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Wiedersehen in Perleberg : Nach 50 Jahren wieder in der Kita

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ehemalige Kinderdiakonissinnen besuchen ihre Ausbildungsstätte, die heute ein privater Kindergarten ist

von
erstellt am 29.Okt.2016 | 05:00 Uhr

Als 2002 Uta Ilgeroth sich mit der Kita „Haus Sonnenschein“ selbstständig machte, kehrte zugleich Kinderlachen wieder in ein Gebäude in der Pritzwalker Straße ein, das früher bereits viele Jahre als Kindereinrichtung genutzt wurde. Denn hier hatte einst der evangelische Kindergarten sein Domizil. Heidrun Schulz, Maria Buschbeck, Marlies Röser, Annelie Seidel und Hannelore Manitz können sich noch gut an diese Tage erinnern. Vor 50 Jahren machten sie hier ihr Praktikum und legten die Prüfung als Kinderdiakonissinnen ab. Während Tante Heidrun und Tante Maria, wie sie damals offizielle genannte wurden, hier ihr Praktikum und das praktische Examen in dem kleinen evangelischen Kindergarten ablegten, hatten die anderen einmal im Monat einen Praktikumstag in dem Haus. Jetzt besuchten sie die Einrichtung wieder.

„Ehrlich, so lang war mir der Weg vom Bahnhof gar nicht in Erinnerung“, gesteht Maria Buschbeck. Den anderen kam er hingegen schon immer ganz schön weit vor, wie sie erzählen. Ganz bewusst sind sie aber dieses Mal vom Auto auf die Bahn umgestiegen. „Vor 50 Jahren haben wir unsere Ausbildung im Diakoniemutterhaus Friedenshort in Heiligengrabe gemacht. Und mit dem Zug ging es dann zum praktischen Tag nach Perleberg“, berichten die Frauen. Allein die Zugfahrt sei früher ein Erlebnis gewesen – „einwenig wie die große Welt“, gesteht Marlies Röser. In Heiligengrabe ging es klösterlich zu. Einen Freund haben – das ging gar nicht. Selbst zum Spaziergang ging es nur in der Gruppe. Punkt 21.30 Uhr war der Tag für sie zu Ende – „dann wurde das Licht ausgemacht“, erzählen die Frauen. Auf der Zugfahrt hingegen gehörte ihnen die Welt. Klimmzüge an den Gepäckablagestanden, und im Gepäckwagen wurde getanzt.

In der Kita dann hatte Schwester Elisabeth das Sagen unterstützt von Helferin Tante Erika.

Über 40 Kinder betreuten sie damals in den zwei Räumen auf dem Hinterhof. Zur Toilette mussten die Großen durch den Gruppenraum der Kleinen. „Sofern es nicht gerade in Strömen goss, sind wir immer über den Hof mit den Kindern ins Waschhaus gegangen. Anders als heute, gab es für den Toilettengang feste Zeiten“, erzählen die Frauen.

Im Vorderhaus hatte die Gemeindeschwester ihre Räumlichkeit und jene angehenden Kinderdiakonissinnen, die ein durchgehendes Praktikum im Kindergarten machten, wohnten die Zeit über hier. Auch die kleine Küche war dort – „zumindest wurde hier immer die Milch heiß gemacht. Bis diese auf Temperatur war, „mussten wir aber zurück zu den Kindern. Nicht selten kochte so die Milch über“, erinnert sich Marlies Röser. Allen noch im Gedächtnis sind auch die Worte von Schwester Elisabeth: „Auf dem Teller darf nicht zu sehen sein, was man gegessen hat.“ Übrigens, das Essen wurde in Kübeln mit dem Handwagen aus der damaligen Schule in der Wilsnacker Straße geholt. Frühstück und Vesper gaben die Eltern den Kindern mit.

Damals hatte der Kindergarten auch noch sonnabends geöffnet – „bis Mittag. Anschließend mussten wir den Hof harken – so richtig mit Muster, und den Sand wieder in den Sandkasten schaufeln“, erzählt Maria Buschbeck.

„Viele Erinnerungen hatte ich eigentlich gar nicht mehr an die Zeit. Doch auf dem Weg vom Bahnhof und jetzt im Kindergarten, kommen sie wieder“, gesteht Annelie Seidel. So heißt es immer wieder: „Weißt Du noch?“ Und alle sind angetan, von dem Kindergarten „Haus Sonnenschein“ der heute hier zuhause ist. Liane Lütke, die von Anbeginn in dem privaten Kindergarten arbeitet, zeigt den ehemaligen Kinderdiakonissinnen die Einrichtung und auf Bildern können diese nachvollziehen, wie sich das Haus, das viele Jahre zuvor leer stand, zu einem Kinderparadies gemausert hat. Mit 15 Spatzen und zwei Kolleginnen aus der DRK-Kita begann Uta Ilgeroth 2002. Heute werden hier über 100 Steppkes im Alter von Null bis zur Einschulung betreut, denn seit 2008 gehört auch das ehemalige Anwesen der Volkssolidarität in der Wilsnacker Straße dazu. 

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