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Ein besonderer Gast : Nachfahrin von Salomon Herz besucht Ölmühle

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Rosemarie Grau erinnerte sich, wie sie als kleines Mädchen ihren Großvater Max in Wittenberge traf

von
erstellt am 19.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Einen ganz besonderen Gast konnten gestern Lutz und sein Sohn Jan Lange über das Gelände und durch Gebäude der alten Ölmühle führen. Die beiden Gesellschafter der Genesis GmbH begrüßten keine Geringe als die Ur-, Urenkelin von Salomon Herz, also jenes Mannes, der Mitte des 19. Jahrhunderts die Ölmühle Wittenberge gründete.

Am 23. Mai feiert Rosemarie Grau, deren Mutter eine geborene Herz war, ihren 90. Geburtstag. „Leider“, sagt die agile Senioren und lächelt schelmisch, „denn so alt fühle ich mich wirklich noch nicht“. Und, das muss an dieser Stelle gesagt werden, Rosemarie Grau muss trotz ihres schweren Schicksals das Alter ausgetrickst haben, man sieht es ihr nicht an.

Ihre Eltern Luise und Heinz Grau – der Vater war Rechtsanwalt und Notar – wurden während der Nazizeit ermordet. Sie selbst und ihre beiden Geschwister hatten Glück, gehörten zu jenen jüdischen Kindern, die noch nach England ausreisen konnten. „Ich bin bei Pflegeeltern in England aufgewachsen, lebe heute in England, aber ich hänge auch an Berlin“, erzählt die 89-Jährige, die viel und gern reist. Mit dem Besuch in Wittenberge hat es eine besondere Bewandtnis. Er ist eine Art vorgezogenes Geburtstagsgeschenk.

Ingrid Rothschild, die die Seniorin als Verwandte bei dieser Reise begleitet, erzählt davon, dass sie immer mal wieder im Internet nach der Ölmühle in Wittenberge gegoogelt haben. „Da habe ich von Konzerten gelesen, die es hier gibt, von dem Hotel.“ Der Plan reifte. Rosemarie Grau und Ingrid Rothschild reisten am Sonntag in Wittenberge an, übernachteten im Hotel „Alte Ölmühle“. Ja, sie habe gut geschlafen, sagt die lebhafte Seniorin. „Aber es ist alles auch sehr aufregend für mich.“ Bei diesen Worten sitzt sie gemeinsam mit Lutz und Jan Lange im Frühstückssalon des Hotels, entstanden in jener Villa auf dem Fabriksgelände, in dem früher die Familie Herz lebte. Rosemarie Grau lächelt, als sie sagt: „Hier war ich als kleines Mädchen. In diesem Haus habe ich meinen Großvater besucht.“ Ihr Großvater war Max Herz, dessen Vater Wilhelm. Und Wilhelm Herz war ein Sohn von Ölmühlgründer Salomon Herz. Schnell entspinnt sich zwischen den Langes und Rosemarie Grau ein Gespräch über die Vorfahren. Lutz Lange erzählt, er habe jetzt ein Buch aus der Feder von Wilhelm Herz ersteigern können, in dem auch die Ölmühle genannt ist. Er zeigt es den beiden Damen beim anschließenden Rundgang. Rosemarie Grau und Ingrid Rothschild freuen sich, als sie erfahren, die Genesis GmbH als Eigentümergesellschaft der Ölmühle sei dabei, ein kleines Museum einzurichten, im Zentrum die Industriellenfamilie Herz. „Wie gut sich alles entwickelt“, sagt Rosemarie Grau. Vor zehn, fünfzehn Jahren hatte sie der Ölmühle schon einmal einen Besuch abgestattet. Die Villa ihrer Vorfahren war aber noch nicht saniert und ungenutzt. „Wir durften uns aber im Innern umsehen. Als Erinnerung haben wir ein kleines Stück Holz mitgenommen“, ergänzt Ingrid Rothschild.

Mit Freude hört die Herz-Nachfahrin auch, dass in Wittenberge der Platz vor dem Bahnhof nach ihrem Ur-, Urgroßvater benannt ist. Stadtsprecherin Christiane Schomaker, die es sich nicht nehmen lässt, die besonderen Gäste zu begrüßen, erzählt, dass dort auch eine Tafel steht, die Auskunft über Herz gibt. Dieser trug mit seiner Investition wesentlich zur Industriealisierung der Stad bei.

 

 

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