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Der Prignitzer

20. September 2017 | 11:12 Uhr

Natur erhält freie Hand

vom

svz.de von
erstellt am 19.Nov.2011 | 11:55 Uhr

Prignitz | Drei Prozent der Fläche eines Biosphärenreservates müssen laut UNESCO-Standard als Kernzone ausgewiesen und damit ohne wirtschaftliche Nutzung der Natur überlassen werden. Mit gerade einmal 0,6 Prozent Kernzonenfläche ist das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe in bezug auf ungenutzte Flächen bundesweit Schlusslicht.

Das soll sich ändern. Auf der Jahrestagung am Mittwoch stellte die Reservatsverwaltung konkrete Pläne für die Ausweitung der Kernzonen vor. "Entscheidend bei der Auswahl geeigneter Flächen sind für uns die Besitzverhältnisse, denn die Entwicklung dieser besonders geschützten Räume ist nur dort sinnvoll, wo das Land Brandenburg oder Naturschutzverbände Eigentümer sind", sagte Verwaltungsleiterin Jeanette Fischer. "Vor diesem Hintergrund sind die Gebiete Elsbruch und Karthan in den Fokus gerückt, da hier sowohl die eigentumsrechtlichen als auch die ökologischen Voraussetzungen günstig sind." Zudem stünden dem Biosphärenreservat 2012 erstmals wieder Gelder für den Erwerb von Naturschutzflächen zur Verfügung.

Torsten Hennig, Forstfachmann und Flächenkoordinator in der Reservatsverwaltung, ging in seinem Vortrag tiefer ins Detail und konkretisierte anhand des Ist-Zustandes der als Kernzonen geeigneten Flächen die zur Umwandlung nötigen Aufgaben. "Im Gebiet Elsbruch kommen etwa 228 Hektar, die dem wünschenswerten Zustand einer Kernzone schon ziemlich nahe sind, für die Umwandlung in Frage." Stellenweise müssten durch Pflege- und Durchforstungsmaßnahmen Nadelholzbestände, insbesondere mit eigentlich nicht in Deutschland heimischen Douglasienbeständen, vor dem Rückzug der Menschen aus der Nutzung noch aufbereitet werden. "Angesichts der Tatsache, dass der Elsbruch ein Feuchtwaldgebiet ist, sind die Voraussetzungen für eine Kernzone hier jedoch gut", so der Experte. Vor allem im Wasserhaushalt konnten durch Schließung von Entwässerungsgräben bereits Erfolge erzielt werden.

Im Bereich Karthan sind ebenfalls 228 Hektar als Kernzone vorgesehen. "Hier ergibt sich jedoch das Problem eines großen Bestandes an Nadelholzforsten, die einen erheblichen Waldumbau in Kooperation mit der Oberförsterei Bad Wilsnack erforderlich machen, bevor man die Flächen sich selbst überlassen kann", erklärt Hennig.

Grundsätzlicher Konsens in der Verwaltung sei jedoch, die Vorbereitung der Kernzonen in Abstimmung mit allen Parteien, deren Interessen davon betroffen sind, durchzuführen. "Es gilt, Forst- und Landwirtschaft, Tourismus und auch die Jäger und Angler über die Pläne umfassend zu informieren und gemeinsam mit ihnen Lösungen zu finden, wie wir unsere Ziele erreichen können", so Jeanette Fischer.

Eine wichtige Rolle spiele dabei die Öffentlichkeitsarbeit, um den Wert der wirtschaftlich ungenutzten Kernzonen den Menschen zu erklären, betonte Martin Waldhausen, im Bundesumweltministerium zuständig für das Mensch-und-Biosphäre-Programm und ebenfalls Gast der Jahrestagung. "Es muss deutlich werden, dass der Wert und Nutzen dieser Flächen nicht wirtschaftlicher, sondern sozialer Natur ist, beispielsweise für Bildungs- oder Forschungszwecke."

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