Neonazis unterlaufen Vereine

<fettakgl>Winfriede Schneider </fettakgl><foto>dpa</foto>
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Winfriede Schneider dpa

svz.de von
02. Januar 2013, 05:52 Uhr

Potsdam | Sportvereine müssen sich mehr mit dem Thema Rechtsextremismus auseinandersetzen und klar positionieren. Das fordert die Chefin des Verfassungsschutzes in Brandenburg, Winfriede Schreiber. "Der Sport hat sich lange schwergetan, weil man sich für unpolitisch gehalten hat", sagte sie. "Mehr und mehr erkennen die Vereine, dass sie sich zur Demokratie bekennen müssen." Viele hätten inzwischen in der Satzung ein klares Bekenntnis verankert. Marion van der Kraats (dpa) sprach mit ihr.

Wieso können Neonazis dort Fuß fassen, obwohl es zahlreiche - durchaus erfolgreiche - Initiativen gegen Rechts im Land gibt?

Schreiber: "Neonazis leben nicht im luftleeren Raum. Sie haben Familie, besuchen die Schule, machen berufliche Abschlüsse, treiben Sport oder sind bei der Freiwilligen Feuerwehr. Viele Neonazis sind heute keineswegs mehr bildungsfern und erfolgreich im Beruf. Die Zivilgesellschaft hat nun das Problem, wie sie damit umgeht. In kleinen Orten ist das manchmal besonders schwer. Die Jungs sind ja auch die Söhne von jemanden oder Geschwister. Und oft genug ist es purer Zufall, wo jemand landet - bei der Feuerwehr oder der Nazitruppe."

Wie treten die Neonazis in den Vereinen auf?

"Sie versuchen, das Vereinsleben zu beeinflussen, indem sie entsprechend auftreten. Das äußere Erscheinen wird durch entsprechende Tätowierungen oder T-Shirts geprägt. Sie organisieren Turniere, bei denen sich die Szene trifft. Damit ziehen die Neonazis junge Leute an und machen sie der Demokratie abspenstig. Sie nutzen das normale Leben, um für ihre Bewegung zu werben."

Warum gelingt dies?

"Es gelingt nicht immer. Aber: Die Betroffenen sind ja oft Erfolgsträger und werden deswegen bewundert. Außerdem sind viele Neonazis heutzutage auch beruflich erfolgreich - führen Lokale oder produzieren von Jugendlichen begehrte T-Shirts, was ein gewinnträchtiges Feld ist. Einige von ihnen gehören zu den Sponsoren von Sportclubs oder Veranstaltungen. Darüber hinaus haben sie enge Verbindungen zu Security-Unternehmen. Diese Verzahnung ist gefährlich, weil sie einschüchtert."

Verkennen die Vereine die Gefahr oder ist ihnen der sportliche Erfolg wichtiger?

"Der Fall der Ruderin bei den Olympischen Spielen, deren Lebensgefährte aus der Neonazi-Szene stammte, hat gezeigt, wie schwer sich der Sportverband oder das olympische Komitee getan haben. Da habe ich großen Respekt vor den kleinen Vereinen oder Kommunen, die im täglichen Miteinander einen Weg finden müssen. In Brandenburg haben wir ein gutes Mittel, um diesen zu helfen: die mobilen Beratungsdienste. Die Hilfe reicht von Verständigung über politische Gräben hinweg bis hin zu praktischen Tipps für ein Dorffest ohne Neonazis. Derzeit sind die Berater in Cottbus im Kickboxverein im Einsatz, um zu erreichen, dass man dort mit der notwendigen Sensibilität und Konsequenz an das Thema herangeht. nNicht zu vergessen ist natürlich der wirtschaftliche Aspekt: Uns macht seit Jahren eine Fangruppe des Fußballclubs Energie Cottbus wegen ihrer rechtsextremistischen Bezüge erhebliche Sorge. Doch der Verein hat sich noch nicht durchringen können, deutlich dagegen vorzugehen. Da spielen sicherlich Dinge wie Jahreskarten oder Sponsorengelder eine Rolle. Ein ganz anderes Beispiel kenne ich aus einem Angelverein: Da haben Mitglieder zu Rechtsextremisten deutlich gesagt: Du musst dich entscheiden. Schöne Fortschritte in dieser Hinsicht haben auch die Freiwilligen Feuerwehren gemacht: Dort merken wir die Erfolge von Beratung und Auseinandersetzung."

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