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Nach der Flut: Hilfe der Leser ist angekommen

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erstellt am 12.Jul.2013 | 08:14 Uhr

Wittenberge | Tapfer hat Elfriede Kober die Folgen der Flutkatastrophe vor vier Wochen bisher ertragen. Die 74-Jährige aus Bälow südlich von Wittenberge verlor durch das Elbehochwasser fast alles. 40 Zentimeter stand die Brühe in ihrem kleinen Haus. Die Möbel sind inzwischen auf dem Sperrmüll, die Veranda aus Holz musste abgerissen werden, Fußboden und Wände sind noch feucht. Zwei Luftentfeuchter arbeiten in den Räumen.

Seit 40 Jahren lebt Elfriede Kober in ihrem Haus in Bälow. Zwei Zimmer, Küche, Bad, und eine große Veranda. Vor etwa 100 Jahren wurde das kleine Fachwerkhaus für einen Gemeindediener gebaut. Jetzt hat Frau Kober Angst, dass sie für immer aus dem Haus muss. Allein der Gebäudeschaden wird in einem Gutachten auf 35 000 Euro geschätzt. Viel Geld, das die Rentnerin nicht hat.

Als Chefredakteur Michael Seidel und Mathias Thees von der Caritas Elfriede Kober den Scheck mit der Spende unserer Leser übergeben, stehen ihr die Tränen in den Augen. "35 000 Euro. Ich weiß nicht, was ich sagen sollen. Danke, danke, danke...", schluchst sie. Ihre Tochter Ute Patrascheck hält die Hand der Rentnerin. Die 74-Jährige ist überglücklich. Mit der Summe kann das Haus vollständig saniert werden. "Ich habe einen Traum", sagt Elfriede Kober, "Weihnachten wieder in den eigenen vier Wänden feiern." Aus eigener Kraft würde sie sich den Traum nie erfüllen können. Sie lebt von monatlich 380 Euro Grundsicherung im Alter und einer kleinen Witwenrente. "Für mich hat das Geld immer gereicht", sagt sie bescheiden. Doch zum Sparen kam sie damit nicht.

Der einzige Luxus, den sich Oma Kober seit Jahren leistete war monatlich ein Lotto-Tippschein für fünf Euro. Doch das große Glück wollte nicht kommen, stattdessen kam die Katastrophe.

Am 9. Juni, um 4 Uhr morgens, war die Flut da. "Der Pegel der Elbe stieg pro Stunde einen halben Meter", erinnert sich Bürgermeister Jürgen Herper. Mit einem Kahn haben die Männer im Dorf noch versucht, einige Sachen wie die Waschmaschine aus dem Haus von Frau Kober zu retten.

Zwei Tage bevor das Hochwasser kam, hat Ute Petrascheck ihre Mutter zu sich nach Nebelin in die Nähe von Perleberg geholt. Die wichtigsten persönlichen Sachen konnte Frau Kober mitnehmen.

Am vergangenen Wochenende, war sie das erste Mal wieder in ihrem Haus. Der Anblick war ein Schock. "74 Jahre alt zu sein und plötzlich so gut wie nichts mehr zu besitzen, das ist ein furchtbares Gefühl", sagt sie.

Doch die Familie packt mit an, und auch Leute aus dem Dorf wie Bürgermeister Jürgen Herper helfen. In den nächsten Tagen wird eine Firma den feuchten Fußboden und Teile des Innenputzes entfernen. Als nächstes müssen elektrische Leitungen neu verlegt werden. Das Geld dafür kommt aus der 35 000-Euro-Spende unserer Leser.

Auch Feuerwehrleute aus Appendorf in Niedersachsen, die während der Flut in Bälow im Einsatz waren, sammelten zu Hause Geld für Frau Kober. Sie kamen auf 3000 Euro und übergaben die Summe in dieser Woche für die Anschaffung neuer Möbel. "Die Hilfsbereitschaft ist unglaublich", findet Tochter Ute Petrascheck.

Auch die Summe von 35 000 Euro für die Sanierung des Wohnhauses wäre ohne die Hilfsbereitschaft unserer Leser nicht zustande gekommen. Insgesamt 87 800 Euro wurden bei der Spendenaktion unserer Zeitung gemeinsam mit der Caritas für die Flutopfer bis gestern gesammelt. Nicht nur Elfriede Kober konnten unsere Leser helfen, mit 40 000 Euro aus Spenden soll auch der Jugendtreff in Kamern (Sachsen-Anhalt) wiederaufgebaut werden, der durch die Flut zerstört wurde.

Mathias Thees von der Caritas, mit der unsere Zeitung die Spendenaktion organisiert hat, ist von diesem Erfolg beeindruckt. "Das Geld kommt eins zu eins bei den Betroffenen an", sagt er. "Es gibt keine Verwaltungsgebühren. Wir danken allen Lesern, die mit ihrem Geld anderen Lesern helfen."

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