mit Seilen rund 30 Meter für den Abtransport hinunter in die Tiefe gelassen.

Spätestens zu den Osterfeiertagen sollen die Lenzener Glocken dann wieder ihren Dienst verrichten. Bis dahin muss das kleine, über dreihundertjährige Bronzeexemplar den Ruf zum Gottesdienst und das Morgen- und Abendgeläut mitübernehmen.

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