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Der Prignitzer

17. Dezember 2017 | 01:25 Uhr

REisebericht : Naturgewalt auf Island

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Monique Starr aus Karstädt flog über die Spalte, die sich im August am Vulkan Bárðarbunga auftat

von
erstellt am 21.Sep.2014 | 08:00 Uhr

Monique Starr aus Karstädt ist seit 2010 freie Reiseleiterin für Island und verbringt jeden Sommer mehrere Monate auf der Insel im Nordatlantik. Island ist auch durch seine Vulkanausbrüche bekannt. Die Karstädterin berichtet darüber.

Mitte/Ende August rumorte der Vulkan Bárðarbunga. Am 13. September hatte ich die Gelegenheit zu einem Flug über der Vulkanspalte. Es war ein sehr eindrucksvolles Erlebnis, diese Naturgewalt aus der Nähe zu betrachten, die sich dabei abspielenden Prozesse live zu sehen. Was für ein einmaliger Saisonabschluss!

Auf Island zu arbeiten, beinhaltet immer auch die Möglichkeit, Zeuge eines Vulkanausbruchs zu werden. Als 2011 der Grímsvötn ausbrach, hatte ich das erste Mal die Chance, lebte und arbeitete fünf Tage inmitten der Aschewolke, die sich nur anderthalb Stunden nach den ankündigenden Erdbeben ihren Weg durch das Eis gebahnt hatte. In diesem Jahr konnte die interessierte Welt miterleben, dass sich Vulkane auch länger mit ihrer Ankündigungsphase Zeit lassen, dabei Wissenschaftler immer wieder vor neue Herausforderungen und Erkenntnisse stellen und Reisenden ein gewisses Maß an Spannung und Flexibilität abnötigen.

Seit dem 16. August um drei Uhr nachts rumorte der Vulkan Bárðarbunga. Wir waren an diesem Tag gerade auf dem Weg zu einem anderen Vulkan, wollten das neue Lavafeld am Fimmförðurháls, das beim Ausbruch 2010 entstand, erwandern. In Erinnerung daran, wie schnell sich die letzten Ausbrüche gezeigt hatten, waren alle im Land hochgespannt. Nachdem es einige Tage und tausende Erdbeben später immer noch keinen Ausbruch gegeben hatte, beruhigte sich die Lage im Land wieder – ach ja, der Berg grummelt. Wenn man auf Island eines lernt, dann sind das Ruhe und Gelassenheit – insbesondere in Bezug auf Naturkatastrophen.


Lavafontänen schleudern gen Himmel


Einen ersten kleinen Ausbruch unter dem Eispanzer hatte es am 23. August gegeben, ohne dass dies auf Island irgendeine Auswirkung hatte. Abgesehen von der Panik verbreitenden Berichterstattung ausländischer Medien, die ohne genaue Recherche sofort und fast ausschließlich einen Bezug zur Luftraumsperrung 2010 herstellte und reihenweise Falschmeldungen verbreitete bzw. Tatsachen aus dem Kontext herausnahm. Wenn Island von dem klitzekleinen Ausbruch, der den Eispanzer nicht durchbrach und zu keinem Gletscherlauf führte, eines merkte, dann waren es eine Vielzahl von Reise-Stornierungen.

Für uns im Land hingegen ging das Leben weiter. Ich reiste mehrfach mit Gruppen um den Gletscher, unter dem der Vulkan schlummert. Wir übernachteten gar am Fuße des Vatnajökull, als sich in der Nacht zum 29. August auf der gegenüberliegenden Seite die Erde öffnete und begann, mehr als 1000 Grad Celsius heiße Lavafontänen in den Himmel zu schleudern.

Als die Nachricht von der Vulkanspalte die Welt erreichte, erhielten einige meiner Gäste besorgte SMS mit Texten wie „Seid ihr in Lebensgefahr?“ Nein, waren wir nicht. Wir reisten bei bestem Wetter weiter durch das Land, genossen den Gletscher und seine Schönheit. Das nördliche Hochland, in dem der Ausbruch begann, hatte man vorsorglich bereits Tage zuvor evakuiert. Die Gegend ist unbewohnt und wird im Sommer nur von Reisenden besucht. Da die Möglichkeit eines Ausbruchs unter dem Gletscher bestand, die zu Schmelzwasserfluten führen könnte, hatte man sich für die Evakuierung entschieden – nur um auf Nummer sicher zu gehen.

Die Vulkanspalte blubbert derweil weiter vor sich hin, das Thema ist längst auch in den isländischen Medien nicht mehr an erster Stelle, wenngleich Entwicklungen eingetreten sind, die Wissenschaftlern durchaus Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Die isländische Bevölkerung und alle Interessierten werden regelmäßig und sachlich – auch in englischer Sprache – auf dem Laufenden gehalten.

Bei mehr Interesse zu diesem Thema: Monique Starr hält am Freitag, dem 7. November, einen Fotovortrag in Postlin im Gasthaus Koch. Beginn ist um 19.30 Uhr.

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