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fischzucht in silmersdorf : Nachwuchs für die Stepenitz

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Auf dem Hof der Familie Beutling in Silmersdorf entstand eine Erbrütungsanlage für Lachs- und Meerforelleneier

svz.de von
erstellt am 23.Jan.2014 | 12:00 Uhr

108 460 Eier werden zurzeit in Silmersdorf ausgebrütet. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Geflügeleier, sondern um Laich der Meerforellen aus der Stepenitz. Klitzeklein sind die Eier und werden ständig mit sauerstoffreichem und etwa 4,5 Grad kaltem Wasser umspült. Neben den Meerforelleneiern sind auch etwa 7200 Lachseier in einem so genannten Erbrütungsgerinne aufgelegt.

Auf dem Hof der Familie Beutling in Silmersdorf ist eine Anlage entstanden, mit der Lachs- und Meerforelleneier erbrütet werden sollen. Die Jungfische werden dann in die Stepenitz und die Nebengewässer wieder ausgesetzt. Initiator dieses Vorhabens ist der Fliegenfischerverein Fario e.V. aus Berlin. Vereinsmitglieder sind seit Beginn des Programms für die Wiederansiedlung von Lachs und Meerforelle in der Stepenitz dabei. Das ist bereits 15 Jahre her. „Wir haben uns lange mit der Idee getragen, haben viel diskutiert und beraten“, erklärt der Vereinsvorsitzende Mario Mücke. „Mirko Beutling ist auch Mitglied in unserem Verein und hat angeboten, sich um so eine Anlage zu kümmern. Allerdings unter der Bedingung, dass diese auf seinem Grundstück ist und er keinen zusätzlichen Fahrtweg haben würde, so Mücke weiter.


Projekt wird zu 90 Prozent aus Fischereiabgabe finanziert


Finanziert wird das etwa 60 000 Euro teure Projekt zu 90 Prozent aus Mitteln der Fischereiabgabe. Den Rest finanziert der Verein selbst. Und so funktioniert die Erbrütungsanlage: Im Unterlauf der Stepenitz und Dömnitz werden laichbereite Lachse und Meerforellen gefangen. Die Milchner beider Arten werden dann in ein Hälterbecken gesetzt, Lachs- und Meerforellenweibchen in jeweils einen separaten Behälter. Hier bleiben die Fische, bis sie bereit für die Eiablage sind. Dann werden die Eier abgestreift und mit der Milch der Männchen befruchtet. Nun kommen die Eier in die Brutanlage. Frisches, kaltes Wasser, das aus einem Brunnen gepumpt und biologisch aufbereitet wird, umströmt die getrennt aufgelegten Lachs- und Meerforelleneier. Ständig müssen Wasserbeschaffenheit, Temperatur und die Brutschalen kontrolliert werden. Das sind die Aufgaben von Mirko Beutling, der hier täglich ein bis zwei Stunden verbringen wird.

Ende März bis Anfang April werden die kleinen Lachse und Meerforellen schlüpfen und dann in ihre neue Heimat entlassen werden. „Wir wollen so versuchen, die zukünftige Rückkehrrate zu erhöhen, denn die Lachseier sind für uns einfach zu wertvoll, als dass wir sie der Natur überlassen wollen, wo es sehr hohe Verlustarten gibt“, sagt Ulrich Thiel, Mitarbeiter des Landesanglerverbandes Brandenburg und Mitglied im Fario e.V. Thiel betreut das Programm zur Wiederansiedlung von Lachs und Meerforelle in der Prignitz von Anfang an.


Viele positive Begleiterscheinungen


„Die Einweihung des Bruthauses ist ein weiterer und sehr wichtiger Höhepunkt in diesem Vorhaben. Seit 1997 arbeiten wir daran mit Voruntersuchungen, haben 1999 die ersten Fische besetzt und im Jahr 2002 gab es die ersten Rückkehrer. Wenn man bedenkt, dass die Lachse bis vor die Westküste Grönlands ziehen und dennoch die kleine Stepenitz wieder finden, ist das sehr beeindruckend“, sagt Thiel. Im Zuge des Lachsprogrammes gab es aber sehr viele positive Begleiterscheinungen, so Thiel. So wurden Wehre in Wolfshagen und Perleberg zurückgebaut, Fischpässe gebaut und als ein weiterer wichtiger Höhepunkt die Wasserkraftanlage an der Perleberger Stadtmühle stillgelegt. Die Einweihung des Bruthauses, das nach getaner Arbeit erst wieder im Oktober in Betrieb gehen wird, ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg, Lachs und Meerforelle dauerhaft hier wieder anzusiedeln. „Der Mensch hat etwa 100 Jahre gebraucht, um Lachs und Meerforelle im Stepenitzsystem auszurotten, das kann man nicht einfach in zehn Jahren korrigieren“, sagt Thiel. Das brauche Zeit und viel Geduld.

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