Orgelsommer in Wittenberge : Neue Kantorin mit Herzensprojekt

Von der Orgel in der Stadtkirche ist Kantorin Susanne Krau begeistert.
Von der Orgel in der Stadtkirche ist Kantorin Susanne Krau begeistert.

Mit dem Orgelsommer möchte Susanne Krau den Menschen zeigen, wie vielseitig die Königin der Instrumente ist

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23. Juni 2018, 12:00 Uhr

Wenn Susanne Krau über die Orgel in der Wittenberger Stadtkirche spricht, leuchten ihre Augen. Die 52-Jährige ist die neue Kantorin der evangelischen Kirchengemeinde und die Nachfolgerin von Johannes Wauer, der in den Ruhestand ging.

Beim Gesprächstermin in dem Gotteshaus sagt die gebürtige Berlinerin: „Ich bin wegen der Orgel gekommen“. Dann setzt sie sich an den Spieltisch, spielt einige Töne an und gerät ins Schwärmen. „Mit dieser Orgel kann ich Lieder aus der großen französischen Romantik spielen, aber auch Bach. Die Register, die Disposition machen das möglich.“

Die elektropneumatische Orgel in der Stadtkirche stammt aus dem Jahr 1935 und zählt mit ihren 49 Registern, drei Manualen und 2968 Pfeifen zu den größten in Brandenburg. Die Pfeifenanordnung im Prospekt erinnert an die Silhouette eines Engels. Ohne Elektromotor geht nichts. Der füllt die Magazin-Balge mit Luft, die von dort in die Orgel gedrückt wird. Kleine Magneten ziehen die Ventile auf, die Register werden gezogen, dann weichen die Schließbretter und die Luft strömt in den Pfeifenfuß. Das Instrument muss gepflegt werden, weiß Susanne Krau. „Ich werde die Tasten demnächst mit Zahnpasta und Zahnbürste putzen. Das ist das Beste, denn sie sind aus Elfenbein.“ Dieses Material zu verwenden, sei heute nicht mehr denkbar.

Seit 25 Jahren ist Susanne Krau im Kirchendienst. Sie studierte Kirchenmusik an der Hochschule der Künste – heute Universität der Künste – in Berlin. Weil es in der Nachwendezeit in Berlin einen Einstellungsstopp bei der Kirche gab, ging Susanne Krau zur Hannoverschen Landeskirche, danach folgte ein Engagement in Wedel an der Elbe. „Und dann entdeckte ich die Stellenausschreibung für Wittenberge. Das war die Gelegenheit, in meinen letzten Arbeitsjahren noch einmal etwas Neues auszuprobieren. Außerdem konnte ich so näher an meine Familie und Freunde in Berlin ziehen“, beschreibt sie die Umstände.

Etwas Neues wagen möchte sie hier auch mit einem Projekt. Die Kantorin plant einen Orgelsommer, also mehrere Konzerte in der Stadtkirche mit wechselnden Liedern. „Die Wittenberger sollen sehen, dass sie eine besondere Orgel haben und ich möchte zeigen, dass Orgelmusik nicht so kirchlich sein muss, wie es viele denken“, fasst sie zusammen.

Geplant sind insgesamt sieben Termine, beginnend im Juli. Der letzte ist für den 26. August vorgesehen, wenn der Brandenburg-Tag in Wittenberge Station macht. Immer samstags ab 17 Uhr für jeweils eine halbe Stunde soll die Königin der Instrumente erklingen. Nur am 26. August geht es schon um 14 Uhr los. „Der Orgelsommer ist mein Herzblut“, sagt Susanne Krau, die bis auf eines alle Konzerte selbst spielen wird. An den Liedlisten arbeitet sie schon intensiv, noch sind wenige Plätze auf ihrem Notizzettel frei. Immer wieder schiebt sie in Gedanken die Stücke hin und her. Johannes Wauer werde das eine Konzert übernehmen. Dass sie sich auf ihn und seine Erfahrung stützen kann, sei sehr schön, sagt Krau. „Und wir wohnen zufällig nur drei Häuser auseinander. Da sind die Wege kurz.“

Üben kann Susanne Krau daheim auch. Sie besitzt eine Hausorgel mit Holzpfeifen und -tasten, wodurch das Instrument wesentlich leiser ist. „Sie hat schon den zweiten Umzug mitgemacht und wird jedes Mal neu toniert. Das Holz für die Orgel, das sie zusammen mit einer Kommilitonin kaufte, weil sie auch eine eigene wollte, musste zehn Jahre lagern. 30 000 Euro kostete das Instrument. Das Geld lieh sich Susanne Krau damals von ihren Eltern. „Meine Orgel ist aber seit vielen Jahren abbezahlt“, sagt sie lachend.

Als Ausgleich zur Arbeit hört Susanne Krau gern klassische Musik, sie singt aber auch gern Gospel. „Häufig höre ich einfach gar keine Musik“, gibt sie zu. Seit ihrem achten Lebensjahr befasst sie sich mit Musik. Damals fing sie mit dem Klavierspielen an, dann stieg sie auf Orgel um. „Die muss man schon spielen können, wenn man mit dem Studium beginnt. Das wird vorausgesetzt“, klärt sie auf. Ihr Wissen kann Susanne Krau weitergeben. Derzeit hat sie eine 16-jährige Orgelschülerin.

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