Biberaufstand am Cederbach : Nager gewinnen gegen Paragraphenreiter

Die Kreisverwaltung am Tatort: Ortrud Effenberger, Bernd Lindow (hinten) und Falko Dietsch schauen sich am Cederbach einen Biberbau an und kommen zur Entscheidung: Alles bleibt, wie es ist.
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Die Kreisverwaltung am Tatort: Ortrud Effenberger, Bernd Lindow (hinten) und Falko Dietsch schauen sich am Cederbach einen Biberbau an und kommen zur Entscheidung: Alles bleibt, wie es ist.

Bauwerke der Tiere im Cederbach dürfen bleiben und verstoßen nicht gegen EU-Auflagen / Bäume erhalten künftig einen Schutz

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12. März 2014, 08:00 Uhr

Die Natur hat gewonnen und Hoppenrades Biberfamilie verhält sich sogar EU-konform. Das ist das Ergebnis eines Vor-Ort-Termins der Kreisverwaltung. Am Cederbach hatten Biber Bauwerke errichtet und den Wasserlauf angestaut – exakt an der Stelle, an der mit EU-Mitteln vor zwei Jahren ein Wehr zurückgebaut wurde, um Fischen und anderen Kleintieren im Wasser die Durchwanderung zu ermöglichen (wir berichteten).

Bernd Lindow, Sachgebietsleiter Natur- und Umweltschutz, Ortrud Effenberger, Sachgebietsleiterin Denkmalschutz, und Falko Dietsch von der unteren Wasserbehörde schauten sich die Situation am Cederbach an. Grund dafür war unter anderem die Folge des etwa einen Meter hohen Staudamms: Die benachbarte Wiesenfläche des denkmalgeschützten Landschaftsparks steht unter Wasser, Bäume könnten geschädigt werden. Die Stauhaltung des Bibers stimme mit der Stauhöhe des früheren Wehres in etwa überein, so Lindow. Da die Bäume in der Vergangenheit keinen Schaden genommen hätten, dürften sie die jetzige Situation ebenfalls verkraften. Und Bäume, die von den Bibern angefressen wurden, seien vorrangig Weichholzarten wie Pappel, Weide und Erle. Dadurch entstehe keine Beeinträchtigung des Landschaftsparkes in Hoppenrade, fasste Lindow zusammen.

Leider habe der Biber aber auch mächtige Buchen angenagt, die zum denkmalgeschützten Baumbestand gehören. Ob sie diese Schäden überstehen, sei fraglich. Zukünftig müsse ein Verbissschutz solche Schäden verhindern.

Generell sei es schön, dass sich die geschützten Tiere in der Prignitz wieder ausbreiten. Dennoch seien sie europaweit immer noch stark gefährdet. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist der Biber deshalb streng geschützt. Daher sehe Lindow auch keine echte Handlungsalternative, als die Tiere am Cederbach gewähren zu lassen.

„Mit der europäischen Wasserrahmenrichtlinie kollidieren ihre Bauwerke nicht“, erklärte Lindow. Diese sieht vor, dass Gewässer durchlässiger werden sollen, künstliche Bauten wie Wehre verschwinden müssen. Die Biber-Bauwerke seien natürlich nicht künstlich und würden zum Beispiel bei starkem Hochwasser mitunter weggespült. Damit sind die Gewässer nicht dauerhaft angestaut und verbaut, erklärte Lindow. Damit dürfen die Biber am Cederbach weiter in Übereinstimmung mit europäischen Richtlinien leben.

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