Eichenprozessionsspinner : Naturschutz fühlt sich ignoriert

Unzählige Raupen des Eichenprozessionsspinners kriechen an einem Eichenstamm.
Unzählige Raupen des Eichenprozessionsspinners kriechen an einem Eichenstamm.

Nabu kritisiert Kreis und geplante Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners / Verwaltung widerlegt Behauptungen

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24. März 2015, 20:00 Uhr

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) kritisiert die Pläne des Landkreises zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners und erhebt Vorwürfe gegenüber dem Kreistag. Dabei bringt der Nabu Brandenburg aus Sicht der Kreisverwaltung ganz offensichtlich einige Fakten durcheinander.

In der Mitteilung des Nabu heißt es: „Allerdings hatte der Kreistag kürzlich mehrheitlich (mit den Gegenstimmen der Grünen) beschlossen, die Bekämpfungsmaßnahmen auszuweiten und sich über die Einwendungen von Naturschutzverbänden hinwegzusetzen.“ Das ist falsch. Der Kreistag hat dazu keinen Beschluss gefasst, folglich gab es auch keine Gegenstimmen von den Grünen.

Es gab nicht einmal eine Beschlussvorlage für die Abgeordneten, bestätigt Dr. Sabine Kramer, zweite Beigeordnete des Landrates. Sie hatte auf der letzten Sitzung lediglich die Abgeordneten über den Stand der Vorbereitung der Bekämpfung informiert (wir berichteten). „Die Abgeordneten müssen keinen Beschluss fassen, da es sich um eine Angelegenheit der Ordnungsbehörde handelt“, erklärt sie. Auch die Kritik des Nabu-Landesvorsitzenden Friedhelm Schmitz-Jersch an der Beteiligung der Naturschutzverbände am Verfahren könne sie nicht nachvollziehen.

An die Adresse der Kreisverwaltung gerichtet, spricht Schmitz-Jersch von einer „pro-forma-Beteiligung, in der fachliche Einwände von vornherein keine Beachtung finden sollen“. Damit ignoriere der Kreis eine Forderung des Potsdamer Verwaltungsgerichts. „Wir haben die Naturschutzverbände angehört, auch den Nabu“, sagt Kramer. Anders als dieser darlegt, sei die Auswertung der Einwände noch gar nicht beendet: „Wir haben bis jetzt keine Verfügung zur Bekämpfung erlassen.“ Mit einer Entscheidung sei zeitnah zu rechnen.

Eine Zustimmung des Nabu oder eines anderen Naturschutzverbandes ist in dem Verfahren nicht notwendig, es genügt die Anhörung. „Die Verbände können gegen unsere Entscheidung klagen“, so Kramer.

Der Kreis plant eine Bekämpfung auf rund 2700 Hektar. Das wären zwar 1000 mehr als im Vorjahr, aber nur, weil in Schutzgebieten aufgrund von erlassenen Verboten 2014 nicht bekämpft werden durfte. Die Befallssituation mit dem Schädling habe in der Prignitz seitdem weiter zugenommen.

„Unsere Situation ist außergewöhnlich, wir haben den stärksten Befall in Brandenburg“, sagt Bernd Lindow, Leiter der unteren Naturschutzbehörde. Erst kürzlich habe die interministerielle Arbeitsgruppe unter Federführung des Umweltministeriums der Prignitz empfohlen, zu bekämpfen. „An dieser Sitzung hat Friedhelm Schmitz-Jersch teilgenommen“, sagt Bernd Lindow.

Während der Nabu einer Bekämpfung nur unter dem Aspekt Gesundheitsschutz in Siedlungsbereichen befürwortet, verfolgt der Landkreis einen ganzheitlichen Ansatz, um die Ausbreitung des Schädlings zu stoppen.

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